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Die Hager-Millionen

Heinz Peter Hager

Die Kanzlei von Heinz Peter Hager erhielt von Land und Co. in den letzten zehn Jahren 2,3 Millionen Euro an Zahlungen. Auch die Kanzleien von Siegfried Brugger, Christoph Perathoner und Karl Zeller können sich über öffentliche Aufträge nicht beklagen.

von Heinrich Schwarz

Paul Köllensperger sagt ohne Umschweife: „Wer der neue Chef im Land ist, ist wohl klar.“ Dabei verweist der Landtagsabgeordnete der 5-Sterne-Bewegung auf den renommierten Steuerberater Heinz Peter Hager.

Mittels Landtagsanfrage hat Köllensperger herausgefunden, dass die Kanzlei „Hager & Partners“ in den letzten zehn Jahren 2,3 Millionen Euro (ohne Mehrwertsteuer) an Zahlungen für Aufträge des Landes oder von direkt damit verbundenen Gesellschaften erhielt. Meistens erfolgten die Aufträge über Direktvergaben.

Doch der Reihe nach:

Bereits im Sommer machte sich Paul Köllensperger an die Arbeit, die öffentlichen Aufträge an die großen Kanzleien des Landes offenzulegen. Er begann mit der Rechtsanwaltssozietät von Gerhard Brandstätter. In der von Landeshauptmann Arno Kompatscher unterschriebenen Antwort auf die Anfrage sind Aufträge der Gesellschaften und Agenturen BLS, STA, Messe Bozen, Alperia, TIS und SMG aufgelistet – mit einem Gesamtbetrag von fast 300.000 Euro in den letzten zehn Jahren.

Paul Köllensperger

„Allerdings hatte der Landeshauptmann in der Auflistung mindestens 1,5 Millionen Euro für Brandstätter einfach so vergessen“, betont Paul Köllensperger. Dabei handelt es sich um die Aufträge rund um die Landesenergiegesellschaft SEL und deren Tochtergesellschaften, wie aus einer Landtagsanfrage der Freiheitlichen aus dem Jahr 2012 hervorgeht.

In der neuen Anfrage ließ sich Köllensperger die Aufträge der letzten zehn Jahre an gleich mehrere bekannte Kanzleien auflisten: neben Hager auch „Christoph Perathoner & Partner“, „Thurin, Vinatzer, Zeller & Partner“, „Frei, Tarfusser, Lutterotti“, „Prast, Crazzolara, Schweitzer“, Hartmann Reichhalter, „Holzeisen, Reich, Oberthaler, Putz“ sowie „Brugger & Partner“.

Die Kanzlei von Heinz Peter Hager ist mit 2,3 Millionen Euro allerdings die klare Nummer 1. Dabei entfällt die Hälfte allein auf die Südtiroler Transportstrukturen AG (STA). Jährlich erteilt die STA eine Reihe von Aufträgen an Hager & Partners. Berücksichtigt sind in der Auflistung allerdings auch die Entschädigungen für Hager als Präsident des Aufsichtsrates.

Wichtiger Ansprechpartner war die Bozner Steuerberaterkanzlei auch stets für TIS und SMG mit 318.800 bzw. 275.600 Euro. Und für die Beratungen rund um die Fusion von SEL und Etschwerke zu Alperia erhielten Hager und Co. 463.600 Euro. Weitere Honorare an Hager & Partners scheinen bei BLS, Südtirol Finance, EOS, IDM und Infranet auf (siehe Grafik).

Bei der Steuer- und Wirtschaftsberaterkanzlei „Prast, Crazzolara, Schweitzer“ verhält es sich ähnlich wie bei Brandstätter: Der Landeshauptmann hat nicht alle Aufträge auflisten lassen. So findet man in den Unterlagen lediglich 103.800 Euro bei Alperia, die vorwiegend für die Leistungen rund um den SEL-Edison-Deal im Vorjahr überwiesen wurden. Jedoch scheinen Crazzolara und Schweitzer in der alten Anfrage der Freiheitlichen ebenfalls als frühere SEL-Berater für mehrere Operationen auf – mit einer Gesamtsumme von 1,48 Millionen Euro.

