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Lust auf Familie

Waltraud Deeg

Die Herausforderungen an die Familienpolitik standen im Fokus der heutigen Tagung zum Thema „Familie.Politik.Zukunft“.

Familien und ihre Bedürfnisse sind, ebenso wie die Gesellschaft als ganze, im Wandel: Sinkende Geburtenraten, veränderte Familienstrukturen und Mehrfachbelastungen durch Familie und Beruf stellen einige der wesentlichen Herausforderungen dar, mit denen sich die Familienpolitik beschäftigen muss. Wie Familienpolitik auf die sich verändernden Anforderungen und Bedürfnisse reagieren sollte, war das Thema der Tagung der Familienagentur im Haus der Familie am Ritten.

Die Familie habe noch nicht den Stellenwert, den sie verdient, stellte eingangs Familienlandesrätin Waltraud Deeg fest. Gerade in Zeiten sinkender Geburtenraten und der Zunahme der Einpersonenhaushalt brauche es mutige, vor allem antizyklische Familienpolitik, um die Rahmenbedingungen zu schaffen. Südtirol liegt mit einer durchschnittlichen Kinderzahl von 1,7 pro Frau, vor allem im Vergleich mit dem restlichen Italien (1,34 Kind/Frau) gut da. Es seien jedoch viele, gut abgestimmte Maßnahmen auf allen Ebenen nötig, um Familien konkret begleiten zu können. „Familienpolitik muss vorausschauend sein, um mit Maßnahmen rechtzeitig Antworten geben zu können. Es geht darum, durch gute Rahmenbedingungen Lust auf Familie, auf Kinder zu machen“, sagte Deeg.

Alfredo Ferrante, leitender Mitarbeiter im römischen Familienministerium, bestätigte Deeg darin, dass es ein mehr an Familienpolitik geben müsse. Familie wirke sich auf zahlreiche Bereiche aus, weshalb die Familie nicht ausschließlich dem Sozialbereich zugeordnet werden dürfe. Vielmehr gehe es darum, vielerlei Maßnahmen zu setzen, um das Vertrauen der Menschen in eine gute Zukunft zu stärken. Dafür brauche es das Zusammenspiel vieler Partner – so seien hier neben dem Bereich des Sozialen vor allem jene der Wirtschaft und der Arbeit gefragt.

Auch Sophie Karmasin, bis Dezember 2017 Bundesministerin für Familie und Jugend in Österreich, betonte, dass die Aussicht auf eine positive Zukunft für die eigenen Kinder ein wichtiger Antrieb für familienpolitische Maßnahmen sein müsste. Karmasin zeigte anhand von fünf Leitgedanken die Grundzüge der österreichischen Familienpolitik auf. Neben der Vereinbarkeit von Familien- und Berufsleben, dem Umgang mit neuen Technologien und der Familienfreundlichkeit als Wettbewerbsfaktor gehe es vor allem um das Prinzip der Partnerschaftlichkeit und um jenes der Wahlfreiheit. „Es ist die Aufgabe der Politik Rahmenbedingungen zu schaffen, mit denen Wahlfreiheit ermöglicht wird“, fasste Karmasin zusammen.

Kinder zu haben sei für viele Jahrzehnte und Jahrhunderte keine richtige Wahl gewesen, heute hingegen schon, betonte der Dozent an der katholischen Universität in Mailand, Alessandro Rosina. Die aktuell niedrige Geburtenrate habe dabei aber sowohl individuelle, als auch allgemeingesellschaftlich Gründe – und auch Auswirkungen. Die Realisierung der Wahlfreiheit könne dabei eine der Antworten sein und müsse in jedem Fall die wichtigste Aufgabe der Familienpolitik sein.

Dennoch müsse man sich dessen bewusst sein, dass es nicht eine einzige Maßnahme gebe, welche alle Probleme löse, sondern eine Vielzahl. Von der Politik forderte der Demograph, dass es eine klare Entscheidung für ein mehr an Familienpolitik. Die Jugendstudie „Rapporto Giovani“ habe gezeigt, dass die Jugend sich eine Familie wünsche. Es gehe nun dahingehend zu agieren, dass diese Wünsche nicht unrealistisch bleiben, sondern zu Lebensprojekten werden.

Die Wiener Soziologin Sonja Dörfler legte ihren Fokus auf unterschiedliche Modelle von Familienpolitik und ihre Auswirkungen auf die Familien. Sie stellte in diesem Zusammenhang Maßnahmen aus dem Bereich der Elternzeit und der Kleinkindbetreuung vor. Dörfler betonte, dass es immer ein Wechselspiel zwischen der gesellschaftlichen Kultur und den politischen Institutionen und Maßnahmen gebe. Institutionen würden sich durch kulturelle Veränderungen wandeln, doch auch die Einstellungen könnten sich ändern, wenn man institutionell aktiv werde. Gerade darum kämen familienpolitischen Maßnahmen ein wichtiger Stellenwert zu.

