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Piepser auf dem Handy

Die App „Pocsag Südtirol“ wird von immer mehr Rettungsorganisationen in Südtirol genutzt. Das System sendet in Einsatzfällen eine Push-Nachricht an die Mitglieder. Die Tageszeitung hat mit dem Erfinder der App gesprochen.

von Markus Rufin

Der technische Fortschritt erleichtert den Alltag der Südtiroler Rettungsorganisationen – beispielsweise bei der Alarmierung. Längst werden die Feuerwehren oder das Weiße Kreuz nicht nur über Personenrufempfänger (Piepser) und Sirene gerufen. Auch über SMS erhalten viele Mitglieder eine Benachrichtigung.

Seit einigen Jahren gibt es eine App, die die Alarmierung der Mitglieder zusätzlich erleichtert: „Pocsag Südtirol“. Vor allem bei Feuerwehren ist die App sehr beliebt. Denn aufgrund der Kosten besitzen bei den meisten Feuerwehren nicht alle Mitglieder einen Piepser. Die Benachrichtigung über SMS wird häufig überhört. Die App ist dagegen ähnlich laut wie ein Piepser – und auch genauso schnell. Dennoch dient die App nicht als Ersatz für den Piepser.

Philipp Fritz, der „Pocsag Südtirol“ ins Leben gerufen hat, kam aus der Not heraus zu der Idee, diese App zu machen: „Ich bin Mitglied bei der Feuerwehr Algund. Vor einigen Jahren gab es bei uns einen Mangel an Personenrufempfängern. Ich musste mir einen mit meinen Kammeraden teilen. Wir sollten uns gegenseitig im Einsatzfall informieren, aber das hat nicht immer gut geklappt. Daher habe ich das System erstellt.“

Zunächst entwickelte Fritz das System nur für die Feuerwehr von Algund. Schnell bekamen andere Feuerwehren davon Wind und wollten ebenso registriert werden. „Ich habe es dann einfach ausgeweitet“, erklärt Fritz. Anfang 2016 ging das System online – mittlerweile nutzen über 160 Feuerwehren, Wasserrettungen und sogar einige Mitglieder des Weißen Kreuzes die App.

Auch die Registrierung läuft sehr einfach ab und ist kostenlos. „Der Kommandant muss eine Genehmigung unterschreiben, mit der er erklärt, einverstanden zu sein, dass die Feuerwehr die App nutzt. Die Feuerwehr oder die Rettungsorganisation bekommt ein Verwaltungskonto, wo man die Mitglieder verwalten kann. Das Mitglied muss sich das erste Mal registrieren und wird dann dem Verwaltungskonto zugeteilt. Die Rettungsorganisation entscheidet dann selbst, wer welche Nachrichten erhält.

Neben der Alarmierung über Push-Mitteilung wird das Mitglied der Rettungsorganisation auch über Mail und eventuell über SMS über den Einsatz informiert. „Mail und Push-Mitteilungen sind gratis. Die SMS kosten allerdings Geld, weil auch ich dafür bezahlen muss“, erklärt der App-Entwickler.

Zudem verfügt die App über einige Zusatzfunktionen, die im Einsatzfall hilfreich sein können. So ist beispielsweise auch eine Karte installiert, mit der man den Einsatzort angezeigt bekommt. Das ist vor allem in kleineren Dörfern mit vielen Höfen hilfreich, meint Fritz: „Es kommt manchmal vor, dass die Hausnummern nicht nach Reihung vergeben werden, sondern nach Hofbaujahr. So kann in peripheren Gebieten auf die Hausnummer „1“ die Hausnummer „23“ folgen. Durch die Markierung auf der Karte muss man das Haus aber nicht länger suchen, weil es direkt aufscheint.“

Doch nicht nur Mitglieder einer Rettungsorganisation können den Dienst nutzen. Auch Familienangehörige oder Arbeitgeber können registriert werden. „Auch hier entscheidet die Feuerwehr, wer eine Benachrichtigung erhält“, so Fritz. So kann ein Arbeitgeber beispielsweise darüber informiert werden, dass die Feuerwehr einen Einsatz hat, er wird aber nicht darüber informiert, wo dieser ist. „So wissen Familienangehörige und Arbeitgeber, dass das Mitglied im Einsatz steht und möglicherweise später kommt“, erläutert Philipp Fritz.

Der Algunder Feuerwehrmann hat die App nicht nur allein entwickelt, er finanziert sie auch selbst: „Ich betreibe den Dienst als Hobby, bekomme aber hin und wieder eine Spende einer Feuerwehr.“

Der Beweis dafür, dass die App eine richtige Erfolgsgeschichte ist, zeigt sich daran, dass sie immer wieder ausgebaut, erweitert und aktualisiert wird. Viele Feuerwehren geben Fritz dabei Vorschläge, wie er das System optimieren könnte.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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Kommentare (5)

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  • yannis

    Wie man sieht es geht auch ohne überteuerten. Digitalfunksystem, einfach den Mitarbeitern anständige Smartphones geben und schon sind alle im Netzwerk zu jeder Zeit erreichbar, aber das würde ja Steuergelder sparen.

  • criticus

    Das alte Piepser-Alarmsystem war weitaus besser. Man hörte die Alarmierung, bzw. auch die Durchsage und hörte auch mit, wer sich meldete. Heute hört man den Alarmton, muss beim Autofahren anhalten und den meist nicht lesbaren Text mit Lupe entziffern. Es erfolgt keine Durchsage und man hat keine Information wer schon unterwegs ist.
    Eine totale Verschlimmbesserung Herr Schuler!!
    Bravo Philipp! Und der der die digitalen Piepser eingeführt hat, gehört nach Hause geschickt. Aber irgendwer verdient ja immer mit!

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