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Misslungene Rettung

Er war Bergretter aus Leidenschaft: Jetzt aber wurde Fabian Ferrari als Leiter der Dienststelle in Innichen abberufen – weil er sich in den Toponomatikstreit rund um die Dreischusterhütte eingemischt hatte.

von Silke Hinterwaldner

Fabian Ferrari ist enttäuscht. „Es tut immer noch weh“, sagt er. Die Arbeit – ehrenamtlich – als Dienststellenleiter der Bergrettung in Innichen hat ihm immer Spaß gemacht, es gab zwar viel zu tun, es bereitete ihm aber auch viel Genugtuung. Eigentlich war Fabian Ferrari auch lange aus Überzeugung Mitglied beim Alpenverein, seit 1986 bis zu jenem Tag heuer im Frühjahr als die Landesleitung des AVS die Anweisung erteilte, die italienische Bezeichnung für die Dreischusterhütte im Innerfeldtal zu streichen.

Damit begann ein politischer Streit um die Toponomastik, der Fabian Ferrari sein Amt als Leiter der Bergrettung kosten sollte. Aber der Reihe nach: Die Dreischusterhütte hieß für die italienischen Gäste seit jeher „Rifugio Tre Scarperi“, aber im März ereilte den Pächter der Hütte ein Schreiben aus Bozen. Als Besitzer der Hütte wies der AVS Pächter Alfred Innerkofler an, die italienische Bezeichnung von Speisekarten und anderen Schriftstücken zu streichen. Die Übersetzung ins Italienische habe für den AVS keinerlei Berechtigung, teilte der AVS-Vorsitzende Georg Simeoni damals mit, und als Besitzer der Hütte wolle man auf die deutsche Bezeichnung pochen.

Das hat viele irritiert. Schließlich hatte sich die Bezeichnung „Tre Scarperi“ längst eingebürgert und auch der gleichnamige Berg trägt offiziell die italienische Bezeichnung „Punta dei Tre Scarperi“. Fabian Ferrari war damals Leiter der Bergrettung in Innichen und gleichzeitig Mitglied im Alpenverein. Weil er aber diese politische Entscheidung des Alpenvereins nicht mittragen wollte, kehrte er dem Verein den Rücken.

Dies sollte weitreichende Folgen haben, wie sich jetzt zeigt. Die Mitgliedschaft beim AVS ist verpflichtend für jeden Bergretter in Südtirol, so steht es in den Statuten festgeschrieben. Ernst Winkler, Landesleiter der Bergrettung, teilte deshalb seiner Außenstelle in Innichen im September mit, dass Fabian Ferrari ausgeschlossen werden müsse, insofern er nicht selbst zurücktreten wolle oder wieder Mitglied im AVS werde.

LESEN SIE MEHR DAZU IN DER WOCHENEND-AUSGABE DER TAGESZEITUNG.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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Kommentare (7)

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  • einereiner

    Reisende soll man nicht aufhalten.
    Bravo dem Alpenverein, der sich gegen die faschistischen Namen ausspricht!

  • watschi

    demokratie sollte eingehalten werden. aber, anderseits weiss man halt wie schwer sich die italiener mit deutschen namen tun. „dre i skuster utte“ ist wahrscheinlich alles , was da über die lippen kommt.

  • flixoflex

    Dem Alpenverein Südtirol sollte Fabian Ferrari keine Träne nachweinen. Wenn es um politische Interessen des AVS geht, dann spielen die Interessen einiger Mitglieder keine Rolle. Auch ich habe Jahrzehnte ehrenamtlich viel für den AVS getan und wurde dann von den engsten AVS-Kollegen hintergangen und maßlos enttäuscht. Deshalb bin ich seitdem überzeugtes AVS-Nichtmitglied und genieße unsere Berge und die Natur mehr denn je, auch ohne das verzichtbare AVS-Kärtchen. Lieber Fabian, bereue nicht die Dinge die du falsch gemacht hast, sondern die guten Taten, die du für die falschen Leute gemacht hast.

  • fidell_x

    Wenn das wirklich so stimmt wie hier dagestellt, dann finde ich es traurig dass sich der Alpenverein auf sowas einlässt. Ich kannte Personen, die mehrere Jahrzehnte versucht haben, die Politik aus dem AVS heraus zu halten und immer ein „Miteinander“ gesucht haben. Und wenn es dann noch Freiwillige trifft, die für ihre Überzeugung geopfert werden. Traurig, traurig!!

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