Die geschäftsführende Direktorin der Familienagentur Carmen Plaseller bezeichnete die Tagung im Haus der Familie als einen Meilenstein im Jahr des fünfjährigen Jubiläums des Südtiroler Familiengesetzes, welches die Grundlage für die Familienagentur gelegt habe.

 

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Kommentare (4)

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  • rota

    Was bitte ist „antizyklische Familienpolitik“, was ist zyklische Familienpolitik? Ihr Möchtegerngscheidis von Sonntagsrednerpolitik erfindet neue Begriffe und meint das warme Wasser dabei neu zu erfinden.
    Dabei kommt diese Redensweise aus dem Finanzjargon und lässt die Vermutung zu die Erfinder dieser Sager sind wohl eher in der Geld- und weniger in der Familienpolitik beheimatet.

    @ Waltrau Deeg. man7frau muss nicht jeden Schmarrn gleich zum eigenem Vokabular machen.

  • ernam.

    Umdenken ist notwendig!
    Wenn die verantwortlichen Politikerinnen und Politiker einsehen, dass Förderungen (Geld, Sachleistungen, Steuerbegünstigungen, …) für die Familien keine Ausgaben sind, sondern eine Investition in die Zukunft ist, dann findet tatsächlich eine große Veränderung statt. Jeder Euro der in die Familien investiert wird, kommt mehrfach zurück. Abgesehen davon, dass Kinder das Wertvollste auf der Welt sind, sind sie auch die zukünftigen Steuerzahler.
    In Südtirol gibt die Politik die Richtung für die Familien vor, durch dem dass sie nur die ausserfamiliäre Betreuung der Kinder fördert. Es ist Aufgabe der Politik für alle Familien Rahmenbedingungen zu schaffen, dass sie ihr individuelles Lebensmodell leben können, ohne in eine Armutsfalle zu geraten und Schulden zu machen. Dies ist nicht nur meine Einstellung, sondern wurde bei der Fachtagung von den Referenten klar gesagt.
    Ausserdem steht dies auch im Familiengesetz von 2013 Art. 10 klar und deutlich drinnen:
    „Um die Erziehungsarbeit und die Wahlfreiheit zu unterstützen und um den Anforderungen der Eltern entgegenzukommen, wird die Betreuung und Begleitung von Kindern zu Hause und durch außerfamiliäre Dienste unterstützt. Das Land und die zuständigen Körperschaften fördern und unterstützen beide Formen als gleichwertige Angebote, deren Wahl von den Bedürfnissen der Kinder sowie von den Eigenschaften und Möglichkeiten der Familien abhängt.“
    Blickt man nach Österreich, wo ein fixer Betrag pro Kind in Höhe von 15.500 € bis zu 35 Monaten vorgesehen ist, sowie Familienzeit, Partnerschaftsbonus und die Familienbeihilfe mit dem Jahr 2018 auf 830 Millionen erhöht wird, so bewundere ich die österreichische Familienfreundlichkeit.
    Sehr geehrte Frau Familienrätin Dr. Waltraud Deeg, liebe Mitarbeiter der Familienagentur, sehr geehrte Landesregierung es gibt genügend zu tun. Gute Arbeit!

    Mit freundlichen Grüßen
    Erna Marsoner Huber
    Mutter und Hausfrau aus Pfunders

  • tff

    Und, Frau Landesrat, was machen Sie denn um den unverschuldeten Rentnern nicht den letzten Knopf abzunehmen ? Da war bis jetzt grosses Schweigen, und
    anscheinend sogar Unkenntnis der Gesetze. Aber die eigenen Fehler zugeben und dafür die Veranwortung zu übernehmen ist wohl zu schwer.Sonntagsreden
    über die nahe und ferne Zukunft sind leichter.

  • pon

    eine bequeme Sicht der Dinge….die Fakten: eine Familie verdient zu wenig um in Südtirol über die Runden zu kommen, die Gehälter seit 10 Jahren eingefroren,während sich unsere Politiker bereichern…..schaut doch: kaum eine Familie kommt in den Genuss einer konkreten Hilfe, wenns wirklich mal schief geht: bei Trennungen ist es dann ganz vorbei. Wer bekommt einen Mietbeitrag? nur der, Einkommen null erklärt. Wer bekommt eine Sozialwohnung? Keine einzige einheimische Familie !!(Ausnahme mit 3 und mehr Kindern) ,denn es gilt zusätzlich zu einem kurzsichtig gedachten Punktesystem , ein mindest Pktezahl von 25: also, wer nicht seit ZWEI JAHREN OHNE EINKOMMEN IST ( wie ist so etwas machbar für eine Familie??)u mindestens 3 Kinder hat, bekommt keine 25 Punke……Was für eine Familienpolitik ist das bitte???Muss sich ein Familienmitglued „Arbeitsunfähig‘ „Arbeitslos““Invalide“erklären?Schwarzarbeiten und Falscherklärungen machen?Soll eine Familie SOZIALHILFEEMPFÄNGER ALS ZIEL SEIN??? Ist all das die Entlohnung der geleisteten SOZIALBEITRÄGE EINER GENERATION, DIE PLÖTZLICH DIE RENTEN IN FRAGE STELLEN?????

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