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„Die Schäden wären bleibend“

 

Trotz der Ängste der Bevölkerung in Rabland werden die geologischen Probebohrungen für die oberirdische Trasse fortgesetzt. Die Bürgerinitiative warnt vor der Realisierung der oberirdischen Trasse.

von Artur Oberhofer

Die Bürgerinitiative Rabland schlägt Alarm:

„Trotz der Ängste der Rablander vor einer zum Großteil oberirdischen Umfahrung werden derzeit geologische Bohrungen vorgenommen.“

Die Bohrungen sollten zeigen, ob diese Variante machbar ist. Oder, so die Bürgerinitiative Rabland polemisch, „ob das Versprechen der Gemeinde, den vorgesehenen Tunnels zu verlängern, im Grundwasser endet, so wie von uns befürchtet“.

Bis Weihnachten waren die Bohrmaschinen in den zwischen Ortskern und Etsch gelegenen Obstwiesen im Einsatz, um Aufschluss über die Bodenbeschaffenheit zu geben. „Die Gemeinde hat immer behauptet, die Untertunnelung des Ortskerns sei nicht möglich, weil das Grundwasser dort zu hoch stehe“, so die Bürgerinitiative, „und nun will man uns weismachen, dass das Grundwasser näher an der Etsch kein Problem ist“.

Man sei jedenfalls froh, dass die geologischen Analysen von unabhängiger Stelle vorgenommen würden, und gespannt auf die Ergebnisse, die wohl erst im Frühjahr 2018 vorliegen werden, so die Bürgerinitiative in einer Aussendung.

Die Vorgeschichte:

Für die Umfahrung von Rabland liegen verschiedene Trassenvarianten auf dem Tisch, wobei es grundsätzlich zwischen einer Gesamtuntertunnelung des Dorfes und einer zum größten Teil oberirdischen Variante zu entscheiden gilt.

Während die Bürgerinitiative – und mit ihr fast 1000 Rablanderinnen und Rablander – die Tunnelvariante bevorzugen, hat sich die Gemeindeverwaltung – bis vor kurzem noch Tunnel-Befürworterin – für die oberirdische Trasse ausgesprochen.

„Diese wird nicht einmal den Grundanforderungen einer Umfahrung gerecht, weil sie das Dorf nicht umfährt, sondern den Durchzugsverkehr nur um 100 bis 150 Meter südlich des Ortskerns verlagert“, heißt es vonseiten der Bürgerinitiative. „Eine solche Trasse würde das Landschaftsbild für immer schwer beeinträchtigen, die Dorfentwicklung nachhaltig schädigen und den beiden wichtigsten Säulen unserer Wirtschaft, dem Tourismus und der Landwirtschaft, schwere Hypotheken aufbürden“, so die Bürgerinitiative, die betont: „Die Schäden für alle Wirtschaftstreibenden und Bürger von Rabland wären bleibend.“

Würde die von der Gemeindeverwaltung unterstützte Trasse verwirklicht, würden rund 16.000 Fahrzeuge täglich nur rund 150 Meter am Ortszentrum vorbei rollen.

„Welcher Gast will schon eine Transitstraße vor seinem Fenster, anstatt grüner, gepflegter, sich mit den Jahreszeiten ändernder Obstwiesen, wie er sie derzeit sieht?“, fragt die Bürgerinitiative, die betont: „Unser Tourismus lebt von einer intakten Landschaft.“ Neben dem Tourismus würde auch die Landwirtschaft leiden: nicht nur wegen des wertvollen Kulturgrundes im Ausmaß von vier Fußballfeldern, der für die oberirdische Umfahrung geopfert werden müsste, sondern auch wegen der Gefahr, dass der Straßenbau in diesem hydrologisch sensiblen Teilbereich die Tiefbrunnen versiegen lasse. Und diese seien für die Frostberegnung der Apfelwiesen wiederum lebensnotwenig.

„Wir sind jedenfalls froh, dass noch keine Entscheidung für eine der möglichen Trassen gefallen ist“, so die Vertreter der Bürgerinitiative, denen die zuständigen Vertreter der Landesregierung zugesichert haben, dass alle Möglichkeiten geprüft würden.

In einem Treffen zwischen Landesräten, Landestechnikern und renommierten Tunnelexperten sei jedenfalls klargeworden, dass die Machbarkeit einer Gesamtuntertunnelung von niemandem angezweifelt wird.

Bei dem Treffen war auch Markus Schwalt aus Zürich zugegeben, der neben BBT und Gotthardtunnel auch die Vorprojektphase der Gesamtuntertunnelung von Rabland bearbeitet hatte. „Er hatte schon im Sommer klar gemacht, dass die Gesamtuntertunnelung dank der heutigen Möglichkeiten in kürzester Bauzeit und mit geringeren Kosten als vom Land vermutet realisiert werden kann“, so die Bürgerinitiative.

Die politisch Verantwortlichen in Land und Gemeinde – so die Bürgerinitiative – hätten es deshalb in der Hand, welches Denkmal sie sich setzen: eines, auf das man langfristig stolz sein könne, oder eines, an dessen Folgen künftige Generationen zu leiden hätten. „Die Wahl ist eigentlich einfach: Wollen wir eine Ab- oder eine Aufwertung unseres Dorfes? Wollen wir eine kurzfristige oder eine nachhaltige Lösung? Wollen wir ein paar Interessenvertreter zufrieden stellen oder ein ganzes Dorf?“, so die Bürgerinitiative.

 

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