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Der geplatzte Vergleich

Gegen eine 37-jährige Autofahrerin aus Pfatten, die einen tödlichen Motorradunfall verursachte, muss eine verschärfte Anklage erhoben werden.

von Thomas Vikoler

Im März 2017 trat in Italien ein Gesetz in Kraft, das nicht nur bei Autofahrern für erhebliche Aufregung sorgte. Es geht darin um den Tatbestand der Tötung im Straßenverkehr („omicidio stradale“), eine Verschärfung der Bestimmungen zur fahrlässigen Tötung.

Über die Anwendung des Gesetzes wird in Italiens Gerichten seitdem heftig gestritten. Auch in einem Strafverfahren am Landesgericht Bozen, zu dem am Donnerstag ein gerichtlicher Vergleich hätte geschlossen werden.

Doch dazu kam es nicht.

Angeklagt ist eine 37-jährige Autofahrerin aus Pfatten, die am 22. September 2017 in der Fraktion Birti einen tödlichen Unfall verursachte. Daran besteht laut dem Gutachter der Staatsanwaltschaft, Antonio Pietrini, kein Zweifel. Die Frau war mit ihrem Chevrolet Matiz von einer Seitenstraße in die Landesstraße eingebogen. Sie verletzte dabei nicht nur die Vorfahrt, sondern fuhr auch einige Meter gegen die Fahrtrichtung.

Mit fatalen Folgen: Der 17-jährigen Davide Simoni prallte mit seinem Benelli-125-Motorrad – trotz seiner vergleichsweise geringen Geschwindigkeit – gegen den Chevrolet-Kleinwagen.

Der junge Mann zog sich beim Unfall tödliche Verletzungen zu.

Die Auto-Versicherung der Frau hat bis heute an die Eltern des Verstorbenen keinen Schadenersatz gezahlt. Dennoch handelte der Verteidiger der Frau, Alessandro Tonon, mit der Staatsanwaltschaft einen gerichtlichen Vergleich aus. Die Autofahrerin sollte demnach eine Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten wegen fahrlässiger Tötung erhalten.

Doch der Vergleich platzte bei der gestrigen Vorverhandlung vor Richter Andrea Pappalardo. Francesco Coran, der Anwalt der Zivilpartei, hatte einen Schriftsatz hinterlegt, der den Richter überzeugte. Er wandte darin ein, dass die vereinbarte Haftstrafe viel zu niedrig sei. Und zwar deshalb, weil laut Anklage-Gutachten die (kurze) Geisterfahrt des Chevrolet sehr wohl als Mit-Ursache für den Zusammenprall zu werten sei.

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