Du befindest dich hier: Home » News » Tajanis Doppelpass

Tajanis Doppelpass

Der Präsident des EU-Parlaments Antonio Tajani sagt: Der Doppelpass trage nicht zur Entspannung bei.

Der Präsident des Europäischen Parlaments Antonio Tajani hat im italienischen Staatsfernsehen unfreiwillig seine Zustimmung zum in Aussicht gestellten Österreichischen Pass für Südtiroler gegeben. Unfreiwillig deshalb, weil er eigentlich dagegen ist. Aber in seiner Unwissenheit einen Vergleich hergestellt hat, der es in sich hat. Darauf weist der Südtiroler Schützenbund in einer Aussendung hin.

In einem Interview in der Nachrichtensendung TG3 des italienischen Staatsfernsehens RAI gab der smarte Römer am Sonntagabend seine Meinung zu den Vorhaben der Österreichischen Regierung zum Besten. Unter anderem ging er (ungefragt) auf die in Aussicht gestellte Österreichische Staatsbürgerschaft ein:

Ich glaube, es ist nichts anderes, als eine Handlung […], Italien zu sagen, geben wir die Staatsbürgerschaft und den Pass den „Italienern deutscher Muttersprache“, die im Alto Adige leben. Das ist sicher nicht eine Handlung, die zur Entspannung beiträgt. Es wäre so, als ob wir [Italien!] in Kroatien jenen den italienischen Pass geben würden, die dort italienischer Muttersprache sind.“

Haken an der Sache: Genau das tut Italien bereits seit langem. Und das offenbar ebenfalls ohne Wissen von Tajani.

Mit Gesetz vom 8. März 2006 Nr. 124 ermöglicht es Italien allen, die zwischen 1940 und 1947 im Gebiet von Istrien, Fiume und Dalmatien ansässig waren und ihre italienische Staatsbürgerschaft nach Abtretung des Gebietes an Jugoslawien verloren haben, die italienische Staatsbürgerschaft wieder zu erwerben. Dies gilt auch für deren Nachkommen sowie für jene, die durch den Vertrag von Osimo 1975 die italienische Staatsbürgerschaft verloren haben.

Es bleibt also anzunehmen, so Elmar Thaler, Landeskommandant des Südtiroler Schützenbundes, dass der Präsident des Europäischen Parlaments − nachdem er erfahren wird, dass die von den Koalitionsparteien angedachte Vorgehensweise in seinem Heimatland bereits seit längerem bewährte Praxis ist − dies auch Österreich zugestehen wird.

Antonio Tajani gehört mit Forza Italia jener Partei an, deren Exponenten bis vor einigen Jahren „Mussolini als den Staatsmann des Jahrhunderts“ gerühmt und die Enkelin des Duce, Alessandra Mussolini, in ihren Reihen aufgenommen haben, so der Schützenbund. Seit 11 Monaten ist Tajani Präsident des Europäischen Parlaments.

Bereits vor wenigen Wochen hatte er in Bezug auf Südtirol von sich reden gemacht. Er, den der wiedererwachte Silvio Berlusconi zum Kandidaten für die zukünftige Mitte-rechts-Regierung auserkoren hat, beeilte sich im Zuge der katalanischen Unabhängigkeitsbestrebungen Mariano Rajoy kompromisslos zu unterstützen und das Vorgehen der spanischen Sicherheitskräfte zu goutieren, so,der SSB.

Dabei seu dem Rechtsnationalisten nicht anderes eingefallen, als im italienischen Fernsehen die Repression mit den Worten zu verteidigen, „auch wir [Italien] haben die Polizei [in den 1960er Jahren] in den Alto Adige geschickt“.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
Clip to Evernote

Kommentare (22)

Lesen Sie die Nutzerbedingungen

  • einereiner

    Die Italiener in Südtirol können ja auch die österreichische oder deutsche Staatsbürgerschaft bekommen, indem sie das machen, was ihnen ihre Politiker empfehlen: für ein paar Jahre Auswandern. 120000 junge Italiener wandern pro Jahr aus.

  • yx

    Scheinbar haben viiiiele noch nicht verstanden, dass ein Doppelstaatsbürgerschaft nicht nur Vorteile bringt, sondern auch Verpflichtungen.

  • realist

    Diese Reaktion ist ganz normal u. wird nicht die letzte gewesen sein.
    Wie stark Österreich zu Südtirol steht, wird sich somit bald zeigen.
    Unsere Politiker (SVP u. Oppositionsparteien) tun gut daran,
    für Land u. Leute das beste herauszuholen.
    Denn unsere Leute sind wacher, wie manche Politiker glauben, auch dank Rentengeschichte, SEL usw.
    Wenn Sie das nicht tun, wird sich in Südtirols Parteienlandschaft entgültig die Spreu vom Weizen trennen u. es wird danach nichts mehr so sein wie`s war.
    Und zwar nicht nur politisch in Südtirol, sondern auch zwischen den beiden Staaten inkl. Europa-Politik.

