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Die Bio-Verordnung

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Das EU-Parlament hat eine Verordnung über die biologische Produktion und die Produktkennzeichnung angenommen. Herbert Dorfmann weist auf Defizite der neuen Regelung hin.

Am Donnerstag hat das Europäische Parlament in Straßburg eine Verordnung über die biologische Produktion und die Kennzeichnung von biologischen Erzeugnissen mehrheitlich angenommen. „Leider hat die neue Regelung in Bezug auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln Defizite“, erklärt der Südtiroler Europaabgeordnete Herbert Dorfmann.

Zum Hintergrund der Verordnung sagt er: „Der Biomarkt ist in der EU in den letzten zehn Jahren kontinuierlich gewachsen, die Bio-Umsätze überschreiten die Marke von 30 Milliarden Euro. Es war deshalb notwendig, die Produktionsvorschriften der einzelnen Mitgliedsstaaten anzugleichen, um den Bauern europaweit möglichst dieselben Wettbewerbsbedingungen zu gewähren und den Konsumenten gleiche Qualität in ganz Europa zu garantieren.“

Die starke Nachfrage nach Bioprodukten in Europa könne derzeit nur durch Einfuhren aus Drittländern gedeckt werden. Es sei daher wünschenswert, wenn die Produktion in der EU zunehmen würde und der heimische Bedarf besser befriedigt werden könnte.

„Es ist nämlich auch nicht im Sinne einer nachhaltigen biologischen Landwirtschaft, wenn Waren Tausende von Kilometer transportiert werden müssen“, meint Herbert Dorfmann.

Ein wichtiges Ziel der neuen Verordnung sei es daher, die Biolandwirtschaft in Europa zu erleichtern. Das solle beispielsweise durch Gruppenzertifizierungen für kleinere Betriebe möglich werden.

Herbert Dorfmann

„Leider ist es aber mit dieser Verordnung auch nach einer jahrelangen Debatte nicht gelungen, eine einheitliche europäische Regelung bei den Rückständen von Pflanzenschutzmitteln zu finden. Während in Italien wie in wenigen anderen EU-Staaten sehr strikte Regeln gelten und die Rückstände unter der Nachweisgrenze bleiben müssen, gibt es in vielen Staaten keinen spezifischen Regeln. Bioprodukte können dort gleich viele Rückstände enthalten wie konventionelle Lebensmittel“, erklärt Dorfmann.

Weiters sagt er: „Bei uns führen damit oft bereits ungewollte Verunreinigungen durch angrenzende konventionell wirtschaftende Bauern zu Problemen. Diese verschiedenen Standards sind in Europa eigentlich nicht akzeptabel. Es kann nicht sein, dass beispielsweise ein Südtiroler Bioapfel mit einer minimalen Verunreinigung vom Markt genommen werden muss, während ein deutscher oder französischer Bioapfel mit deutlich höheren Rückständen bei uns als Bioapfel verkauft werden darf.“

Leider hätten vor allem die Bioverbände aus dem Norden Europas jahrelang dafür gekämpft, bei den Rückständen keine strikteren Auflagen zu bekommen und hätten sich letztlich durchgesetzt.

„Dies ist aber ein kurzsichtiger und hoffentlich auch kurzfristiger Erfolg. Ein Konsument, der ein Bioprodukt kauft, wünscht sich ein Lebensmittel, das möglichst frei ist von Pflanzenschutzmitteln und er soll ein solches bekommen. Mit ein bisschen mehr Weitsicht und Kompromissbereitschaft wäre es möglich gewesen, eine ambitionierte und praxistaugliche Regelung auf den Weg zu bringen“, meint Herbert Dorfmann.

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Kommentare (19)

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  • sigmundkripp

    Bravo Herr Dorfmann! Wenn Sie dafür sind, dass in Biolebensmittel gar keine Rückstände sein dürfen, dann beenden Sie damit in Südtirol entweder die konventionelle Produktion (weil ihre Abdrift über sehr weite Strecken erfolgt und messbar ist) oder – wenn Sie sich auf die Seite der Konventionellen stellen – die biologische.

