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Nikolaus im Müll  

Es gibt erneut einen krassen Fall von Lebensmittelverschwendung: Im Gadertal hat ein Supermarkt hunderte Schoko-Nikoläuse weggeworfen.

von Artur Oberhofer

Zuerst sorgten die Fotos eines mit belegten Broten vollgestopften Müllcontainers für Aufsehen.

Das war im November dieses Jahres. Die belegten Brote, die während der Agrialp-Messe in Bozen übriggeblieben waren, landeten kurzerhand im Müll.

Dann deckte die TAGESZEITUNG auf, dass ein Möltner Bauer auf dem Bozner Weihnachtsmarkt täglich unzählige (7 Euro teure) Schoko-Brezel und kiloweise Brot abholt, um es an seine Kühe zu verfüttern.

Dabei handelt es sich um Brot von Super-Qualität, so dass der Möltner Bauer sich immer wieder ein paar Brezel und Brote herausfischt, um sie selbst zum Frühstück zu essen. „Weil so gut und so weich“, wie der Bauer einräumt.

Nur: Er kann mit seiner Familie nicht täglich einen ganzen Anhänger voll Brot und Brezen aufessen.

Warum werden diese Lebensmittel, die alles andere als verdorben sind, nicht an Bedürftige abgegeben? Ist es bequemer, die Lebensmittel in dem Müll zu werfen, als sie sinnvoll zu verwerten?

In Italien landen jährlich bis zu 20 Tonnen Lebensmittel im Müll. Und aufgrund der Verschwendungsfälle, die sich in Südtirol häufen, stellt sich die Frage: Geht es uns zu gut?

Warum verschwenden wir so viel Essen?

Die Fälle bei der Agrialp und am Christkindlmarkt sind offenbar keine Einzelfälle.

Ein TAGESZEITUNG-Leser aus dem Gadertal hat einen weiteren krassen Fall von Lebensmittelverschwendung dokumentiert, und zwar bereits im September dieses Jahres.

Aufgerüttelt durch die Vorfälle am Rande der Agrialp und am Bozner Weihnachtsmarkt hat er der TAGESZEITUNG nun ein Video übermittelt, auf dem die fragwürdige Schoko-Nikolaus-Entsorgung dokumentiert ist.

Die Fakten: Am 29. September fiel dem Mann am frühen Morgen, gegen 05.30 Uhr, ein Müllcontainer, der vor dem Despar-Geschäft in Stern in Abtei abgestellt war, auf, weil er übervoll war.

Als er den Müllcontainer öffnete, staunte der Mann nicht schlecht: Im Container lagen mehrere hundert Schoko-Nikoläuse und zahllose Schoko-Eier.

Noch dazu Super-Ware.

Der Mann aus dem Gadertal hat nämlich die Probe aufs Exempel gemacht. „Ein paar Nikoläuse habe ich mit nach Hause genommen, sie haben super geschmeckt“, sagt der Mann.

 

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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Kommentare (27)

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  • watschi

    „wächst ja alles nach, jeden frühling aufs neue“, sagen die ganz schlauen

    • roadrunner

      F und STF stellen sich nicht auf, natürlich wird die SVP leichtes Spiel haben…

    • einereiner

      Stimmt Watschi, denn Schlaue denken ein paar Zentimeter weiter.
      Lebensmittelverschwendung ist kein großes Problem. Auch kein Kleines. Im Gegenteil, Lebensmittelverschwendung hat positive Aspekte!
      Die Lebensmittelpeise sind so tief, dass viele Bauern aufgeben (z. B. Milchpreise) und Flächen nicht mehr bewirtschaftet werden, siehe Ukraine und Russland.
      Wenn wir jetzt aber die Lebensmittelverschwendung auf Null fahren, die Anzahl der Bauern auf ein Minimum und die Flächennutzung auf ein Minimm, was passiert dann im ersten Misserntenjahr???
      Genau…explodierende Lebensmittelpreise und hungernde arme Leute!
      Das gilt es zu verhindern! Mit folgenden Massnahmen:
      1. Lebensmittel verschwenden
      2. Viele Lebensmittel zu Biosprit verarbeiten
      Wenn dann nämlich ein oder mehrere Jahre mit Missernten kommen, kann man die Lebensmittelverschwendung schnell stoppen und den Biosprit ebenso. Und alle haben wieder zu essen.
      Also: Lebensmittelverschwendung ist nichts schlechtes.

      Herr Oberhofer, was hätte denn der Hotellier laut GRÜFRIS-Denken machen sollen: einen Laster mieten, die Schokolade nach Livorno bringen, dort ein Schiff mieten und zusehen, wie die Schokolade vor Afrika in den Maschinenraum des Schiffes fließt?

