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Was ist mit den Bozner Bauern los?

Die Bozner Bauern rufen nach der Alemagna-Autobahn, weil sie selbst die Verkehrsbelastung fürchten: Das sorgt im Pustertal für Kopfschütteln und Proteste.

von Silke Hinterwaldner

Anton Tschurtschenthaler ist ein Mann, der sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen lässt.

Der Bezirksobmann der Bauern im Pustertal sagt nur: „Hier mussten wohl einige Dampf ablassen. Ich nehme derlei Aussagen nicht wirklich wörtlich. Schließlich kann ich mir ganz und gar nicht vorstellen, dass eine solche Forderung Ernst gemeint ist.“

Worum geht es?

Am Donnerstag hatten sich die Mitglieder des Bauernbundes in der Ortsgruppe Bozen getroffen und recht hitzig über allerhand Verkehrsprojekte diskutiert. Dabei ging es nicht nur um den Flughafen und den Ausbau des Bahnverkehrs, sondern freilich vor allem um die angedachte Verlegung der Autobahn.

Diese Umfahrung für Bozen lässt bei vielen Bauern die Alarmglocken schrillen: Sie wollen den Anrainern in der Peripherie noch mehr Verkehr ersparen und setzen auf den Erhalt von Kulturgrund. Dabei fiel auch eine Forderung, die den Kollegen im Osten des Landes gar nicht schmeckt: Man solle doch den Ausbau der Alemagna bei Toblach vorantreiben, berichtete das Tagblatt Dolomiten nach der Sitzung, da dies die Situation auf der Brennerachse entspannen würde.

Als Bernhard Zimmerhofer von dieser Forderung hörte, musste er sich zunächst sehr wundern. „Die Bozner Bauern“, sagt der Abgeordnete der Süd-Tiroler Freiheit, „müssten doch wissen, dass sich nicht nur das Pustertal, sondern ganz Süd- und Osttirol stets klar und deutlich gegen dieses Monsterprojekt ausgesprochen haben.“ Außerdem stehe ein solches Projekt im Widerspruch zur Alpenkonvention und selbst das Europäische Parlament habe festgestellt, dass dies nicht der Grundausrichtung der Verkehrspolitik in den Alpen entspreche.

Das Schreckgespenst Alemagna verfolgt die Bevölkerung im Pustertal mittlerweile seit Jahrzehnten. Trotz vieler Proteste gab es vor allem in den benachbarten Regionen immer wieder Bestrebungen diese Autobahn Richtung Norden weiterzubauen. Auch heute noch gibt es immer wieder politische Versuche – aber meist kommen sie von auswärts. Dass nun Südtiroler Bauern selbst den Bau der Alemaga-Autobahn fordern, ärgert im Pustertal viele, Bauern und Nicht-Bauern. „Es kann doch nicht die Lösung sein“, meint Zimmerhofer, „die bestehenden Bedrohungen und Gefahren auf andere abzuwälzen.“

Genauso wie Anton Tschurtschenthaler erinnert auch er die Bozner daran, dass das Pustertal treu an der Seite der Bauern aus der Umgebung der Landeshauptstadt stand, als es darum ging, das Referendum gegen den Ausbau des Flughafens zu gewinnen.

Auch vor diesem Hintergrund will der Bauernbund im Pustertal der Forderung einiger Bozner Bauern nicht allzu große Bedeutung beimessen.

„Dieser Sager“, erklärt Tschurtschenthaler „ist in meinen Augen lediglich eine Trotzreaktion.“

Der Bauer aus Toblach regt im selben Atemzug an, das Verkehrsproblem bei den Wurzeln anzupacken: „Würde jeder einzelne mehr regionale Produkte kaufen, dann hätten wir automatisch weniger Verkehr. Das ist der einzig richtige Ansatz in dieser Debatte.“

 

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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Kommentare (14)

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  • watschi

    recht haben sie die bozner bauern. was interessiert uns das pustertal? tausende pendler verpesten ausserdem auch noch die stadt. auch hier sollte man endlich den hebel ansetzen und die leute zwingen òffis zu nehmen.

    • beobachter

      Dass die Verkehrssituation im pustertal untragbar ist, sieht ein kleinkind. Das ist das resultat der immergegenallesgrünen. eine 4 spurige schnellstrasse wie die mebo braucht es mehr denn je. auch die alemagna ist 1005 ntwendig.
      man kann den fortschritt nicht aufhalten

  • tiroler

    Die Alemagna kommt so oder so zu 100%.Das haben Renzi, Boschi und Co schon längst mit Ö , D, und der EU vereinbart.
    Übrigens, mit der zukünftigen E- mobility belastet sie auch die Umwelt nicht mehr.

