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Der Rekord-Winter

Melag in Langtaufers: Neuer Schneerekord (Foto: Twitter/ Dieter Peterlin)

Die anhaltenden Schneefälle sorgen bereits jetzt für neue Schneerekorde. In Südtirol wurde aufgrund der zahlreichen Schneefälle sogar die höchste Lawinenwarnstufe ausgerufen. 

von Lisi Lang

So viel Schnee haben wir in Südtirol schon lange nicht mehr gesehen. Bis in die Täler hat es im heurigen Winter schon mehrmals geschneit – in Bozen hat es bereits sieben Mal geschneit, in Meran sechs Mal. Die Schneerekorde purzeln. „Im Obervinschgau zwischen Rojen und Langtaufers liegt mittlerweile so viel Schnee, wie noch nie seit Messbeginn im Jahre 1981“, betont Landesmeteorologe Dieter Peterlin.

Vor allem im Norden des Landes sind die Schneemengen rekordverdächtig. Der Landesmeteorologe nennt konkrete Zahlen: In Melag in Langtaufers fielen in der Nacht auf Montag über 50 cm Neuschnee. Bisher lag der Rekord in Melag bei 160 Zentimetern, mittlerweile wurde aber die 165 Zentimeter-Marke überschritten. „Und es schneit weiter“, so Dieter Peterlin am Montag. Die insgesamt Niederschlagsmenge sei zwar derzeit noch nicht rekordverdächtig, liege aber bereits deutlich über dem Durchschnitt.

Während die letzten Winter recht trocken und schneearm waren, fällt heuer jede Menge Schnee. „Ich würde die Niederschläge nicht unbedingt mit der Klimaerwärmung in Zusammenhang bringen, da eine Prognose diesbezüglich sehr schwierig ist“, erklärt Dieter Peterlin. Man könne zwar sehen, dass die Winter tendentiell trockener werden, aber genauere Prognosen seien derzeit noch nicht möglich. „Man kann aber deutlich sehen, dass die Winter wärmer werden – das gilt als ziemlich sicher“, erläutert der Meteorologe. Ausnahmen bestätigen aber die Regel: Während der aktuelle Jänner temperaturmäßig eher zu mild ist, war der Dezember überdurchschnittlich kalt.

Lawinenlagebericht für Dienstagfrüh: Im Nordwesten des Landes herrscht Lawinenwarnstufe 5

Aufgrund der starken und anhaltenden Schneefälle, die auch zu zahlreichen Straßensperren in Südtirol geführt haben, wurde am Montagabend die höchste Lawinenwarnstufe 5 ausgerufen. „Es sind zahlreiche große Lawinen aus Windschattenhängen zu erwarten, die vom NW-Wind eingeblasen werden. Aufgrund der großen Schneemengen und dessen Eigenschaften können viele Lawinen als Staublawinen abgehen und den Talboden erreichen. Im Tagesverlauf geht die spontane Lawinenaktivität zurück, damit sinkt auch die Lawinengefahr“, so der Lawinenlagebericht. Gleichzeitig gilt für diese Gebiete der Zivilschutzstatus „Bravo“ (Voralarm). „Große Lawinen könnten in diesem Gebiet auch Infrastrukturen oder Häuser beschädigen“, erklärt Günther Geier vom Landeswetterdienst. „Die lokalen Lawinenkommissionen werden die einzelnen Situationen genauer bewerten und dann in Absprache mit dem Bürgermeister Entscheidungen treffen“, ergänzt der Meteorologe.

Auch in Teilen Nordtirols und der Schweiz wurde die Lawinenwarnstufe gestern angehoben. Für Südtirol ist eine Warnstufe 5 aber eher selten. „Es wird eigentlich nicht einmal jährlich eine Warnstufe 5 ausgerufen, da wir oft keine schneereichen Winter haben – im Durchschnitt haben wir alle zeh Jahren einen schneereichen Winter“, erklärt Günther Geier.

Konkret bedeutet die Lawinenwarnstufe 5, dass auch spontane Lawinen abgehen können. „Aufgrund der großen Schneemengen, der Schneestruktur und des aufkommenden Windes, können sich Lawinen auch von alleine lösen, also ohne dass sie künstlich ausgelöst werden“, erklärt der Experte. Bei Lawinenwarnstufe 4 und vor allem bei Stufe 5 habe kein Skifahrer oder Tourengeher etwas außerhalb der Pisten zu suchen, betont der Experte, dies sei einfach nur extrem gefährlich. „Stufe 3 ist jene Warnstufe, bei der die meisten Unfälle passieren, weil dort die Gefahr versteckt ist und Lawinen meist von Skifahrern ausgelöst werden“, erläutert Günther Geier.

Während es in der Nacht auf heute vielerorts noch geschneit hat, soll ab heute in ganz Südtirol wieder die Sonne zum Vorschein kommen. Die hohen Lawinenwarnstufen dürften aber auch in den nächsten Tagen noch aufrecht bleiben. Erst wenn sich die Lawinenlage wieder entspannt, können die Experten die Gefahrenstufe zurückstufen.

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