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Das Geld-Kuvert

Der unter Bestechungsverdacht stehende Marco Facchini wird seine Entlassung aus dem Sanitätsdienst gerichtlich anfechten. Mit guten Chancen, per Urteil wieder eingesetzt zu werden.

von Thomas Vikoler

Der Beamte, den der Sanitätsbetrieb am 19. März fristlos kündigte, hat inzwischen wieder Arbeit gefunden. Keine Festanstellung, aber ein Job als Geometer, um sich finanziell halbwegs über Wasser zu halten.

Marco Facchini ist jene Person, die auf einem Überwachungsvideo der Finanzwache in seinem Büro im Sanitätsbezirk Bozen, von einem Besucher ein Kuvert entgegennimmt. Für die Ermittler der Beweis für die Entgegennahme von Schmiergeld. Das Video fand nach der Verhaftung Facchinis massenhafte Verbreitung über das Internet.

Der Sanitätsbetrieb begründete die fristlose Entlassung des Beamten mit dem „großen Imageschaden“, welche die Veröffentlichung des Videos mit sich bringe.

„Das Video hat nicht mein Mandant veröffentlicht“, entgegnet Giancarlo Massari, Facchinis Anwalt. Massari wird im Auftrag seines Mandanten rechtlich gegen die Blitzkündigung am Tag der Verhaftung vorgehen. Dem Sanitätsbetrieb ist bereits ein Antrag auf Wiedereinstellung zugestellt worden, voraussichtlich kommende Woche wird der Anwalt beim Bozner Landesgericht eine Klage gegen die Entlassung einbringen.

Mit guten Argumenten. Gegen Facchini hatte der Sanitätsbetrieb bereits im November 2017 ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Der Anlass: Die Finanzwache führte Ermittlungen gegen den damaligen provisorischen Leiter des Amtes für Bauaufträge durch. Facchini wurde vom Sanitätsbezirk Bozen in eine andere Abteilung versetzt und arbeitete dort bis zu seiner Verhaftung am 19. März.

Laut Anwalt Massari hätte sein Mandant, wennschon, vom Dienst suspendiert und mit einem Mindestgehalt weiterbeschäftigt werden können. Nicht aber die fristlose Kündigung. „Bis zu einer etwaigen definitiven strafrechtlichen Verurteilung gilt, wie üblich, die Unschuldsvermutung“, betont der Verteidiger.

Deshalb wird er vom zuständigen Arbeitsrichter per Eilverfügung eine Wiedereinstellung seines Mandanten beantragen. Die Chancen dazu stehen gar nicht schlecht.

Der Sanitätsbetrieb hatte die Entlassung vornehmlich auf einen Faktor aufgehängt, auf den Facchini offenbar keinen Einfluss haben konnte. Die Auswirkungen des Videos. „Die Vorwürfe gegen diesen Mitarbeiter sind schwerwiegend. Als Betrieb wollen wir klarstellen, dass wir gegen derartige Verstöße mit voller Härte vorgehen, auch zum Schutz der anderen Mitarbeiter, die täglich und mit Engagement arbeiten“, betonte Sanitäts-General Thomas Schael nach der Entlassung Facchinis.

Dieser behauptet bekanntlich, dass bei der Übergabe des Kuverts in seinem Büro nicht Schmiergeld geflossen, sondern eine Schuld wegen privat verkaufter Möbel beglichen worden sei. Bei dem Überbringer des Umschlages handle es sich um einen Unternehmer, mit dem er privat befreundet sei. Sein eigener Sohn habe bei seiner Firma gejobbt.

Dies muss Facchini allerdings erst noch beweisen, im Strafverfahren wird auch gegen den „Freund“ ermittelt.

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