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Der Bären-Hype

Eine Bärenmutter überquert mit vier Jungen einen Waldweg: In Eisacktal will man die Tiere gleich an mehreren Orten gesehen haben. Aber wo wurde die Videoaufnahme wirklich gemacht?

von Erna Egger

Ist es Wunschdenken oder Angst? Ob auf Facebook, WhatsApp oder anderen sozialen Netzwerken: Zurzeit zirkuliert ein Video, dass eine Bärin mit vier Jungen zeigt, die gerade einen Waldweg überquert.

Aber wo befindet sich dieser Waldweg? Die Ortsangaben in den sozialen Medien divergieren. Wurde die Mutter der Bärenjungen am Mittwoch in Rodeneck, in Schalders, in Klausen oder anderswo gesichtet?

Dem Bürgermeister von Rodeneck wurde per WhatsApp das Video gleich zweimal innerhalb weniger Stunden zugespielt, mit dem Vermerk, dass die Bärin in Rodeneck gesichtet worden sei. „Auch die Forststation Mühlbach hat mir die Aufnahmen zukommen lassen, aber nicht am Mittwoch, sondern schon vor zehn Tagen“, sagt Klaus Faller. „Geredet wurde, dass die Bärin oberhalb des Therapiezentrums Bad Bachgart unterwegs ist.“

In anderen Ortschaften will man die Tiere ebenfalls gesehen haben. Die Filmaufnahme macht in den sozialen Netzwerken die Runde. „Ich wurde von einigen Leuten darauf angesprochen“, so der Bürgermeister.

Die Aufklärung ließ nicht lange auf sich warten: „Der Förster hat mir nach einigen Stunden mitgeteilt, dass es sich um eine Falschmeldung handelt. Das Video sei im Trentino aufgenommen worden“, so Faller.

Auch Heinrich Aukenthaler, der Geschäftsführer des Südtiroler Jagdverbandes, hat das Video gesehen: Aufgenommen wurde dieser Kurzfilm im Trentino, und zwar in Valle dei Laghi. TAGESZEITUNG Online hat das Video am 17. Juli veröffentlicht.

„Ich war der Meinung, dass eine Bärenmutter nicht mehr als drei Junge haben kann, zumeist bringt sie nur eines zur Welt. Es ist ein äußerst seltenes Ereignis, dass eine Bärin vier Junge bekommt“, so Aukenthaler.

Dass eine weitere Bärin vier Junge geboren hat oder dass die Trentiner Bärenmutter mittlerweile nach Südtirol gewechselt ist, schließt Aukenthaler aus: „Das wäre ein phänomenales, ein schier unglaubliches Ereignis. Eher handelt es sich aber um eine Falschmeldung. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass eine derart seltene Begebenheit gleich zweimal vorkommt.“

Die Anzahl des Nachwuchses bei Bären hängt zumeist mit der Nahrungsverfügbarkeit zusammen. „Jene Bären, denen es sehr gut geht, haben auch mehr Nachkommen“, so der Geschäftsführer im Jagdverband.

Der Nachwuchs kommt zumeist nach dem Winterschlaf im März in einer Höhle zur Welt. Zuerst durchstreift die Bärenmutter mit ihren Jungen die nähere Umgebung. „Die Kleinen haben keine große Wanderlust. Daher bezweifle ich, dass die Trientner Bärin nach Südtirol marschiert ist.“

Erst Jungbären mit drei bis vier Jahren nehmen längere Märsche auf sich.

Wenn in Südtirol Bären auftreten, werden sie meist in Ulten oder im Schlerngebiet gesichtet. Zurzeit sind am Mendelkamm einzelne Raubtiere unterwegs.

In Schalders bei Vahrn soll ein Bär alljährlich seinen Winterschlaf halten: Ist dieses Gerücht wahr?

„In Schalders gibt es einen Bereich, der Bärenleger genannt wird. Der Name deutet darauf hin, dass dort ein Winterschlafort für diese Tiere bestand. Interessanterweise hat die Bärin Vida, die durch Südtirol gewandert ist, im Jahr 2001 genau dort ihren Winterschlaf abgehalten“, erzählt Aukenthaler.

Vida marschierte dann nach Nordtirol, kehrte aber wieder zurück, durchstreifte Pfitsch und latschte nach Osten weiter. In Kärnten ist sie verschollen.

„Man weiß aber nur von diesem einzigen Fall. Von weiteren Bären, die in Schalders überwintert haben, ist uns nichts bekannt“, dementiert der Geschäftsführer des Jagdverbandes.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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