    • realist

      Die Bioverbände in Südtirol sollten gemeinsam mit der Obstwirtschaft, wo die Abtrift am stärksten ist, die konventionelle Mittelwahl so gestalten, dass zum Zeitpunkt der Ernte kaum Rückstände auf konventionell produzierten Produkten mehr zu finden sind.
      Das wäre ein guter Schritt in Richtung Rückstandsarme bzw, rückstandsfreie Lebensmittel.
      zB. Konventionelle Mittel mit zu langen Abbauzeiten mit anderen ersetzen u. den Abstand zur Ernte so verlängern, dass zum Zeitpunkt der Ernte die eingesetzten Produkte weitgehend verschwunden sind.
      Das wäre Heute schon möglich u. würde nicht nur der BIO_Prodution helfen, sondern auch die konventionelle Produktion hätte ein besonderes Produkt.
      Dafür bräuchte es keine EU, die nie imstande sein wird, unsere besondere Situation zu berücksichtigen.
      Südtirol sollte den Mut haben, Ihren eigenen Weg in der Labensmittelproduktion zu gehen u. das dann auch dem Konsument vermitteln denn für diesen Weg war die Zeit noch nie so günstig wie jetzt, bevor bestimmte Maßnahmen ungewollt übergestülbt werden.

      • sigmundkripp

        Was heisst „kaum“ in Zeiten, wo auch Nanogramm einer Substanz nachgewiesen werden können?

        • realist

          Man kann an Perfektionismus glauben, aber es gibt ihn nicht.
          Chemiefrei, so wie s von den verschiedenen Lebensmittelverordnungen in der EU verstanden wird, wäre Heute in bestimmten Gebieten zu einem Großteil möglich.
          Alles was ich damit meine, sind Schritte dort hin, aber das perfekte Endprodukt wird s nie geben.
          Alles, das dem aber am nächsten kommt, ist schon ein Erfolg u. es lohnt sich dafür zu arbeiten.

          • sigmundkripp

            Eben. Auf das wollte ich auch hinaus: Mit den aktuell möglichen Nachweismethoden kann ich praktisch nirgends in der Talsohle absolut rückstandsfrei produzieren! Denn unsere Luft ist verschmutzt und sie trägt Schadstoffe – die nicht der Biobauer rauslässt! – weit umher. Insofern ist die italienische Rechtslage, nach der in Biolebensmitteln nichts über der Nachweisgrenze drin sein darf, absurd und die nordischen Länder praktizieren eine pragmatischere Vorgangsweise. Daher mein eher sarkastisch gemeinter Schluss: entweder wir verbieten die konventionelle Landwirtschaft, damit italienisch-bio produziert werden kann, oder wir geben Bio auf, weil es unter den gegebenen Umständen in Italien nicht möglich ist!

  • brutus

    …also Herr Kripp wenn schon Bio dann ordentlich Bio!
    …der Konsument sitzt der Augenauswischerei auf Bio sei unbehandelt, dem ist nicht so! Giftige Substanzen die in der Natur vorkommen werden als unschädlich hingenommen und als Bio deklariert! Richtige Bioprodukte dürften überhaupt nicht behandellt sein!

    • sigmundkripp

      Ich behandle ja meine Flächen nur BIO, so wie alle anderen Biobauern auch. Wenn nun aber 2 km von mir entfernt einer Chemie spritzt und der Wind trägt sie auf meine Früchte? Muss ER aufhören oder Ich?

    • realist

      Wenn man Bio will, muss man BIO auch eine Chance geben u. das heißt bestimmt nicht alles dem Zufall bzw. der extremen unansehentlichen Verunstaltung der einzelnen Produkte zu überlassen.
      All das akzeptiert der Konsument einfach nicht.
      Auch ein Bio Produkt muss absetzbar sein u. das bestimmt alleine der Konsument.

  • brutus

    …sie haben auf meine Fragen nicht geantwortet!
    …definieren sie das Wort Chemie! Warum darf ein Biobauer Mineralöl ausbringen, obwohl es in der Natur rein nicht vorkommt, also chemisch aufbereteitet wurde?

  • goggile

    ICH WILL KEIN VOLLGESPRITZTES BIOGESGESULZE; SONDERN U N B E H A N D E L T E OBST UND GEMÜSESORTEN

    • realist

      Bio muss absetzbar sein, etwas fordern, was nicht verkaufbar ist kann man zwar, aber hilft weder den Bauern noch dem Konsument.
      Bio muss wirtschaftlich sein, alles andere ist unrealistisch.
      Bio darf nicht unleistbar werden.
      Bio ist eine Anbauweise, die immer in Ihrer Anwendung nach oben Ausbaufähig sein wird u. immer Potenzial nach oben haben wird.
      Bio Gestern, Heute u. Morgen kann man kaum vergleichen.
      Bio entwickelt sich ständig weiter u. wird trotzdem nie volkommen sein.
      Und genau das macht BIO aus.

