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Abschreckende Strafen

Im Jahr 2017 wurden in Südtirol 624 Führerscheine wegen Trunkenheit am Steuer eingezogen. Durchschnittlich passieren in Südtirol 4,5 Unfälle pro Tag.

Tageszeitung: Herr Mock, ist Trunkenheit am Steuer noch immer ein Problem in Südtirol?

Peter Mock (Kommandant Straßenpolizei Sterzing): Ich würde sagen, dass in den letzten Jahren ein Umdenken stattgefunden hat. Die Zahlen sind in den letzten Jahren ziemlich zurückgegangen und ich glaube schon, dass dies zeigt, dass die Menschen die Problematik erkannt haben.

Im Jahr 2017 wurden 624 Führerscheine wegen Trunkenheit am Steuer eingezogen. 2008 waren es noch 1.160 Führerscheine. Wurden die Kontrollen verschärft?

Einerseits wurden die Kontrollen verstärkt, andererseits haben aber auch die hohen Strafen ihren Teil beigetragen. Vor allem die Verschärfung der Straßenverkehrsordnung, welche die Beschlagnahmung des Fahrzeuges bei einigen Vergehen vorsieht, hat vielen Fahrern zu denken gegeben. Wenn man nur ein Auto in der Familie hat, wäre es schlimm, wenn dieses sequestriert wird.

Aber man hat auch versucht, Sensibilisierungsarbeit zu leisten und dadurch Menschen aufzurütteln. Zudem wurde das Taxi- und Nightliner-Angebot in den letzten Jahren ausgebaut.

Die meisten Führerscheine wegen Trunkenheit werden noch immer Männern entzogen (über 90 Prozent)…

Das ist nicht überraschend und immer noch ein bisschen ein kulturelles Problem: Wenn man in Südtirol ausgeht, fährt meistens der Mann nach dem Abendessen nach Hause. Auch wenn der Mann getrunken hat, will er trotzdem selbst fahren und nur selten die Frau ans Steuer lassen – Frauen fahren daher seltener und dementsprechend sind auch die Kontrollen weniger.

Unsere Erfahrung zeigt aber auch, dass wir zwar nur selten leicht angetrunkene Frauen aus dem Verkehr ziehen, sondern wenn dann Frauen mit mehr als 1,5 Promille.

Die Zahl der Verkehrsunfälle in Südtirol ist in den letzten zehn Jahren gestiegen, gleichzeitig konnte die Zahl der Toten beinahe halbiert werden…

Dafür sind verschiedene Faktoren verantwortlich: Die Autos sind einerseits sicherer geworden, andererseits verzeichnen wir sehr viele leichte Verkehrsunfälle.

Die meisten Unfälle passieren auf Straßen im Ortsbereich. Halten sich dort einfach zu viele Fahrer nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzungen?

Ich würde nicht sagen, dass die Geschwindigkeitsüberschreitungen für die Unfälle verantwortlich sind sondern viel mehr Unachtsamkeiten. Im Dorfbereich können Fußgänger oder Fahrradfahrer oft sehr plötzlich auftauchen und wenn man dann beispielsweise durch ein Handy abgelenkt ist, passieren eben schnell Unfälle.

Interview: Lisi Lang

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Kommentare (2)

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  • yannis

    Jetzt müssten nur noch die allenthalben stattfindenden „Saufevents“ eingezogen werden, wo die Steurern für die Gehälter wie dies von Mock eingenommen werden.

  • ollaweilleiselber

    Solange die Erwachsenen den Kindern und Jugendlichen ihre eigene Trink- (Sauf-) Kulktur vorleben wir den Alkoholikern der Nachwuchs nicht ausgehen.
    Man werfe nur mal einen Blich in das Dorfgasthaus, nach Feierabend oder am Sonntag.
    Wer da nicht mit einem ordentlichen Rausch in den Schuhen nach hause kommt ist doch kein richtiger Mann.
    Zum Glück gibt es aber noch genügend andere Menschen, die einen vernünftigen Umgang mit Alkohol pflegen, nur sind die nicht so sichtbar.

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