  • goggile

    ich befuerchte mit der doppelstaatsbuergerschaft wird’s nicht mehr werden. zu viele Jahrzehnte haben sich suedtiroler verkauft und sich fuer Italien entschieden. man sieht das auch an einigen Kommentaren. ich lache mal, wenn in 50 oder mehr jahren im Landtag keinerlei deutsche Mehrheiten mehr sind und die Mehrzahl der alto atesini von aufgezwungenen Italiener und illegalen besteht.
    alto adige ist Italien. und basta. dank der verräterischen ehemaligen angeblich suedtirolern.

  • rambo

    Ich habe ein Recht auf den Pass und ich freue mich ihn dann zu haben. Uns Südtiroler versucht man zu zermürben, Italiener (faschisten) und sogar Südtiroler (Idioten) geben ihren Senf ab. Aber es wird euch nicht gelingen

  • drago

    Interessant wie sich die Gegner der Doppelstaatsbürgerschaft aufregen, inkl. Tageszeitung.
    Wenn’s nichts wird, ok. Gibt’s die Möglichkeit, kann sich jeder entscheiden, ob er sie will oder nicht. Inklusive eventueller Nachteile und Kosten.
    Das Argument, dass die Doppelstaatsbürgerschaft zur Spaltung unserer südtiroler Gesellschaft führen würde, ist ja wohl lächerlich. Die Einstellung zur Doppelstaatsbürgerschaft ist ja schon vorhanden, die (ideelle) Spaltung also schon da.
    Für die Italiener oder den italienischen Staat entstehen dadurch ja keine Nachteile; eventuelle Vorteile hätte nur der einzelne ohne Auswirkung auf den italienischen Staat oder andere Personen, unabhängig, ob diese nun deutscher oder italienischer oder ladinischer Sprache sind.
    Auch das Gerede über die Wehrpflicht ist vorgeschoben; der Wehrpflicht unterliegt nur, wer den Wohnsitz in Österreich hat (auch Österreicher, die im Ausland ansässig sind, unterliegen nicht der Wehrpflicht; erst wenn sie diesen wieder nach Österreich verlegen, greift die Wehrpflicht, aber auch nur falls das Alter noch passt). Unsere Studenten in Österreich, die einen Zweitwohnsitz dort haben, würden bei unserer Bauernschläue erst um die Doppelstaatsbürgerschaft ansuchen, sobald sie wieder in Italien sind. 🙂

  • jennifer

    Kann mir jemand die Vorteile einer doppelten Staatsbürgerschaft erklären? Ich kann grad keine finden.

    • wollpertinger

      Österreichs Staatspräsident Van der Bellen hat zwei Staatsbürgerschaften, der Papst gar drei. Ich glaube nicht, dass ihnen das irgendwelche Vorteile bringt, es spiegelt lediglich ihre Internationalität wieder. Aber manche Leute wollen sich ja lieber in ihrem Schneckenhaus verkriechen.

    • drago

      Die Vor- und Nachteile muss jeder für sich selbst suchen. Wer keine findet, wird die Doppelstaatsbürgerschaft nicht in Anspruch nehmen. Wer für sich selbst solche findet, wird abwägen und sich entscheiden. Für manchen werden es auch nur ideele Vorteile, ohne konkrete Auswirkungen, sein; aber das bleibt jedem selbst überlassen.
      Für mich unverständlich ist nur, dass jemand gegen die MÖGLICHKEIT der Doppelstaatsbürgerschaft ist. Das Gerede über die Vergrämung des italienischen Staates, die Gefahren für die Autonomie, für das friedliche Zusammenleben usw. sind ja wohl nur vorgeschoben. Ich hätte Probleme, wenn mir jemand die Doppelstaatsbürgerschaft aufzwingen möchte, die freie Wahl dagegen geht mir gut. Es gibt wahrscheinlich einige italienische Mitbürger, deren Vorfahren schon in Südtirol gelebt haben, als Südtirol noch zu Österreich gehört haben, und ich hoffe schon, dass auch diesen Personen die Möglichkeit zur Wahl gegeben wird. Ich möchte nicht, dass die reine Sprachgruppenzugehörigkeit ausschlaggebend ist.