  • sigmundkripp

    Die Bioverordnung verpflichtet den Biobauern, nur für Bio zugelassene Mittel zu verwenden. Wenn nun jemand anderer chemisch-synthetische Mittel spritzt und der Wind sie durch die Lüfte verfrachtet, können sie auf den Biofrüchten landen. Der Biobauer hat aber trotzdem korrekt gehandelt.
    Wenn nun das Gesetz die absolute Freiheit von chemisch-synthetischen Rückständen vorschreibt (was ja ein hehres Ansinnen wäre, und nachweisen kann man heute alles) ist zumindest in Südtirols Obst- und Weinwirtschaft kein Bioanbau mehr möglich. Die Frage ist nur, ob das das Ziel sein soll?
    Wenn jetzt der Konsument – zu Recht – sagt: ich will Nahrungsmittel komplett ohne chemisch-synthetische PSM-Rückstände, muss man die konventionelle Landwirtschaft verbieten oder sie nur im Abstand von 5 – 10 km von biologischer erlauben!

    • brutus

      Sie weichen schon wieder meiner Frage aus!
      Sie tun gerade so als ob die zugelassenen Mittel im Bioanbau harmlos sind! Und das wird von den meisten Bioanbauern, auch von ihnen, unter den Teppich gekehrt!
      Nochmal, Bio aber richtig Bio! Und jeder Biobauer weiß, dass man bei gewissen Obstarten (Apfel, Kirsche usw.) ohne Behandlung kein vermarktungsfähiges Produkt erzielen kann! Mit der Ausage nur die im Bioanbau zugelassenen Mittel zu verwenden (obwohl sie genau wissen, dass die Abstandsregelung für gewisse Bioprodukte genauso gilt) und nur den integrierten Anbau an den Pranger zu stellen ist zu einfach!

      • sigmundkripp

        Es liegt immer an Ihnen selbst, zu entscheiden, ob sie Lebensmittel mit Rückständen von chemisch-synthetischen PSM essen wollen, oder solche, die mit natürlichen Mitteln behandelt werden, die Ihr Körper kennt und verarbeiten kann. Wenn Sie ein Ei essen, nehmen Sie z.B. 60 mg Schwefel auf, der Körper braucht ihn und kann damit umgehen. Schwefel ist im Bioanbau eines der wichtigsten PSM. Wenn Sie aber auch nur ein mg eines chemischen PSM zu sich nehmen, kennt das der Körper nicht, kann es nicht verarbeiten und geht in Abwehrstellung. Diese Abwehrstellung benennen wir im Allgemeinen mit Allergie, Unverträglichkeit, Krebs etc. Aber wie gesagt: es darf und muss jeder selbst entscheiden, was er essen will. Erfreulicher Weise sind aber doch immer mehr Menschen auf der Suche nach Lebensmitteln, die so behandelt sind, dass der menschliche Körper damit umgehen kann! Und äußern das auch politisch. Und manchmal folgt die Politik auch den Wünschen der Menschen….

        • brutus

          …ob unser Körper das natürliche Pyrethrum kennt, wage ich zu bezweifeln!

          • sigmundkripp

            Zweifeln Sie ruhig! Das ist schon ein guter Ansatz zum bewussten Einkauf! Allemal besser, als alles glauben, was einem die Chemieindustrie in Hochglanzprospekten (die den Bauernzeitungen beigelegt werden) verklickert!

  • ahaa

    50 Prozent sind immer drin.So schauts aus.Ist anders gar nicht mehr mòglich.Grossflàchig!Augenwischereipolitik!

    • sigmundkripp

      50% eher nicht, aber nachweisbare Spuren, ja. Sie können nun selbst entscheiden, ob Sie ein Lebensmittel mit 1 mg chemischem PSM essen wollen, oder eines, das biologisch produziert worden ist, aber durch Abdrift mit 1 Nanogram belastet ist…
      Der Faktor ist 1:1000
      Ist jetzt der Biobauer an diesem Nanogram schuld?

  • sigmundkripp

    p.s. Oder man verbietet die Biologische Landwirtschaft, weil die Produktion mit chemisch-synthetischen PSM wertvoller erscheint und erstere damit in Südtirol unmöglich ist!

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