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Der Mitgliederrekord

Auf der 111. Hauptversammlung des Alpenvereins Südtirols wurde die Losung ausgegeben: Gegen den Landschaftshunger, für eine nachhaltige Entwicklung.

Der Verkehr auf den Dolomitenpässen, die geplanten Skigebietsverbindungen sowie mögliche Konzepte für eine nachhaltige Tourismusentwicklung.

Es waren vor allem Natur- und Landschaftsschutzthemen, welche die Delegierten auf der 111. Hauptversammlung des Alpenvereins Südtirol am 5. Mai in Lana beschäftigten.

LH Arno Kompatscher

Gefeiert wurden aber auch Erfolge wie ein neuer Mitgliederrekord, die wertvolle Präventionsarbeit, die der Alpenverein leiste, sowie die Verleihung des alpinen Förderpreises und einer Ehrenmitgliedschaft.

Mittlerweile fast 68.000 Mitglieder, die in 35 Sektionen und 58 Ortsstellen organisiert sind, zählt der Alpenverein. Eine Zahl, die in den letzten zehn Jahren um 50 Prozent angestiegen ist, und die dem Alpenverein Ansporn und Herausforderung zugleich ist.

Als gesellschaftlicher Verantwortungsträger in allen Belangen des Bergsports, aber auch als mahnende Stimme im Natur- und Landschaftsschutz – so verstehen sich die Verantwortlichen im Alpenverein. So galten die Ausführungen des AVS-Präsidenten Georg Simeoni am Ende seiner dritten Amtszeit dem Thema Naturschutz.

Leidiges Thema Kaunertal-Langtaufers

In Lana kamen sowohl die Erfolge des vergangenen Jahres zur Sprache – die wöchentliche Sperrung des Sellajochs als Testlauf für eine mögliche Ausweitung auf alle Dolomitenpässe – als auch die zuletzt medial diskutierte Kontroverse um den Zusammenschluss des Skigebiets Kaunertal mit den Langtauferer Tal. Präsident Georg Simeoni hatte als Mitglied des UVP-Beirates nämlich gegen eine solche Skiverbindung gestimmt, eine Beteiligung an einer Abstimmung, die im Nachhinein von den Promotoren der Skiverbindung in Langtaufers kritisiert worden war.

Die Landesregierung hatte ihre Ablehnung zum Projekt zurückgezogen, die Verbindung kommt damit wohl wieder aufs Parkett. Georg Simeoni zog auf der Hauptversammlung seine persönlichen Konsequenzen aus dem Fall: „Für mich persönlich habe ich den Entschluss gefasst, nicht mehr Teil des UVP-Beirates zu sein, denn wenn ich dort nicht die Belange der Umwelt vertreten kann, dann ist alles verlorene Zeit und Liebesmüh.“

Nicht Verhinderer, sondern Gestalter

Georg Simeoni

Simeoni kritisierte die Rolle, in die der Alpenverein gerne von Wirtschaftstreibenden gedrängt wird: Nämlich die eines „Verhinderers von Wirtschafts- und Tourismusprojekten“, dabei habe der Alpenverein in den letzten 40 Jahren nur zwei Projekte konkret verhindert – das Skigebiet Oberradein und den Windpark am Sattelberg – während zahllose Projekte im Bereich Skitourismus sowie Straßenbauten realisiert wurden.

Entgegen der Meinung einiger Kritiker versucht der Alpenverein aktiv an nachhaltigen Tourismusprojekten mitzugestalten, so Simeoni, wie es das Projekt Bergsteigerdörfer beweise: Zum ersten Südtiroler Bergsteigerdorf Matsch wird sich diesen Sommer unter der Schirmherrschaft des Alpenvereins das ladinische Dorf Lungiarü gesellen.

Für den Alpenverein bleibt nur diese Art von Tourismus weiter ausbaufähig. „Der Alpenverein hat vor 150 Jahren den Tourismus in den Alpen initiiert, dann ist er uns entglitten, trotzdem möchten und wollen wir bei dieser Entwicklung mitreden,“ so Simeoni.

Alpenverein, eine tragende Säule der Gesellschaft

Simeonis Worte blieben nicht ungehört. Landeshauptmann Arno Kompatscher griff in seiner Ansprache die wertvolle Arbeit auf, die der Alpenverein leiste und dankte den vielen Ehrenamtlichen in den Sektionen und Ortsstellen.

„Der Alpenverein ist eine tragende Säule der Südtiroler Gesellschaft“, so Kompatscher. Er betonte, dass in den vergangenen Jahren wichtige gemeinsame Themen vorangebracht wurden, so im Bereich Wege, wo mit der Wegevereinbarung ein Meilenstein in Fragen der Zuständigkeiten, Finanzierung und Verantwortung gelungen sei.

