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Südtirol trauert

Foto: 123RF.com

Der plötzliche Tod von Herbert Denicolò hat in Südtirol große Bestürzung ausgelöst. Die Reaktionen von SVP, Bischof, Jugendorganisationen, Grünen und Andreas Pöder.

Am Montagnachmittag sind zahlreiche Reaktionen zum Tod von Herbert Denicolò (siehe  https://www.tageszeitung.it/2018/04/23/herbert-denicolo-ist-tot/eingetrudelt.

„Unermüdliches, aufrichtiges Wirken“

Die große Gemeinschaft der Südtiroler Volkspartei trauert um den langjährigen SVP-Landtagsabgeordneten Herbert Denicolò, der am Montag im Alter von 72 Jahren verstorben ist. „Unser Mitgefühl gilt in diesen Stunden der Trauer vor allem seiner Familie“, sagt SVP-Obmann Philipp Achammer.

Die SVP-Leitung hat ihre Sitzung am Montag mit einer Schweigeminute für den Verstorbenen begonnen.

LR Philipp Achammer

„Als SVP-Fraktionssprecher, als Mitglied im Landessozialausschuss, als Präsidialsekretär und als Vizepräsident des Regionalrates hat er großen und vorbildlichen politischen Einsatz gezeigt“, unterstreicht SVP-Obmann Philipp Achammer, „aber auch, und vor allem, für sein ehrenamtliches Engagement im sozialen, kulturellen und kirchlichen Bereich werden wir ihn ehrend in Erinnerung behalten.“

Das Verdienstkreuz des Landes Tirol, das im vor drei Jahren verliehen worden ist, sei nur ein kleines Zeichen für die allgemeine Wertschätzung gewesen.

Der verstorbene Herbert Denicolò habe sich – wie er es selbst immer wieder betont habe – der katholischen Soziallehre und der unantastbaren Würde des Menschen verpflichtet gefühlt: „Solidarität, Subsidiarität, Gerechtigkeit und Gemeinwohl waren für ihn aber stets mehr als nur Schlagworte“, sagt Philipp Achammer.

Er sei immer für seine Überzeugung eingestanden – und habe in den Bereichen Kirche und Gesellschaft nicht nur wichtige Impulse gegeben, sondern in Vereinen und Verbänden, bei Projekten und Initiativen sehr viel auf den Weg gebracht.

„Die Südtiroler Volkspartei wird das unermüdliche, aufrichtige Wirken von Herbert Denicolò in Erinnerung behalten – sein Einsatz und sein Engagement wird in der Gesellschaft noch lange fortwirken“, so Achammer.

„Die Maxime seines Handelns“

Diözesanbischof Ivo Muser würdigt Denicolò als einen „Menschen, dessen vielfältige Lebensleistungen und dessen Engagement für die Gemeinschaft von der Katholischen Soziallehre geprägt waren.“

Herbert Denicolò habe sich in den vergangenen Jahrzehnten in zahlreichen katholischen Vereinen und Verbänden engagiert, etwa in der Katholischen Jugend, im Katholischen Verband der Werktätigen (KVW), dem Südtiroler Kolpingswerk oder dem Katholischen Forum. Denicolò habe sich außerdem über Jahre als Mitglied des Aktionskreises Josef Mayr Nusser eingesetzt und auch in der Steuerungsgruppe sowie in der Zentralkommission der Diözesansynode mitgearbeitet.

Bischof Ivo Muser

„Mit Herbert Denicolò verliert unsere Gemeinschaft einen Menschen, der die Katholische Soziallehre in den Mittelpunkt seines Handelns stellte. Gerechtigkeit, Gemeinwohl und Glaube waren für ihn keine leeren Schlagwörter, sondern die Maximen seines Handelns“, sagt Bischof Muser.

Erst heute sei ein Beitrag erschienen, in dem Herbert Denicolò auf das Christsein in der aktuellen Gesellschaft eingeht. „Gerade in diesem Kommentar kommt zum Ausdruck, wie Herbert Denicolò das Christ-Sein verstanden hat: Es gelte, so schreibt er, für die eigene Überzeugung einzustehen, dafür auch Häme einzustecken, aus Fehlern und Niederlagen zu lernen, allem Lebendigen mit Dankbarkeit und Demut zu begegnen. Junges Christ-Sein wolle im Alltag durch Haltung und Handlung erprobt, geprüft und entfaltet werden. Diese Worte zeugen von der Lebenshaltung Herbert Denicolòs. Er hat das Christ-Sein immer mit Überzeugung und persönlichem Einsatz in die Gemeinschaft eingebracht. Ich hoffe und bete, dass der Verstorbene jetzt im Licht des Auferstandenen ist. Seiner Familie und seinen Angehörigen spreche ich mein aufrichtiges Mitgefühl aus“, so Bischof Ivo Muser.

