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„Der Zug ist abgefahren“

AVS-Chef Georg Simeoni über die Zukunft des Helmhauses, den Widerstand der alpinen Vereine gegen die Errichtung eines Gasthauses und verhärtete Fronten.

TAGESZEITUNG: Herr Simeoni, der Alpinbeirat hat den Sextnern verweigert, das Helmhaus zur Schutzhütte zu machen. Ist das für Sie nachvollziehbar?

Georg Simeoni: Die Positionen von CAI, AVS, aber auch von allen anderen alpinen Vereinen ist in dieser Frage mehr als eindeutig: An dieser Stelle ein Schutzhaus zu errichten ist nicht notwendig. In unmittelbarer Nähe zum Helmhaus gibt es bereits mehrere Gaststätten.

Sind Sie selbst Mitglied im Alpinbeirat des Landes?

Ja. Soweit ich mich erinnern kann, ist dieser Beschluss gegen die Ausweisung als Schutzhütte einstimmig gefasst worden. Es gab auch keine größere Diskussion zum Thema, schließlich waren sich alle schnell einig.

Gehen wir einen Schritt zurück: Der Alpenverein hat bereits ein Projekt zur Sanierung der Ruine am Helm in der Tasche…

Im Auftrag des damaligen Landeshauptmannes Durnwalder hat der Alpenverein 2006 einen Wettbewerb veranstaltet, aus dem ein Siegerprojekt hervorging. Es war vorgesehen, dieses Freilichtmuseum 2008 umzusetzen. Aber dann kam plötzlich alles anders.

Mittlerweile ist die Gemeinde Sexten Besitzerin der Mauern. Sie beharrt darauf, oben auf dem Berg eine Gastwirtschaft zuzulassen.

Ich weiß wirklich nicht, was die Gemeinde dazu veranlasst, darauf so sehr zu drängen. Schließlich ist es nicht so, dass man hier eine enorme Wertschöpfung schaffen könnte. Wahrscheinlich geht es eher darum, Teil der Skigebietes zu werden und eine Art Bergstation zu errichten. Aber das ist reine Spekulation.

Die Gemeinde will nun die Ausschreibung veröffentlichen, um das Helmhaus zu verpachten. Wird der AVS mitmachen?

Sicher nicht. Hier muss man konsequent bleiben.

Auch nicht ohne Schutzhaus-Status mit dem Projekt von 2006?

Ich glaube nicht, dass das Projekt von 2006 noch einmal kommen wird. Dieser Zug ist abgefahren. Wir als AVS haben bestimmt kein Interesse, ein Gasthaus zu bauen. Ganz bestimmt nicht. Aber vielleicht trifft man sich irgendwann noch einmal zu einem Gespräch.

Interview: Silke Hinterwaldner

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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Kommentare (6)

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  • wisoiundnetderfranz

    Ich würde die alte Bude abbrechen…

  • besserwisser

    der Alpenverein ist bald die einzige zuverlässige Instanz in Südtirol!
    bald werden sie eh noch ein paar betten und dann die stasse für die auto für betten und die lkws für den neuen wellnesbereich …. machen …
    das letzte was zählt ist die natur …, und genau wegen der kommen die gäste. sicher nicht wegen der bettenburgen ….

  • ollaweilleiselber

    Ein Kompliment an Georg Simeoni; er vertritt konsequent den Schutz und die Naturerhaltung der Berge, trotz des vielen Gegenwindes aus der Politik und er hält dem Druck einiger Elemente aus der (Gast-)Wirtschaft stand, welche die Natur vorwiegend als Kulisse für ihr Geschäft sehen.
    Die Art von Gästen, welche sich mit einer (vergewaltigten) Natur als Kulisse zufrieden geben, sind kein sicheres Fundament für den Aufbau einer nachhaltigen Wirtschaftsstruktur.

  • george

    Gut Georg! Ich bin eh alleweil gemeinsam mit dem Dachverband für Natur- und Umweltschutz dabei zu helfen, dass wir Natur- und Landschaft noch halbwegs erhalten können, was noch da ist. Die Profiteure und Übererschließer allerseits im Lande habe ohnehin fast schon überall Hand angelegt und Vieles zerstört (sie nennen es allerdings wirtschaftlich weiterentwickeln).

  • ronvale

    Viele Almen, z.B. Villnöss oder Seiser Alm, ähneln immer mehr einem Luna Park. Wer sich dort mit eigenem motorischen Antrieb auf den „Forststrassen“ hocharbeitet kommt sich wie ein Depp vor, wenn er alle 10 Minuten den Touristenbussen ausweichen muss.

    Hauptsache die Kassen klingeln auf diesen ehemaligen Schutzhütten.

    • rota

      ronvale, versuche mal die Mondscheinnächte um die Villanderer und Barbianer Almen und ums Rittner Horn zu genießen. Da gibt es keine Touristenbusse, dafür aber jede Menge ratternder Trials Quods mit und ruhige E-bikes. Die modernen Ritter haben Sturmhauben und Stirnlampen.

      Die Förster haben um diese Nachtzeit Feierabend.

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