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Drama hinter Gittern

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Der Vater der Siebenjährigen, die Mitte Mai in Wien von einem 16-Jährigen umgebracht und in den Müll geworfen wurde, sitzt im Bozner Gefängnis. Ein Gefängnispsychologe berichtete ihm erst zehn Tage später, was wirklich passiert war.

Von Thomas Vikoler

Es war einer der brutalsten Morde der jüngeren österreichischen Justizgeschichte: Ein siebenjähriges Mädchen wurde Mitte Mai im Wiener Bezirk Döbling mit einem Messer getötet, der Täter trennte ihm beinahe den Kopf ab.

Nicht weniger schrecklich ist das, was daraufhin mit der Leiche geschah: Sie wurde in den Müll geworfen.

Als Täter wurde kurz darauf ein 16-Jähriger identifiziert. Der junge Mann, ein gebürtiger Tschetschene, gab im Verhör an, das Mädchen aus „allgemeiner Wut“ getötet zu haben. Große Reue habe der geständige Täter aber nicht gezeigt, berichtete die Polizei.

Was bisher nicht bekannt war: Der Vater des Mordopfers sitzt im Bozner Gefängnis. Bis heute. Es handelt sich um einen gebürtigen Tschetschenen, der – zusammen mit vier Landsleuten – bei Transport von Flüchtlingen an die österreichische Grenze erwischt wurde.

Am Landesgericht Udine wurde der Mann deshalb zur ungewöhnlich hohen Strafe von fünf Jahren verurteilt.

Drei Jahre davon hat er inzwischen abgesessen, zuletzt in der Bozner Haftanstalt.

Dort erfuhr er zunächst, wahrscheinlich von Mitinsassen, dass seine Tochter in Wien ums Leben gekommen war. Nichts aber von dem brutalen Mord und der Leichenbeseitigung.

Die schreckliche Nachricht überbrachte ihm schließlich, zehn Tage später, der Gefängnis-Psychologe.

Der Vater rastete zunächst – nachvollziehbarerweise – aus und fügte sich selbst Verletzungen zu. Dass seine kleine Tochter nach dem Mord in einem Müllsack entsorgt wurde, konnte und wollte er nicht wahrhaben. Er machte sich zudem Vorwürfe, die Siebenjährige nicht ausreichend geschützt zu haben.

Ein wahres Drama hinter Gittern.

Laut Wiener Polizei war das Mädchen aber „zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort“, der Täter hätte auch jemand anderes auf diese bestialische Art und Weise töten und verschachern können.

Der verzweifelte Vater hat inzwischen in Bozen Besuch von Familienangehörigen erhalten und konnte das Gefängnis, auch weil er das Zwei-Jahres-Limit unterschritten hat, für Freigänge verlassen.

Er wird, wie sein Bozner Anwalt verrät, bald die Auslieferung in sein Herkunftsland Russland beantragen, um dort die Reststrafe abzusitzen. Dies, obwohl er mit seiner Familie in Österreich Asylstatuts hat.

Seine ermordete Tochter ist inzwischen nach Tschetschenien überstellt und dort begraben worden. In Abwesenheit ihrer Familie, denn Mutter und Geschwister besitzen einen Konventionspass, der ihnen die Reise in die Russische Föderation untersagt, aus der sie geflüchtet sind.

 

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