Weitere Auffälligkeiten: Die Anwaltskanzlei Brugger & Partner (Siegfried und Jakob Baldur Brugger) erhielt in den letzten beiden Jahren insgesamt 165.000 Euro von der Provinz Bozen, davon 75.300 Euro für die Arbeiten am neuen Landesgesetz für Raum und Landschaft sowie 89.700 Euro für die rechtliche Beratung bei der Erweiterung des Bozner Krankenhauses.

Die Kanzlei von Christoph Perathoner – er ist bekannt als SVP-Bezirksobmann von Bozen Stadt/Land und Präsident der SAD – erhielt in den letzten Jahren Aufträge von der STA und der Brennerautobahn in Höhe von 30.800 bzw. 45.700 Euro.

Auch als Kanzleikollege von Siegfried Brugger in den Jahren zuvor scheint Perathoner mehrmals auf: Die Kanzlei des Duos erhielt ab 2007 insgesamt 10.500 Euro von der STA, 11.790 Euro von der Klimahaus-Agentur und 408 Euro von der Flughafengesellschaft ABD.

Für die Therme Meran AG ist die Kanzlei „Thurin, Vinatzer, Zeller & Partner“ um SVP-Senator Karl Zeller der Rechtsbeistand des Vertrauens. Zwischen 2007 und 2017 wurden Honorare in Höhe von insgesamt 80.700 Euro ausgestellt.

Bekannt ist aber auch: Zeller bekam stets zahlreiche Anwalts-Aufträge von Gemeinden (Meran). Dasselbe gilt für den SVP-Parlamentarier Manfred Schullian. „Über den Schullian hat bereits mein Landtagskollege Walter Blaas nachgefragt, doch die Gemeinden geben kaum Daten heraus“, sagt Paul Köllensperger, der es deshalb erst gar nicht versucht hat.

Rechtsanwalt Arthur Frei scheint bei der Provinz Bozen mit insgesamt 35.600 und bei der EOS mit 14.000 Euro auf.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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Kommentare (5)

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  • besserwisser

    köllensberger for president!

    • pingoballino1955

      Danke für die Informationen Herr Köllensberger,endlich deckt einer die vesrsteckten Zuwendungen an bestimmte Herrschaften auf,die teilweise behauptet haben,sie würden fast keine Aufträge vom Land erhalten,zB.Zeller.Ist dies TRANSPARENZ Herr Kompatscher????? Glaube wohl NICHT!

  • goggile

    was heits „die gemeinden geben kaum Daten heraus“… alle beamten, staatsanwàlte Polizeiorgane und andere muessen endlich von anderen ueberwachungsorganen ueberwacht werden, da wo keine kontrolle da ist der sich selbst als Gott sehen nicht weit. solange bei einem verkersunfall Daten aufgenommen wird nach lust und laune und der Staatsanwalt etwas behauptet und der richter total was anderes sehe ich mehr ein gluecksspiel als beschuldigter alswas eine Demokratie.

    wo sind die gerechtigkeiten den opfern gegenueber? STRASsenmord wir eingefuerht und der Bergsteiger mit den rätselhaften unter 1,5promille macht mit Expeditionen von sich reden als andernorts.

    es giebt zu viele Beispiele.
    leider.

  • rota

    Wie die Kandidaten vor den Wahlen mit ihren Ausbildungen und Akademischen Titel prahlten und was sie alles für Fähigkeiten hätten. Ebenso die Amtsdirektoren/innen und nun braucht es für jeden Furz außenstehende unabhängige Gut- und Schlechtachter.

    Arbeitslose an die Macht! Aber das geht nicht , den fehlt der Mut zur Unehrlichkeit.

  • george

    Ist das die sogenannte soziale Einstellung der politischen Verwalter? Die Armen möglichst knapp halten und die Reichen immer reicher machen.

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