Auch im Bereich der Landschaftsschutzthemen, die von AVS-Präsident Georg Simeoni aufgegriffen worden waren, versprach Kompatscher die Arbeit an gemeinsamen Lösungen und sprach von den Vorteilen im Landschaftsschutz, die das neue Gesetz für Raum und Landschaft biete. Insbesondere bei den Landeschutzhütten lobte er die gute Zusammenarbeit zwischen AVS, CAI und Land.

Impulsreferat: Die „perfekte Hütte“.

Die Hütten waren auch Thema des diesjährigen Impulsreferats, das der Schweizer Journalist Marco Volken hielt. Er unterstrich die Herausforderung, die es bedeute, heute eine Hütte zu führen: Hüttenbetreiber werden mit „zu vielen Wünschen ihrer Klienten konfrontiert, die sich eigentlich widersprechen.

Die perfekte Hütte gibt es nicht, aber es gibt sehr wohl „gute“ Hütten. „Statt die Schutzhütten einander anzugleichen, sollten wir deren Individualität pflegen“, so Volken.

Dabei sei es nicht nur ein touristisches Angebot, eine Hütte zu bauen und zu führen, sondern auch eine kulturelle Leistung.

Bergsport leistet gesellschaftlichen Beitrag

Lukas Patzleiner und Thomas Mair vom Referat Bergsport & HG stellten die Tätigkeit des Referats vor und unterstrichen die wertvolle Präventionsarbeit, die der Alpenverein auch in den Sektionen und Ortsstellen für die alpine Sicherheit leiste.

Auch für junge Bergsportler schafft der Alpenverein attraktive Angebote, um ihnen Ausbildungen und Erfahrungen zu ermöglichen und sie in ihrem selbständigen Bergsteigen zu begleiten. Der Bergsport ist die Kerntätigkeit des Alpenvereins.

Die Vielfalt der Tätigkeiten reichen vom klassischen Wandern bis hin zu Hochtouren und Expeditionen, und der Wert dieser Angebote für die allgemeine Gesundheit ist nicht in Zahlen zu fassen. In einer leistungsorientieren Gesellschaft sind Angebote im Breitensport umso bedeutender. Die Tätigkeiten in den Sektionen und Ortsstellen leiste einen wichtigen Beitrag in der Gesellschaft, stärke den Gemeinschaftssinn und die Naturverbundenheit, so die beiden Referenten.

Alpiner Förderpreis für Martin Dejori und Titus Prinoth

Der mit 1000 Euro dotierte Alpine Förderpreis, der sich an junge Alpinisten richtet, wurde 2018 insgesamt zum neunten Mal verliehen. Preisträger ist dieses Jahr eine Seilschaft: Martin Dejori (24) und Titus Prinoth (20) sind Freunde und Kletterpartner. Zusammen sind ihnen bereits einige spektakuläre Projekte in Fels und Eis gelungen. Für Alex Walpoth, der 2015 selbst den Förderpreis des Alpenvereins erhalten hat und ebenfalls zu den Seilpartnern des Grödner Duos gehört, war es eine besondere Ehre, die Laudatio zu halten. Er sprach von der großen Leidenschaft, die die beiden Alpinisten verbindet, und ihnen „Quelle für Motivation, neue Ideen und Freundschaft“ ist.

Auf der Agenda der Hauptversammlung standen auch mehrere Neuwahlen für das AVS-Führungsgremium Landesleitung, das von Delegierten besetzt wird, die sich für drei Jahre abwechselnd zur Wahl stellen. Darunter auch jene von Georg Simeoni, der in seiner Eigenschaft als Präsident bestätigt wurde.

Zudem wurde die Position des Vize-Präsidenten neu besetzt: Elmar Knoll, Sektionsvorstand aus Meran und Bezirksvertreter für das Burggrafenamt/Etschtal, löst Georg Larcher als Vize-Präsidenten ab.

Ein Höhepunkt bei den Ehrungen, die an scheidende Landesleitungsmitglieder sowie Hüttenwirte verliehen wurden – war die Ehrenmitgliedschaft für Sepp Hofer. Seit 39 Jahren leitet der Hausherr der diesjährigen Hauptversammlung die Geschicke der Sektion Lana und ist seit 49 Jahren Mitglied der Bergrettungsstelle Lana.

Seine Ehrung steht auch stellvertretend für die über 2400 ehrenamtlichen in den Sektionen und Ortsstellen, die nicht müde werden, sich in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen.

Georg Simeoni, Sepp Hofer und Ingrid Beikircher

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