„Die Jugendarbeit trauert“

Klaus Nothdurfter (Amt für Jugendarbeit), Kevin Hofer (Südtiroler Jugendring), Karlheinz Malojer (Arbeitsgemeinschaft der Jugenddienste), Peter Liensberger (Jugendhaus Kassianeum) und Karin Husnelder (Dachverband der Offenen Jugendarbeit) schreiben:

„Mit großer Bestürzung und Betroffenheit haben wir die schockierende Nachricht heute zur Kenntnis nehmen müssen, dass Herbert Denicolò völlig überraschend verstorben ist. Letzte Woche haben wir noch Pläne für gemeinsame Veranstaltungen geschmiedet.

Der Name und die Person Herbert Denicolò sind untrennbar mit der Jugendarbeit in Südtirol verbunden. In den siebziger Jahren war Herbert Denicolò als Landesleiter der Katholischen Jugend am Aufbau des Südtiroler Jugendrings beteiligt, 1976 erhielt er vom damaligen Landesrat Anton Zelger den Auftrag, nach dem Vorbild der österreichischen Landesjugendreferate das Amt für Jugendarbeit aufzubauen, das er dann bis zu seiner Wahl 1993 in den Südtiroler Landtag als Direktor leitete.

Im Rahmen dieses Auftrages verfasste Herbert Denicolò, immer im Dialog mit den Jugendorganisationen, das Landesgesetz zur Förderung der Jugendarbeit in Südtirol, das Jugendförderungsgesetz. Dieses wurde dann 1983 vom Südtiroler Landtag beschossen und bildete die Basis für den Aufbau der gesamten Jugendarbeit, wie wir sie heute kennen. Die Gründung der Jugenddienste in den 80er-Jahren war ebenso die Folge so wie die rasante Entwicklung der Offenen Jugendarbeit und des Jugendhauses Kassianeum in den 90er Jahren.

Wenn heute die Jugendarbeit als eine wichtige Säule des gesamten Bildungs- und Kulturbereichs anerkannt ist, dann ist das auch ein wesentlicher Verdienst von Herbert Denicolò.

Fragen, die Herbert Denicolò, fest verankert in der katholischen Soziallehre, ständig angetrieben haben, bis gestern: Wie können Jugendliche zu sozialem Engagement motiviert werden, was muss man tun, damit Jugendliche größere Freiräume für ihre Entfaltung vorfinden, was bindet Jugendliche bzw. wozu lassen sie sich einbinden, wie können die Rahmenbedingungen für das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen verbessert werden, was brauchen sie?

Herbert Denicolò hat dafür gelebt, Antworten auf diese Fragen zu finden. Er hat allen Mitverantwortlichen in den Jugendorganisationen, Jugenddiensten und in der Offenen Jugendarbeit geholfen, ihrerseits miteinander Antworten zu diskutieren. Er hat uns dabei Werte und Grundsätze vorgelebt und dadurch beigebracht, die fundamental sind.

Ohne Herbert Denicolò werden wir Mühe haben, die Diskussionen fortzuführen, er wird uns an allen Ecken und Enden fehlen. In seinem Geist werden wir die Jugendarbeit und ihre Förderung miteinander konstruktiv weiterentwickeln. Aufbauend auf das von ihm geschaffene stabile Fundament.“

„Mensch mit Anstand und Würde “

Der Landtagsabgeordnete Andreas Pöder zeigt sich in einer Stellungnahme bestürzt über das Ableben des ehemaligen Landtagskollegen Herbert Denicolò:

„Ich habe Herbert Denicolò zwei Legislaturperioden im Landtag als klugen und immer gesprächsbereiten Kollegen erlebt. Er war bereits 1993 in den Landtag gewählt worden, von 1998 bis 2008 waren wir Landtagskollegen. Er war so etwas wie das soziale Gewissen der SVP-Fraktion. Herbert Denicoló war Mensch und Politiker mit Anstand und Würde.“

Pöder weiter: „Auch nach seinem Ausscheiden aus dem Landtag hatten wir hin und wieder Kontakt, unterhielten uns über spezielle Probleme von Bürgern oder über aktuelle politische Entwicklungen. Denicolò war ein Mann der leisen Töne, der aber seine Anliegen hartnäckig verfolgte. Ich drücke den Angehörigen meine Anteilnahme aus.“

„Jugendpolitik entscheidend mitgeprägt“

Der Südtiroler Jugendring (SJR) schreibt in einer Aussendung: „Herbert Denicolò hat als erster Direktor des Amtes für Jugendarbeit dieses mitaufgebaut und als Abgeordneter zum Südtiroler Landtag die Jugendpolitik über Jahre hinweg entscheidend mitgeprägt.

