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Der Rückzieher

Der Trentiner LH Ugo Rossi will die vor zwei Jahren geschlossene Geburtenabteilung in Cavalese „unverzüglich“ wieder öffnen. Auch Tione und Arco könnten von Rom eine Ausnahmeregelung erhalten.

von Matthias Kofler

„Die Voraussetzungen für die Wiedereröffnung der Geburtenabteilung am Krankenhaus von Cavalese sind gegeben. Die Gesundheitsministerin wird aufgefordert, unverzüglich die notwendigen Schritte einzuleiten, um den Bürgern des Fleimstals und des Fassatals die medizinische Grundversorgung zu gewährleisten“, erklärten der Trentiner Landeshauptmann Ugo Rossi und Gesundheitslandesrat Luca Zeni auf einer Pressekonferenz.

Demnach hat das Trentino bei Gesundheitsministerin Giulia Grillo ein offizielles Ansuchen auf unverzügliche Wiedereröffnung der 2016 geschlossenen Geburtenabteilung in Cavalese deponiert. Die Dienstleistungen in den Bereichen Gynäkologie, Anästhesie und Pädiatrie sollen künftig nicht rund um die Uhr, sondern auf Abruf gewährleistet werden. Zudem soll die Chirurgie-Abteilung bis Juni 2019 ausgebaut werden.
Die Geburtenabteilung am Krankenhaus Cavalese war 2016 geschlossen worden, weil dort die gesetzlich vorgeschriebenen 500 Geburten pro Jahr nicht erreicht werden konnten. Zudem konnte der 24-Stunden-Aktivdienst der vier Fachkräfte (Anästhesist, Gynäkologe, Pädiater und Hebamme) nicht gewährleistet werden.

Nun legt die Südtiroler Nachbarprovinz eine Kehrtwende ein: Aus Lega-Kreisen in Rom ist zu vernehmen, dass auch die 2016 geschlossenen Geburtenabteilungen von Arco und Tione in Kürze eine entsprechende Ausnahmeregelung erhalten könnten, die mit der geografischen Lage der Krankenhäuser begründet wird. Auch in der Emilia-Romagna und in Kampanien wurden von der Regierung in Rom bereits entsprechende „deroghe“ ausgestellt.

In Südtirol mussten 2016 im Zuge der Sanitätsreform die Geburtenstationen von Innichen und Sterzing ihre Pforten schließen. Ob nun auch — gleich wie im Trentino – ein Neuanlauf gestartet wird, ist unklar.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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Kommentare (13)

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  • asterix

    Jetzt wird es interessant. Schauen ob unsere Strategen beim Antrag für die „deroga“ genau so schnell agieren wie bei der Schließung der Geburtenabteilungen. Weil bei der Schließung haben sie im vorauseilendem Autonomiegehorchsam ja alle anderen um Längen überholt

  • drago

    Wie unsere allseits geliebte Landesrtäin heute in der Zeitung betont hat, tat es ihr im Herzen weh, die Geburtenabteilung in Sterzing schließen zu müssen, aber die Qualitätsanforderungen ließen keine andere Wahl. Und als (sture) Südtiroler bleiben wir bei unserer einmal getroffenen Entscheidung.

  • andreas

    Die irreversible Schädigung des Babys in Sterzing, welche auf die mangelnde Struktur des Krankenhauses zurückzuführen ist, sollte den Kritiker der Reform bzw. von Stocker vielleicht doch zu denken geben.
    Komfort gegen Sicherheit, es wurde zu Recht für die Sicherheit entschieden.

  • robby

    Darum soll sich die Senatorin Unterberger kümmern. Sie hat sich ja um beste Kontakte zur Lega und Salvini gekümmert..

  • andreas

    @drago
    In BZ sind halt mehrere Anästhesisten und ein Kaiserschnitt wohl jederzeit machbar.
    Die Anzahl der Möglichkeiten nennt man eigentlich schon Struktur.

    • drago

      Nochmals: zwischen Struktur und Organisation besteht ein grundlegender Unterschied. Ich kann auch bei ausreichender Struktur eine Fehlorganisation aufweisen. Darüberhinaus kann man nicht einen Einzelfall als Begründung für eine derartige Entscheidung verwenden. Denn, wie gesagt, Einzelfälle gibt es in den besten Spitälern. Die Grundlage war einfach eine Verwaltungsvorschrift, die sich auf eine Gesamtheit von Fällen bezogen hat und die, wie es bei statistischen Begürndungen nun mal ist, sich nicht mit Einzelfällen beschäftigt, weder im Guten noch im Bösen.
      Insgesamt glaube ich mich zu erinnern, dass Sterzing einen sehr guten Ruf hatte und sogar Gebärende aus ganz Südtirol (und dem Trentino) angezogen hat.

  • andreas

    @drago
    Wenn 4 Abteilungen mit je 4 Personen benötigt werden, um für alle Notfälle gerüstet zu sein, reichen 3 Abteilungen mit je 2 Personen halt nicht. Üblicherweise sind auch Reserven notwendig, welche in einer kleinen Struktur nicht machbar sind.
    Sterzing hatte einen guten Ruf, das stimmt, bei denen wo alles gut gelaufen ist.

    • drago

      Deine Aussage war:
      „Die irreversible Schädigung des Babys in Sterzing, welche auf die mangelnde Struktur des Krankenhauses zurückzuführen ist, sollte den Kritiker der Reform bzw. von Stocker vielleicht doch zu denken geben.
      Komfort gegen Sicherheit, es wurde zu Recht für die Sicherheit entschieden.“
      Nochmals: a) die Schädigung des Babys war nicht auf die mangelnde Struktur zurückzuführen. b) ein Einzelfall kann nicht die Grundlage oder Rechtfertigung für die Schließung sein. c) die Vorgaben betreffend die Struktur, die als Rechtfertigung für die Schließung der Abteilung in Sterzing herangezogen wurde, wurden auf statistischer Grundlage erarbeitet. d) die Vorgaben ließen Ausnahmen zu, das heisst, die Vorgaben sind nicht absolut.
      Zum Schluss: Dein jetztiger Post steht dem von mir kritisierten diametral entgegen.

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