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Der Traum vom Geld

 

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Ein Slowake wurde verdächtigt, Mitglied einer Fahrraddieb-Bande zu sein, wurde aber am Landesgericht freigesprochen. Nun ist er mit einem Antrag auf Haftentschädigung abgeblitzt.

von Thomas Vikoler

Er war früher einmal Polizist, wohl auch deshalb geriet er ins Visier der österreichischen und italienischen Polizei. Jozef Kovacs, 38, stand so gar im Verdacht, der Anführer einer auf Raddiebstahl spezialisierten Bande aus der Slowakei zu sein.

Am 4. April 2013 erließ ein Bozner Voruntersuchungsrichter gegen ihn und seinen slowakischen Landsmann Anton Werber einen internationalen Haftbefehl. Am 9. Jänner 2014 wurden die beiden Männer in der Slowakei verhaftet und nach Italien ausgeliefert. Jozef Kovacs, verbrachte insgesamt 90 Tage in Untersuchungshaft im Gefängnis von Busto Arsizio.

Am 7. Juli 2016 wurde der frühere Polizist am Landesgericht Bozen von allen Vorwürfen – Bildung einer kriminellen Vereinigung zum Zwecke des Raddiebstahls – freigesprochen.

Die Fahrraddieb-Bande, der die Ermittler Kovacs zunächst zurechneten, schlug in Südtirol mehrfach zu. Sie war spezialisiert auf teure Mountainbikes mit einem Wert von bis zu 10.000 Euro. Diese wurden speziell am Rande von Radrennen wie Dolomiti Superbike oder Sella Ronda Hero, wo 2012 gleich 35 Mountainbikes von Teilnehmern verschwanden, aus Hotelgaragen gestohlen.

Insgesamt wurden allein in Südtirol 170 Räder entwendet und später in der Slowakei oder über das Internet verkauft. Die Bande schlug auch in Österreich und Deutschland zu.

Josef Kovacs, so fand das Bozner Landesgericht, hatte damit lediglich am Rande zu tun.

Anders seine mitbeschuldigten Landleute Patrik Bernovsky, 36, und Branislav Kistner, 45, die nach ihrer Verhaftung gerichtliche Vergleiche abschlossen. Als letzter wurde im September 2017 Lukas Rusnak am Landesgericht Bozen zu vier Jahren Haft und 1.500 Euro Geldstrafe verurteilt. Er, so fand das Gericht, war der Anführer der Bande.

Josef Kovacs, der Freigesprochene, stellte im Jahre 2017 einen Antrag auf Schadenersatz wegen ungerechtfertigter Inhaftierung. Seine Forderung – 42.000 Euro – wurde allerdings vom Bozner Oberlandesgericht abgewiesen. Zu Recht, wie die römische Kassation nun findet.

Kovacs räumte in seiner Klage ein, mit einem Angehörigen der Raddieb-Bande (der später einen gerichtlichen Vergleich abschloss) in Kontakt gewesen zu sein. Mehr nicht.

Das Oberlandesgericht sah das anders: Kovacs sei bereits im Jahre 2006 bei Mountainbike-Rennen in Südtirol anwesend gewesen und dabei von der Polizei registriert worden. Wer befand sich dabei in Begleitung von Personen, die sich später als enge Bekannte von Lukas Rusnak herausgestellt hätten.

Der „schwere Verdacht“ der Ermittler gegen Kovacs, der letztlich zu seiner Verhaftung führte, sei folglich nicht aus der Luft gegriffen gewesen.

Aus diesem Grund, so fand die Kassation, stehe dem Freigesprochenen keine Haftentschädigung zu.

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