      • watschi

        einereiner, du kannst hier nocht so viele wirtschaftsbinsenweisheiten aufstellen wie du willst. der anblick der weggeworfenen belegten brote, brezeln und schokoladenikoläuse undundund schmerzt einfach, wenn man bedenkt wie viele menschen, darunter zig tausende kinder , täglich an hunger sterben. oder wenn man sieht wie viele alte leute hier und anderswo im müll nach essbarem suchen, weil die pension hinten und vorne nicht reicht. es tut einfach weh, auch weil man selbst nicht gerade superverdiener ist und somit nicht imstande ist gross zu helfen

        • einereiner

          @watschi
          ja, da hast du vollkommen recht. Aber nochmal: was soll der Hotellier machen? Soll er sich um den Transport der Schokoladenikoläuse nach Afrika kümmern? Wenn das nicht mal die Hilfsvereinigungen schaffen?
          Bis die Schokolade in Afrika ist, ist sie schlecht.
          Die beste Idee ist die Verwertung in einer Biogasanlage. Oder hat jemand eine bessere Idee?

          • george

            Ganz einfach ‚einereiner‘. Nicht so viel unnütze Ware aanschaffen, die doch am Ladentisch liegen bleibt. Das ist die Lösung. Also, ganz einfach besser kalkulieren. Die meisten sind ja nicht erst seit weeigen Tagen Verkäufer oder Ladenbeteiber, als dass sie nicht einige Erfahrung hätten, wieviel sie verkaufen können.

          • sogeatsschungornet

            Olm no Hotellier?
            Kimp sel eigentlich von Teller oder von Hotell?

          • einereiner

            @george
            ganz einfach „george“: du machst die Kalkulation und du bist soooooo guuuuut, dass du immmer auf den Nikolaus genau die Anzahl triffst, die es braucht. Und es wird niiiiiieeeee etwas weggeschmissen werden.

      • sogeatsschungornet

        wow einereiner

        Du bisch jo gonz a schlauer!
        Hon gor net gwisst, dass iaz die Despar-Gscheftr a Zimmer vermietn…

      • george

        @einereiner
        Sie stänkern im Übermaß.
        Soviel über das erfahrbare Maß hinaus für die Kundschaft einzukaufen ist wirklich Oberflächlichkeit oder eventuell auch Unbedachtsamkeit in einer Branche, die es aufgrund der vergangenen „fetten“ Jahre gewohnt war, sich im Übermaß zu ergehen und kaum auf den sozialen Ausgleich zu schauen. In diesen letzten eher kriselnden Jahre hätten viele es lernen können, wie man mit Lebensmitteln und Esswaren umgeht. Also keine Entschuldigung für diese Herren/Damen und schon gar nicht Stänkereien gegenüber diejenigen, die darauf aufmerksam machen. Das hat nichts, aber schon gar nichts mit „GRÜFRIS“ Denken zu tun, angesicht der vielen Hungernden in der Welt. Die richtige und gerechte Verteilung der Grundlebensmittel ist so oder anders zu lernen, wenn wir wollen, dass alle halbwegs ordentlich auf dieser Erde leben können, egal ob „Grüner, Blauer, Roter, Edelweißer, Türkisfarbener oder auch Farbloser“. Politisch angehauchte Verteilung von Lebensmitteln gibt hoffentlich wohl nicht mehr.

  • franz

    “Warum werden diese Lebensmittel, die alles andere als verdorben sind, nicht an Bedürftige abgegeben? Ist es bequemer, die Lebensmittel in dem Müll zu werfen, als sie sinnvoll zu verwerten? “ [..]
    Das ist in derTat eine gute Frage.
    Die Vermutung liegt nahe, dass viele die angeblich vor Hungersnot flüchten und zu uns kommen , sich nicht mit für uns durchaus vorzügliche Köstlichkeiten nicht zufrieden geben und das auch mit Protesten zum Ausdruck bringen und sogar die italienische Fahne zerreißen und verbrennen. oder Ähnliches. http://www.ilgiornale.it/news/cronache/immigrati-stracciano-tricolore-protestare-contro-menu-1240596.html
    Die Gäste von Frau Stocker geben sich natürlich auch mit Speisen zufrieden die speziell für diese “armen Bedürftigen “ von der EU bezahlt wurden. Und so entledigt man diese Speisen einfach im Müll http://altoadige.gelocal.it/bolzano/cronaca/2016/02/01/news/bolzano-aiuti-umanitari-gettati-nel-bidone-1.12878793?ref=hfaabzec-10
    Wohl ersetzt mit 5 Gänge – Gericht vom Sternenkoch .
    Vielleicht wurden die Nikoläuse Opfer einer religiösen – Hass – Attacke . wie die Krippe am Walterplatz.

