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Koks in der Kaserne

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Zehn Monate lang lagerten 31 Gramm Kokain in einem Stromkasten im Carabinieri-Landeskommando in der Bozner Dantestraße. Bis ihr Eigentümer sich selbst verriet. Aus Reue.

von Thomas Vikoler

Das Versteck war offensichtlich gut gewählt, denn täglich gingen Drogenfahnder an ihm vorbei ohne etwas zu bemerken. Dabei lagerten dort 31 Gramm Kokain, bestimmt für den Verkauf in der Bozner Drogenszene. Dass es am Ende, im Juli vergangenen Jahres, dennoch entdeckt wurde, ist einem unerwarteten Ereignis geschuldet.

Der Mann, der es im Oktober 2016 in einem Anflug von Panik ausgewählt hatte, wollte zurück auf den Pfad der Legalität. Und zeigte sich reuig.

Das ist der skurrile Höhepunkt einer Geschichte um eine Drogenlieferung, die möglicherweise, hätte der Mann sich nicht selbst verraten, weiter in einem Stromkasten der Kaserne des Carabinieri-Landeskommandos in der Bozner Dantestraße versteckt bliebe.

Alles begann mit einer Festnahme.

Der Mann, ein 27-Jähriger kurdischer Abstammung, war von den Carabinieri bereits längere Zeit observiert worden. Gegen ihn wurde wegen Drogenbesitzes, Drohung und Erpressung ermittelt. Immer im Zusammenhang mit Verteilungskämpfen in der Bozner Dealerszene.

Bei einer Kontrolle im Bahnhofspark nahmen ihn die Carabinieri mit, sie platzierten den irakischen Staatsbürger erst einmal auf einer Bank vor dem Verhörzimmer. Der Mann wusste, dass sich in seiner Hosentasche 31 Gramm Kokain befanden. Wohin damit? Da entdeckte er einen in die Wand eingemauerten Stromkasten. In einem unbeobachteten Augenblick verstaute er dort kurzerhand das weiße Pulver.

Die Strafermittlung nahm seinen Lauf, der Dealer wurde ins Gefängnis gebracht, bald darauf schloss er am Landesgericht einen Vergleich über fünf Jahre Haft wegen Drogenbesitzes, Drohung und Erpressung ab.

Im Juli 2017 durfte er das Gefängnis verlassen. Dieses liegt bekanntlich in unmittelbarer Nachbarschaft zur Carabinieri-Landeszentrale in der Dantestraße. Vor der Kaserne traf er auf einen Carabiniere, der ihn vor seiner Verhaftung im Oktober 2016 verhört hatte.

Ihm machte er das verblüffende Geständnis: Ich will ab nun ein besserer Mensch werden. Ich habe bei euch in einem Stromkasten Kokain versteckt.

Die Droge befand sich, wie angegeben, im Stromkasten vor dem Verhörzimmer. Wieder wurde gegen den Mann ein Strafverfahren wegen Drogenbesitzes eingeleitet, das nun in einer Vorverhandlung am Bozner Landesgericht abgeschlossen wurde: Der 27-jährige Iraker stimmte einem gerichtlichen Vergleich über vier Monate Haft zu.

Richter Peter Michaeler stufte den Drogenbesitz als Fortsetzung der Straftaten aus dem ersten Verfahren ein.

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