    • franz

      In der Tat es gäbe Wichtigeres wie die Doppelstaatsbürgerschaft oder das “ius soli“.
      Wichtiger wäre die neuen Regeln der Regierung in Österreich zum Thema Immigration und Sicherheit und somit der Schutz für den Bürgerbzw. auf die ängste und Bedürfnisse der Bürger einzugehen.
      So gesehen sollten unsere Politiker Kompatscher – Achammer Stocker & PD/SVP und Grüne anfangen zu lernen, von Kurz und HC Strache & CO. vielleicht könnten sie ja einen Schnellkurs bei Strache und Kurz machen . Wollen die Grünen nicht das selbe Schicksal der Grünen in Österreich erleiden Ein Schnellkurs bei Kurz und HC Strache würde übrigens auch den SVP/PD Genossen nicht schaden
      https://www.focus.de/…/scharfer-anti-migrationskurs…

  • susi

    Jennifer, es gibt genug Südtiroler, die mit Italien nichts am Hut haben, die sich Österreich und deren Kutur, Traditionen und Sprache mehr verbunden fühlen, als der italienischen.
    Und auch gerne ihr Muttersprache verwenden, auch wenn man öffentlichen Diensten und Ämtern zu tun hat.

  • criticus

    Ob doppelte Staatsbürgerschaft oder nicht, soll jeder für sich entscheiden. Eines ist aber sicher, die italienischen Politiker verteidigen einen Staat dem die Jugend seit Jahren abhaut. Und dass gerade diese Politiker Hauptschuld an dieser Misere tragen, kommt denen gar nicht in den Sinn.

  • andreas69

    Da sieht man wieder einmal, welche Politiker nach Brüssel „geschickt“ werden! Die kennen sich nicht einmal in ihren Heimatländern aus, Alles was sie dort tun, ist den Anweisungen von ihren Parteikollegen zu folgen und deren Interessen durchzusetzen. Eine eigenständige Europäische Politik gibt es nur in sehr kleinen Bereichen, wo es um die Auszahlung von Beiträgen an die Landwirte und Fischer geht. Alles andere ist national geprägt. Ein Riesenapparat der eigentlich nutzlos ist weil er sich gegen die nationalstaatlichen Interessen nicht durchsetzen kann. Auf die Dauer kann es nur ein Vereinigtes Europa mit mehr Macht geben, oder die EU wird zusammenfallen wie ein Kartenhaus, Leere Schachteln zu finanzieren ist nicht gerade weise!

  • prof

    Ich Wette,daß in dieser Legislatur das Österreichische Parlamet dieses Abkommen nicht umsetzen wird.
    Eher Wette ich,(was ich schon getan habe ,bei 30 Euro Wetteinsatz bekomme ich 900 Euro zurück)daß Italien bei der nächsten Fußball WM in Russland dabei ist,wiel sie Nachnominiert werden.
    Spanien (eher nicht) und Nigeria sind momentan Ausschluß-Kandidaten.

  • zufall

    Was habt Ihr denn immer für utopische Wünsche. Die Sehnsucht nach der österreichischen Vergangenheit wird Sehnsucht bleiben. Schaut doch endlich nach vorne, denn Südtirol steht durch seine Autonomie doch sehr gut da. Da könnte mancher Staat neidisch sein auf unser Landl. Nicht, der der die österreichische Staatsbürgerschaft nicht will braucht sie ja nicht beantragen, das ist ja logisch. Aber der der sie unbedingt will kann sich ja nach Österreich absetzen. Damit mal Ruhe ist!

  • herrbergsteiger

    man möchte fast meinen, die Doppelstaasbürgerschaft wird jetzt Pflicht!
    Nein,
    NUR wer sie möchte, sollte auch die Möglichkeit bekommen. Das ist alles!
    Alle anderen können – so wie Reinhold Messner – auch weiterhin NUR stolz auf die ital. Staatsbürgerschaft sein!

    Also: Keine Pflicht, wie man meinen möchte, wenn man so die Lesermeinung in der Südtiroler Presse liest

  • andreas69

    Es gibt halt verschiedene innere Haltungen zum Thema Staatszugehörigkeit, die zu respektieren sind. Man sollte die Doppel- (oder Dreifach-) staatszugehörigkeit nicht verteufeln, warum eigentlich? Es könnte die ideale Lösung sein um die radikalen Stimmen in Südtirol zu entschärfen und so die Autonomie auf noch breitere Beine zu stellen.

Kommentar abgeben

Du musst dich EINLOGGEN um einen Kommentar abzugeben.

2018 ® © Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH/Srl - Alle Rechte vorbehalten. Impressum | DATENSCHUTZ & AGB | Cookie Hinweis

Nach oben scrollen