  • yannis

    …….Ein paar Nikoläuse mit nach Hause genommen………

    Da hat eventuell noch Glück gehabt das ihn dabei nicht der „richtige“ gesehen hat und sich keinen Anzeige wegen Diebstahl eingefangen hat.
    So was kam schon öfters vor wenn sich jemand am Müll der miserabel kalkulierenden Supermärkte vergriff !

    @ eineeiner
    teile zuweilen Deine Meinung, aber diesmal unter KEINEN Umständen !!

    • einereiner

      @yannis
      na ja, Meinung ?!
      Es ist keine Meinung sondern eine Theorie. Jeder ist eingeladen diese Theorie zu verbessern oder auch zu widerlegen. Aber bisher hat mir noch niemand bessere Argumente geliefert.

  • homoerektus

    Meiner Meinung ist es so: Der Wohlstand der Reichen hat immer mit dem Elend der Armen einen Zusammenhang. Aber die Macht haben die Reichen.

  • zufall

    Ein Rat an die Lebensmittelmärkte: Verkauft die Nikoläuse nach dem 6. Dezember zum halben Preis!! Da habt Ihr noch ein paar Einnahmen, der Kunde freut sich über die günstige gute Schokolade und die Mülltonnen bieten Platz für andere Abfälle. Wenn Ihr dazu nicht bereit seid müßt Ihr die weggeworfenen Schokolademänner besser verstecken!!!

  • pushtrabui

    …die Frage: „Gehts uns zu gut?“ – Zu gut gehts uns noch lange nicht, sonst hätten wir nicht so viele Jammerlappen die sich wegen etwas Schokoade und einigen Brezen und Broten aufregen. Das sind dieselben die hier Wasser sparen, weil sie meinen damit hätte man in Afrika plötzlich mehr zu trinken.

  • watschi

    verdammt noch mal, jeder supermarkt oder geschäft wird doch eine statistik aufstellen um zu sehen wie viel sich täglich an brezeln, brot usw. verkauft? da braucht man doch nur ein bisschen darüber zu bleiben und schon bleibt wenig bis gar nichts übrig. ist das sooooo schwer? ist mir auch schon passiert, dass ein geschäft einmal spät abneds keine Milch mehr hatte, wo ist das problem. bin ich halt in das nächste geschäft gegangen oder mal ohne Milch geblieben.

  • eselka

    20 Tonnen Lebensmittel pro Jahr??? Das ist sicher die tägliche Menge die weggeworfen werden….
    Ich würde behaupten das das sogar mehr ist als 20 Tonnen.

  • jennifer

    Nicht verkaufte Produkte müssen leider vernichtet werden. Es gibt sonst Verwerfungen im am Markt. Das war schon immer so und ist nichts Neues.
    Und Geschäfte versuchen sehr genau zu kalkulieren, schliesslich beiben sie auf den Kosten sitzen. Gelingt nicht immer. Manchmal ist zu viel da, manchmal zu wenig.
    An alle die gerne Überschüsse in andere Länder senden würden: gut gemeint – hat aber leider die Wirkung dass der dortige Markt kaputt gemacht wird. Hilft eigenlich niemanden ausser unseren Produzenten und Lieferanten. Ähnliches passiert schon seit Jahren mit z.B. billigem Getreide das hoch subventioniert aus Europa und USA in arme Länder geschickt wird. Das hilft eigenlich nur den heimischen Bauern und unseren Frächtern. Bauern in Entwicklungsländern habe keine Chance mit so niedrigen Preisen zu konkurieren, da der Preis weit unter den Produktionskosten liegt.

    • george

      Ach ‚jennifer‘, vergönn doch den anderen dort, wo sie an Dürrekatastrophen oder sonstigen negativen Ereignissen und Einbrüchen auch ein wenig von den „Überfluss-Ländern“, egal ob subventioniert oder nicht. Hier mit „Markt-Verwerfungen“ zu argumentieren, ist völlig scheinheilig, weil diese ohnehin von denen in den reiichen Ländern unabhängig davon ständig verursacht werden.

      • jennifer

        Ach „george“, scheinheilig bezeichne ich Menschen die inmitten des alljährlichen Weihnachtskonsumrausches sich über 60 wegeschmissene Nikolos und Brezen aufregen und man möge die doch bitte in arme Länder schicken weil sowas ginge wirklich nicht.
        Etwas mehr Weitblick würde manchen nicht Schaden.

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