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Missachtete Absperrungen

Bei Unfällen und größeren Veranstaltungen ist die Feuerwehr zur Stelle und leitet den Verkehr. Nur widersetzen sich immer wieder einzelne Personen den Anweisungen. Haben Südtirols Feuerwehren zu wenig Autorität?

von Markus Rufin

Bei Unfällen sind die Freiwilligen Feuerwehren im gesamten Land zur Stelle. Innerhalb von Minuten sind die Wehrmänner vor Ort. Die erste Maßnahme, die eine Feuerwehr vor Ort setzen sollte, ist die Absperrung der Straße, auf der sich der Unfall ereignet hat. Nicht nur für die Feuerwehr ist das von Vorteil, sondern auch für die restlichen Verkehrsteilnehmer.

Immer wieder gibt es aber Autofahrer, die mal eben „nur ganz schnell“ durch den gesperrten Abschnitt fahren müssen, oder sich ein Bild der Lage machen wollen und die Absperrungen einfach missachten. Dazu kommen noch Schaulustige, die unbedingt ein Foto vom Unfall machen wollen.

So erregte beispielsweise Anfang November eine Meldung der Freiwilligen Feuerwehr Burgstall in den sozialen Netzwerken Aufmerksamkeit. Die Feuerwehr berichtete von einem Fall, der sich am 30. Oktober auf der Mebo zugetragen hat. Ein Fahrer ist dabei – ohne stehen zu bleiben – durch die Unfallstelle hindurchgerast und hat dabei eines der Warndreiecke beschädigt. Mit Ironie „bedankte“ sich die FF Burgstall dafür, dass „nicht einer der Wehrmänner oder eines der Fahrzeuge“ überfahren wurde.

So geschieht das immer wieder. Das bestätigt der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Burgstall, Wilfried Ganthaler: „Auf der Mebo ist das schon fast Normalität. Die Leute sind gestresst und müssen schnell irgendwo hin. Vor der Feuerwehr haben einige aber anscheinend zu wenig Respekt und sie fahren einfach durch.“ Dabei sollte für jeden klar sein, dass ein Einsatz meist innerhalb von wenigen Minuten beendet sei und die Straße wieder freigegeben werden könne, unterstreicht Ganthaler.

Dieses Ereignis scheint kein Einzelfall zu sein. Knapp einen Monat später ereignete sich in Eppan ebenfalls ein Unfall. Die Feuerwehr St. Pauls sperrte die Straße. Dennoch fuhr ein Auto an der Absperrung vorbei. Dabei wurde ein Verkehrskegel beschädigt.

Roland Faller, Kommandant der FF St. Pauls, findet dafür klare Worte: „Die Absperrungen der Feuerwehr sind zu beachten. Das gehört ganz klar so zu sagen. Für Schaulustige, die Fotos vom Einsatzort machen wollen, gilt das gleiche.“

Ob die Zahl der Verkehrsteilnehmer, die solche Absperrungen missachten, zugenommen hat, ist nicht klar. Zum einen liegt das daran, dass es keine Statistiken dazu gibt. Zum andern dürfen die Feuerwehren selbst keine Strafen ausstellen.

Landesfeuerwehrpräsident Wolfram Gapp ist aber davon überzeugt, dass es nur Einzelfälle sind, die sich den Anweisungen widersetzen: „Die breite Masse ist dankbar für den Dienst der Feuerwehr.“ Missachtungen der Sperren seien dennoch ärgerlich.

Major Christian Carli, Präsident der Vereinigung der Ortspolizisten, kann den Ärger mancher Feuerwehrmänner gut nachvollziehen: „Der Feuerwehrmann macht einen Dienst für die Allgemeinheit und kann nichts dagegen machen, wenn sich ein Autofahrer seinen Anweisungen widersetzt. Er kommt sich blöd vor.“

Hat die Feuerwehr also zu wenig Autorität? Weder Carli noch Gapp glauben das. Beide sind davon überzeugt, dass es einige wenige gibt, die sich den Anweisungen widersetzen, weil sie wissen, dass die Feuerwehr keine Strafen ausstellen darf. „Sie stellen sich also über bestimmte Forderungen“, meint Gapp.

Aber nicht nur bei Unfällen, sondern auch bei Veranstaltungen im Dorf sorgt die Feuerwehr für Ordnung und sperrt Straßen. Zwar wären die Feuerwehren dazu eigentlich gar nicht befugt, aber die Bürgermeister der Gemeinden autorisieren solche „Einsätze“ mittels Dekret. „Wir sind darauf angewiesen. Denn es gibt zu wenig Polizisten, die das machen. Daher müssen wir dankbar sein“, meint Christian Carli.

Es handelt sich aber um eine rechtliche Grauzone. „Die Feuerwehr darf ja keine Strafen ausstellen. Ich habe schon vor einigen Jahren den Vorschlag gemacht, die Straßenverkehrsordnung zu ändern“, sagt Carli.

Auch bei solchen sogenannten Ordnungsdiensten kommt es immer wieder vor, dass Absperrungen umfahren oder Anweisungen der Feuerwehren missachtet werden. „Wenn uns die Feuerwehr in Ausnahmefällen auch offiziell bei der Verkehrsregelung unterstützen könnte, wäre das eine Ideallösung“, meint Carli.

Solange eine solche Abänderung aber nicht durchgeführt wird, appelliert Carli an die Vernunft der Bürger: „Die Feuerwehr macht diesen Dienst freiwillig und trägt immerhin eine Uniform. Der Bürger muss die Anweisungen akzeptieren.“

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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Kommentare (3)

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  • rota

    Ähnlich gelagert ist auch die Situation der Schülerlotsen. Mein Lösungsvorschlag, Bodycam mit Zeit & Bild & Sprachaufzeichnung welche bei Bedarf den zuständigen Ordnungskräften zu weiteren Schritten übergeben werden. Alles darf aufgezeichnet werden, die öffentliche Verwendung ist zuständigen Amtspersonen vorbehalten. Schon der Abschreckungseffekt würde stark Wirkung zeigen. Kostenpunkt um 120€.

  • goggile

    wie ist die lage bei strassenbauarbeiten? dor bei den menschlichen Ampeln? bezüglich mebo da sieht man manchmal den totalen Wahnsinn. Autos die rückwerts bei den einfahrten zurückkommen im totalen einbahnverker sobals sich ein Unfall ereignet hat und sich staut. diese fahren eben ein und sehen erst dann dass sie im stau stecken. nicht nur einer ist rückwerts mehrere hunder meter zurueckgefahren sondern gleich mehrere.

  • naomi

    Die Feuerwehren sollten den Gefahrenbereich absperren und zwar so, dass niemand hinein bzw. durch kommt.
    Die Verkehrsregelung sollten sie jedoch den zuständigen Behörden überlassen, nachdem wir ja genug davon haben: Dorfpolizei, Stadtpolizei, Gemeindepolizei, Carabinieri, Straßenpolizei, bald vielleicht auch eine Landespolizei …

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