Laut der SJR-Vorsitzenden Martina De Zordo sei es Denicolò im Zusammenspiel mit anderen gelungen, die Fundamente für die heutige Jugendarbeit zu legen. „Und vor 41 Jahren war er maßgeblich an der Gründung des Südtiroler Jugendringes beteiligt. Auch seinem wertvollen Beitrag ist es zu verdanken, dass es den SJR heute gibt“, so De Zordo.

Die erklärt weiters: „Herbert Denicolò war vielseitig engagiert und als Gesprächspartner und Mitdenker jederzeit für die Jugendarbeit da. Wir haben in Herbert über die Jahre hinweg stets einen kompetenten Ansprechpartner gehabt, der sich durch seinen Weitblick und sein kritisches Denken ausgezeichnet hat. Als Visionär und vorausschauender Mensch wird er uns und sicherlich vielen anderen fehlen. Allen Angehörigen drücken wir unser tief empfundenes Beileid aus.“

„Ein Mann des Ausgleichs“

Die Grünen schreiben in einer Stellungnahme:

„Der unerwartete Tod von Herbert Denicolò macht auch uns Grüne betroffen: Aus voller Aktivität heraus gerissen, hinterlässt der Verstorbene eine bleibende Spur des Engagements zwischen katholischer Laienbewegung, Jugendarbeit und im Einsatz für soziale Fragen.

Der 1945 geborene Denicolò hat die Aufbruchsjahre der Autonomie im sozialen Bereich mit gestaltet und sich beherzt darum bemüht, die Öffnungsbewegung des Zweiten Vatikanums in die konservative Gesellschaft Südtirols zu tragen. Als Arbeitnehmervertreter seiner Partei und Landtagsmandatar 1993-2008 hat er zwar unter dem monokratischen Durnwalder-Regiment oft gelitten, aber soziale Anliegen gegen Lobby-Interessen immer wieder verteidigt.

Als Amtsdirektor und Ideengeber der Südtiroler Jugendarbeit hat Herbert Denicolò ein bis um 1975 vernachlässigtes Feld neu bestellt.

Wir Grüne hatten in ihm im Landtag einen Ansprechpartner, der zwar stets der Parteiloyalität verpflichtet war, aber wichtige soziale und ökologische Themen wie die lange verpönte Riggertal-Schleife mittrug. Er war trotz sonorer Stimme das konziliante Gesicht und der Mann des Ausgleichs in einer vordem kämpferischen Arbeitnehmer-Bewegung, die sich auch gesellschaftspolitisch oft mutig zu Wort meldete.

Auch deshalb denken wir gerne an Herbert zurück und zollen seiner Familie unsere Anteilnahme.“

„Nie ein Blatt vor dem Mund genommen“

Auch der Vorsitzende der SVP-ArbeitnehmerInnen, Helmuth Renzler, drückt im Namen der gesamten ArbeitnehmerInnenbewegung und der Arbeitnehmeraltmandatare den Angehörigen ihr tief empfundenes Mitgefühl aus.

Renzler:

„Herbert Denicolò war ein überzeugter und vor allem glaubwürdiger Christ, und sah im seligen Josef Mayr-Nusser sein großes Vorbild. Herbert war sehr sozial engagiert und besaß ein großes Gerechtigkeitsempfinden. Er war Pionier in der Südtiroler Jugendarbeit und ein großer Kämpfer für seine Ideen, die er mit Konsequenz und Durchsetzungsvermögen umsetzte.

Helmuth Renzler

Genannt soll hier als Beispiel nur sein: Der Einsatz für die Gleichstellung der Südtiroler Kriegsdienstverweigerer und Deserteure im Zweiten Weltkrieg mit allen anderen Wehrpflichtigen hinsichtlich der Zuerkennung einer kleinen Rente. Und dies ist ihm gelungen.

Herbert hat sich nie ein Blatt vor dem Mund genommen, auch dann nicht, wenn er mit persönlichen Konsequenzen rechnen musste. Herbert Denicolò war bis zuletzt in den verschiedenen katholischen Verbänden tätig und erst noch letzte Woche in den Vorstand des KVW Olang gewählt worden.

Nichts ließ seinen plötzlichen Tod vorherahnen. Die ArbeitnehmerInnen der Südtiroler Volkspartei werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren, auch wenn sein plötzlicher Verlust, eine große Lücke in der Bewegung hinterlässt und die nicht leicht zu füllen sein wird. In Vergelt‘s Gott, Herbert. Ruhe in Frieden.“

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