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„Einfach nur unsportlich“

Quelle: Twitter/Eurosport

Der Snowboader Omar Visintin wurde nach einem Cross-Rennen von einem Konkurrenten umgestoßen und beschimpft. Was der Algunder zu diesem Vorfall sagt. 

Tageszeitung: Herr Visintin, nach dem Achtelfinallauf am Donnerstag wurden Sie von Jonathan Cheever (USA) im Zielraum hart angegangen und zu Boden gestoßen. Was genau ist da passiert?

Omar Visintin: Dieser Amerikaner (Jonathan Cheever, Anm. d. R.) war nach dem Rennen ziemlich sauer, weil ich ihn zuvor auf der Piste rausgeworfen habe. In einer Kurve habe ich ihn geschnitten und danach ist er gestürzt. In der Videoanalyse sieht man zwar nicht klar, ob ich ihn berührt habe, aber so etwas kann in unserem Sport passieren: In einer Kurve kann es schon mal eng werden – ich habe ihn aber sicher nicht mit Absicht abgedrängt.

Ist es schon häufiger vorgekommen, dass im Zielraum nach einem Rennen gerangelt wird?

Nein, dass ein Sportler von einem anderen so überrumpelt und umgeworfen wird, habe ich noch nie gesehen. Das ist einfach unsportlich. Jonathan Cheever ist zwar dafür bekannt, dass er nach einem Rennen auch mal rummotzt und andere für seine Niederlagen verantwortlich macht – aber handgreiflich ist er noch nie geworden. So etwas habe ich einfach noch nie gesehen, dass jemand so durchdreht.

Im Video sieht man, dass Sie total überrascht waren, dass ihr Konkurrent so reagiert…

Natürlich. Mir war klar, dass es im nicht passen wird, dass er ausgeschieden ist, aber ich hätte mir diese Reaktion nie erwartet. Er ist mit Schwung zu mir hergefahren und hat mich einfach umgehauen – er war mehr als nur sirig. Ich habe versucht ruhig zu bleiben, weil in so einem Fall einfach die FIS durchgreifen muss.

Hat die FIS bereits reagiert? Unsportliches Verhalten sind derartige Reaktionen allemal…

Was ich bisher weiß, hat die FIS beschlossen, ihn für das nächste Rennen zu disqualifizieren. Ich hoffe auch, dass so ein Handeln Konsequenzen hat, da so etwas wirklich nicht zur Normalität werden darf. Am Abend hat sich aber auch der amerikanische Trainer offiziell bei uns entschuldigt. Wenn man keinen Kontakt mit anderen Sportlern haben will, dann muss man sich eine andere Disziplin suchen – man weiß, dass Stürze dazugehören und es ist mir auch schon oft so ergangen.

Im Zielhang hat Jonathan Cheever angedeutet, dass dies nicht der erste Vorfall zwischen Ihnen war…

Es geht nicht um uns zwei, sondern um uns Italiener und die Amerikaner. Wir Italiener haben einen etwas aggressiveren Fahrstil und gerade beim letzten Rennen sind alle Amerikaner gegen die Italiener ausgeschieden – ich glaube das hat sicher auch mitgespielt.

Sie persönlich konzentrieren sich jetzt wieder auf die nächsten Rennen und gehen Jonathan Cheever erst mal aus dem Weg?

Mich lässt dieser Vorfall eigentlich komplett kalt. Er hat sich unsportlich verhalten und macht eine schlechte Figur – ich habe mir nichts zu Schulden kommen lassen. Beste Kollegen werden wir sicher nicht mehr, aber ich werde ihm jetzt auch nicht aus dem Weg gehen. Er soll sich einfach wie alle anderen Sportler auch professionell verhalten und der Rest ist mir ziemlich egal.

Interview: Lisi Lang

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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