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Schnelles Geld

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Sein Urlaub nahm ein jähes Ende: Gestern wurde der 38-jährige M.T. aus Rom in seinem Hotel min Sexten verhaftet. Er war der Kopf einer kriminellen Vereinigung mit hunderten Beteiligten, die ein unglaubliches System der Geldwäsche aufgebaut hatte.

von Silke Hinterwaldner

Der schöne Winterurlaub in Sexten ging für M.T. jäh zu Ende. Am Donnerstag in den Morgenstunden holten Beamte der Finanzwache Bruneck den 38-Jährigen aus Rom direkt in seinem Hotel in Sexten ab und brachten ihn in das Gefängnis in der Dantestraße nach Bozen. Ein wenig erbaulicher Ortswechsel.

M.T. ist einer von insgesamt vier Männern, die gestern in Handschellen abgeführt wurden. Dazu kommen noch zahllose weitere Personen in ganz Italien, die wegen Steuerbetrug, Geldwäsche und Konkursdelikten angeklagt sind. Sie alle gehören zu einer kriminellen Vereinigung, die in den vergangenen Jahren mehr als 78 Millionen Euro an falschen Rechnungen ausgestellt hat und ungefähr 55 Millionen Euro gewaschen hat.

Wie das geht?

In den vergangenen Jahren haben die führenden Köpfe dieser kriminellen Vereinigung ein gefinkeltes System aufgebaut, das vor allem der Geldwäsche dienen sollte. Sie haben Scheinfirmen gegründet, die auf den schönen Namen „Holzköpfe“ (teste di legno) lauteten und eine monatliche Entschädigung von 1.000 Euro einstreichen konnten. Dazu kamen die Kunden, die Scheinrechnungen dieser Firmen über eine Gutschrift bei der Bank bezahlten, anschließend wurde das Geld an die so genannten Ausgeher verteilt. Sie hatten die Aufgabe, das Geld jeden Morgen bei der Bank abzuheben. Dieses Geld wurde in Briefumschläge gesteckt und wieder an hunderte von Klienten der Organisation verteilt.

Ein anschauliches Beispiel dieser bis ins kleinste Detail geplanten Gelwäsche ist eine ganze Familie, die sich gewissermaßen hauptberuflich damit beschäftigte, die Gelder von den Banken abzuholen. Mutter, Vater, Sohn und dessen Freundin haben für diese „Arbeit“ einen Prozent des abgehobenen Geldes behalten dürfen.

In einigen Fällen hat sich die kriminelle Vereinigung auch bei Unternehmen bedient, denen der Konkurs drohte. Dort wurden Gelder abgezogen, sodass die Gläubiger der betroffenen Unternehmen am Ende das Nachsehen hatten.

Die Sonderabteilung für Währungspolizei der Finanzpolizei von Rom hatte das bunte Treiben in den vergangenen Wochen und Monaten minuziös beobachtet: Es wurden Treffen gefilmt und hunderte von Nachrichten auf den sozialen Netzwerken durchsucht. Die umfassende Operation der Finanzpolizei lief unter dem Namen „Easy Money“.

 

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