    • homoerektus

      Ist auch richtig. Ohne ordentliche Verbindungen funktioniert die Wirtschaft nicht! Im Pustertal wenn nicht bald was passiert im Verkehrsnetz kann die östliche Bevölkerung nur mehr Sonne liegen.

  • thefirestarter

    Die Frage ist; wer will hier eine Keil in die Südtiroler Bevölkerung schieben.
    Wem nützt dieser Streit so kurz vor den Wahlen?

    Die Bevölkerung des Unterlandes will genauso wenig die Alemagna wie die Pusterer, desch isch fix.

  • finele

    Wie heißt es doch so schön?
    „Verschon insre Häuser, zind ondre dofir on. . .“

  • noando

    na mahlzeit, und hier wird der vorschlag noch ernst genommen und gut geheißen – „so sanse die tirola“! auf der einen seite, ‚ein tirol‘ und ‚zerissen wurdest du‘, und auf der anderen seite ‚was interessiert uns das pustertal‘ und ‚her mit der autobahn‘ 😀 grandios!

    sind den wein- und obstbauern die pflanzenschutzmittel zu kopf gestiegen? eine dümmere forderung, bzw einen dümmeren lösungsvorschlag gibt es wohl keinen!

    zu viel verkehr im land tirol? lkw-stückbegrenzung, strengere lkw-abgasnormen, verlegung auf die schiene, oder/und eine saftige umweltmaut für lkw’s … wollen wir den verkehr und somit die umwelt- und anrainerbelastung verringern oder nur von der brennerachse ins pustertal verlegen? fragt doch einmal bei den burschenschafts-freunden der fpö nach, ob eine alemagna in den koalitionsvertrag eingefügt werden kann.

    homoerektus: wirtschaftswachstum um jeden preis? nein danke! und herr tschurtschenthaler, der kauf regionaler produkte (wenn überhaupt entsprechende vorhanden) wäre ein tropfen auf dem heißen stein!

    • yannis

      Ja @noando,
      Wenn das so weiter geht, wird man bald keinen Südtiroler „Markenspeck“ mehr bei Aldi und Lidl in DE kaufen können weil es nicht mehr möglich sein wird die Schweinekeulen aus Nordeuropa zum Selchen nach Südtirol hin zu karren und anschließend wieder zurück.

      • noando

        was ist der großteil des verkehrsaufkommen auf der brennerachse? ware was nach oder von südtirol kommt oder stammt, oder ist es durchfahrtsverkehr? wohl eher zweites.

        ich würde zum schutz unserer heimat, gern für ‚von fern herbei gelieferte ware‘ etwas mehr bezahlen, oder nehme in kauf, dass einige produkte im kaufhaus nicht mehr angeboten werden, oder dass ich bei amazon für lieferungen nach südtirol mehr transportkosten zahle. ziel sollte der schutz der umwelt und lebensqualität sein, und nicht immer billig billig billig

        • homoerektus

          Genau recht hosche, noar drehen mir die Zeit um 100 Johr zuruck noar pasts!

          • noando

            🙂 von mir aus, dann braucht es die diskussion um den doppelpass auch nicht mehr.

            im ernst, das hat nichts mit 100 jahre zurück zu tun. wenn wir der meinung sind, es rollen zu viele lkw’s durchs land, dann kann doch nicht die lösung sein, den verkehr ins pustertal zu verlegen. (@finele sagts)

            es gäbe genug möglichkeiten. wenn man aber mit keinem und niemanden anecken will, keinen nachteil zum vorteil der natur hinnehmen will, na dann machen wir einfach weiter wie bis jetzt und reden nicht so einen schwachsinn wie die bozen bauern daher.

        • yannis

          das ist das Problem dass wir geografisch in der Mitte des EU Wirtschaftsraumes liegen und somit wirtschaftlich enorm davon profitieren mit der unausweichlichen Folge des Durchgangsverkehrs.
          Tourismus Land Südtirol:
          Anreise für die eigenen Gäste kein Problem, aber die z.B. in die Toscana oder ähnliche Gegenden reisen erzeugen NUR lästigen Durchgangsverkehr.
          Wirtschaft:
          bestes Beispiel der Speck, natürlich könnte / sollte man ihn da produzieren wo er gegessen wird, also demnach 80-90 % der „Selchkapazitäten“ von Südtirol abziehen und z.B. direkt nach Niedersachsen neben den Mastbetrieben aufmachen.
          Äpfel:
          Die Bäume roden und die Milch produzieren , die sonst aus DE nach Italien transportiert wird, im Gegenzug die Äpfel die in DE gebraucht werden auch dort selbst produzieren.
          Und sicherlich hätten die Pusterer nichts dagegen wenn über die sog. Alemagna nur die Touristen reisen würden die auch bei denen die Abfahrt nehmen und dort ihr Geld ausgegeben

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