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Eine Vermisste, drei Konkurse

Eine weitere Firma, welche im Ex-Grandhotel Karersee tätig war, ist am Bozner Landesgericht in Konkurs gegangen. Ein weiteres Kapitel in einer mysteriösen Geschichte um ein dubioses Unternehmen und eine verschwundene Frau.

Von Thomas Vikoler

Maria Rosa Prandelli ist bis heute nicht aufgetaucht. Seit dem 9. Juli 2014 fehlt jegliche Spur von der Gastwirtin. Ihren Kleinwagen Nissan Micra hatte sie vor ihrem Verschwinden in der Bozner Mayr-Nusser-Straße stehengelassen.

Es ist nicht auszuschließen, dass die Frau einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen ist. Von einer möglichen Rolle der ´Ndrangehta ist die Rede.

Maria Rosa Prandelli ist gesetzliche Vertreterin von drei Gesellschaften, gegen die Konkursverfahren laufen. Der jüngste Konkurs, eröffnet am vergangenen Freitag am Landesgericht Bozen, betrifft die Club Grand Hotel Carezza Srls. Beantragt wurde er von vier ehemaligen Angestellten der einfachen GmbH mit einem Kapital von 150 Euro.

„Zu holen wird es dort nichts geben“, sagt der Bozner Anwalt Pietro Bruscia, der als Konkursverwalter der Club Grand Hotel Carezza eingesetzt worden ist. Wie häufig in derartigen Fällen, wird das klamme Nationalfürsorge-Institut INPS einspringen müssen. Es muss laut Gesetz die drei letzten Monatsgehälter der Angestellten und die Abfertigung bezahlen.

Die nun zahlungsfähige Firma wurde im Jahre 2015 gegründet, einzige Gesellschafterin ist die verschwunden Maria Rosa Prandelli, Club Grand Hotel Carezza übernahm auf dem Pachtwege einen Betriebszweig (die Führung und Verwaltung des Restaurants und der Bar des ehemaligen Grandhotels) der 2016 in den Konkurs gegangenen Firma Turiskar Srl.

Ein weiterer Betriebszweig (die Vermietung von Wohnungen im Ex-Hotel im Eigentum von Turiskar) ging an eine Firma namens Grand Hotel Carezza Srls, inzwischen ebenfalls liquidiert. Zurück blieben Schulden in Millionenhöhe gegen Personal und Lieferanten. Die beiden einfachen GmbHs wurden offenbar mit dem einzigen Zweck gegründet, die Schulden auf sie abzuwälzen.

Mit einer Frau als Verantwortlichen, die inzwischen spurlos verschwunden ist. Für tot erklärt wurde sie bis jetzt jedenfalls nicht.

Dabei gibt bzw. gab es sehr wohl Anlagevermögen. Die Firma Turiskar Srl, die rückführbar auf eine Unternehmerfamilie aus der Provinz Brescia ist, besaß im Grand Hotel einige Wohnungen im Ostflügel, ein Schwimmbad, ein Restaurant, Tennisplätze, eine Turnhalle. Die Hotelanlage wurde inzwischen vom Land unter Denkmalschutz gestellt.

Das Anlagevermögen wurde bereits mehrmals zur Versteigerung ausgeschrieben., der erste Ausrufungspreis lag bei 2,2 Millionen Euro.

Konkursverwalter Bruscia kann sich über die dubiose Firmenkonstruktion nur wundern. Auch dass die Abtretung von einzelnen Betriebszweigen und die Gründung von einfachen GmbHs ohne Eigenkapital weiterhin gesetzlich möglich sind.

 

 

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