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Grapscher an der Haltestelle

In Südtirol gibt es kaum geeignete Therapieeinrichtungen für straffällige Erwachsene. Das zeigt der Fall eines Brixners, der wiederholt Schülerinnen an Bushaltestellen begrapschte.

von Thomas Vikoler

Er erfüllt nicht unbedingt das Profil eines Durchschnittssüdtirolers, von dem er allerdings auch nicht so weit entfernt ist: Knapp 70 Jahre alt, alleinstehend, das gesamte Arbeitsleben lang als Handlanger tätig, inzwischen Bezieher einer kleinen Rente.

Er wohnt in einer kleinen Wohnung in Brixen und ist in den vergangenen Wochen vor allem damit aufgefallen: Er postierte sich an Bushaltestellen und vor Schulen, um dort Mädchen zu begrapschen. Mehrere Eltern habe zuletzt Anzeige gegen Herrn H. erstattet, er soll bei seinen Sex-Attacken die Hosen vor den jungen Frauen heruntergelassen haben. Auch von Kussversuchen ist in den Anzeigen die Rede.

Herr H. ist offenbar einen Mann, der im Alter seine sexuellen Impulse nicht zurückhalten kann. Die er sie möglicherweise ein Leben lang unterdrückt hat. Und nun in ernsthaften strafrechtlichen Schwierigkeiten steckt.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Rentner wegen Verstößen gegen Strafrechtsartikel 609quater, sexuelle Handlungen mit Minderjährigen. Bereits einmal wurde er für einige Tage im Bozner Gefängnis in Untersuchungshaft genommen. Kaum wieder in Freiheit, folgten neue Anzeigen wegen sexueller Belästigung Minderjähriger.

Also verhängte der zuständige Voruntersuchungsrichter Peter Michaeler eine Bewährung unter Polizeiaufsicht während („libertà vigiliata“). Herr H. durfte zu bestimmten Zeiten, insbesondere Mittag, seine Wohnung nicht verlassen. Sein Sachwalter sollte darüber wachen. Doch auch diese Maßnahme verhinderte nicht, dass der 70-Jährige erneut an Bushaltestellen verhaltensauffällig wurde. Er ignorierte die Einschränkung einfach.

Der schwer kontrollierbare sexuelle Impuls.

Inzwischen hat der Bozner Gerichtspsychologe Michele Piccolin ein Gutachten zur Schuld- und Zurechnungsfähigkeit des Mannes erstellt. Ergebnis: Herr H. hat einen eher niedrigen Intelligenzquotienten, ist nicht voll zurechnungsfähig aber sozial gefährlich.

Also jemand, der dringend in einer Therapieeinrichtung unterkommen sollte. Einmal um dort behandelt zu werden, zum anderen um die Gefahr einer Tatwiederholung einzuschränken.

Doch eine geeignete Therapieeinrichtung für derartige Fälle straffälliger Erwachsener gibt es in Südtirol praktisch nicht. Einzige potentielle Ausnahme: Das Therapiezentrum Bad Bachgart in Rodeneck, in der vornehmlich Süchte behandelt werden.

Richter Michaeler bemüht sich nun darum, Herrn H. dort unter dem Regime der „libertà vigilata“ unterzubringen. Sollte sich die Leitung des Therapiezentrums dazu bereit erklären (immerhin wurde der Mann von Gutachter Piccolin als gemeingefährlich eingestuft), braucht es eine eigene richterliche Anordnung.

Würde Herr H. für unzurechnungsfähig erklärt, müsste er in eine Nachfolgeeinrichtung einer gerichtspsychiatrischen Anstalt wie jene in Pergine Valsugana eingewiesen werden. Doch das wäre humanitär kaum vertretbar. Deshalb nun die Suche nach einer geeigneten Therapieeinrichtung.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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Kommentare (10)

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  • rota

    Wie immer macht sich die Öffentlichkeit mehr Sorgen um die Abnormalen, die Normalos haben sich zu fügen und die Klappe zu halten.
    Ja geht’s noch, ich sehe in den Prioritäten die Unversehrtheit unserer Jugend vor den senilen Fehlfunktionen und mangelnder Selbstbeherrschung.

  • thefirestarter

    Therapie???
    Eine Zelle 3×3 Meter mit einem Fenster mit 2×2 Zentimeter Löcher zwischen den Gittern… Kost und Logie werden von der Pension abgezogen.

  • goggile

    ein weiterer Skandal. Mädchen Frauen die psychisch für ihr ganzes leben vielleicht durch solche taten zu kämpfen haben wens ums Thema mann geht! Unser oberster Politiker schweigt wie ein Lamm. Hoffen wir, dass ihn die Wölft aufwecken aus dem Tiefschalaf. Noch besser die Wölfe wechen die Lämmchen, die das Kreuzchen immer an die Fasche ecke machten bisher.

  • andreas

    Wie armselig und ahnungslos muss man eigentlich sein, um über einen offensichtlich kranken 70jährigen herzuziehen?

  • ich

    Andreas bin voll deiner Meinung.
    Ein einziger pöbelhaufen.und dann typisch die Frage..was sagt die Politik dazu…nichts soll sie sagen! Es gibt Polizei Staatsanwälte Psychiater die sind zuständig.
    Ein armseliger. Haufen seid ihr

    • kurt

      @ich
      Stimmt aber wer ist der armseligste Haufen????.Das sind die Politiker die die Gesetze machen und zwar so das sie jeder Winkeladvokat drehen kann er will und dann reden zum Wohle des Volkes.
      Im Herbst gibt es die Gelegenheit diesen Herren eines auszuwischen und die Stirn zu zeigen aber da gibt es immer wieder solche Hosenscheißer die sich nicht getrauen.
      Was sollen die Staatsanwälte ,Polizei und Psychiater tun ,auch sie müssen sich nach den Gesetzen richten aber die sind leider nicht für alle gleich.
      Hinter dem Richter steht groß geschrieben LA LEGGE E´ UGUALE PER TUTTI ,die größte Lüge die es gibt.

  • ahaa

    Meinem Sohn wollten sie Drogen verkaufen,in einem Park am Bahnhof.Und ich dachte das ist nur mir in Bozen passiert.
    Mir drohte er nur mit der Faust als ich sagte er soll sich verpissen.Mein Sohn sah das Messer.
    Anzeige gegen den Zuwanderer habe ich nicht gemacht.Ich bin doch kein Nazi.Frau Martha.
    Der 70 jàhrige gehòrt Bozen in den Bahnhofpark.Er soll dort sein Glùck versuchen.

  • rota

    @andreas @ ich
    versetzt euch in Lage der begrapschten Mädchen. Bei unkontrolliertem Sexualverhalten gegenüber Kindern hört bei mir Mitleid und Verständnis auf. Eure Krankheiten dürfen nicht fremden unbeteiligten Kindern schaden. Schämt euch!!!

  • andreas

    @rota
    Eure Krankheit? Sag mal gehts noch?

    @kurt
    Schreib vom Wetter, vielleicht verstehst davon mehr.

    • goggile

      andreas ich bin hochintelligent und auf vielen gebieten bewandert. aber sie? sagen sie mir nur ein Thema wo sie Kompetenz aufweisen können. man liest aus ihren frigiden Geschreibe heraus, dass sie überall neid empfinden.

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