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„Möglichst wenig Biancofiore“

SVP-Senator Karl Zeller stellt klar: Die weitere Zusammenarbeit mit dem PD in Rom sei – trotz anderslautender Stimmen aus der Parteileitung – noch lange nicht vom Tisch.

Tageszeitung: Herr Senator, laut Medienberichten soll die SVP-Leitung am Montag die Blockfreiheit in Rom beschlossen haben. Was steht nun genau in dem Beschluss?

Karl Zeller: Wissen Sie, ich gehe schon seit drei Wochen nicht mehr zu den Parteisitzungen, weil ich dafür einfach keine Zeit habe. Im Unterschied zur weitläufigen Meinung fallen hier in Rom die gebratenen Tauben nicht so vom Himmel. Ich habe hier in Rom genug zu tun und will von dem, was in Bozen diskutiert wird, nichts wissen. Wenn Sie wissen wollen, was in dem Beschluss steht, müssen Sie jemand anderes fragen.

Sie sind immerhin Vizeobmann der SVP …

Ja, aber gleichzeitig bin ich auch Vorsitzender der Autonomiefraktion im Senat. Wir haben hier in Rom noch einige Monate vor uns, in denen es darum gehen muss, wichtige Erfolge für die Weiterentwicklung der Autonomie einzufahren. Wenn ich die Wahl habe zu entscheiden, was ich lieber mache: Hier in Rom im Interesse des Landes die Wasserkraft nach Südtirol heimzuholen, oder in Bozen an einer Parteisitzung teilzunehmen. Was glauben Sie: Wofür werde ich mich entscheiden?

Bei der Sitzung am Montag soll es aber um die grundlegende Frage gegangen sein, wie sich die SVP in den kommenden fünf Jahren in Rom zu positionieren hat …

Da ist nichts entschieden worden. Es ist ausschließlich darum gegangen, ob wir bei den Wahlen in einem regionalen Listenbündnis antreten oder nicht. Die SVP müsste blöd sein, wenn sie mit diesem Wahlgesetz nicht alles tut, um möglichst viele autonomiefreundliche Kräfte nach Rom zu bringen. Das haben wir auch schon so gehandhabt, als die SVP auf Staatsebene blockfrei aufgetreten ist. Für uns ist das aktuelle Wahlgesetz perfekt. Wir können in den Wahlkreisen Ost und West als eigenständige Kraft antreten, während wir uns im Wahlkreis Bozen-Unterland mit einem Partner zusammenschließen können. Dieses Privileg hat sonst keine andere Partei in Italien. Der PD kann nicht sagen: In der Emilia Romagna kandidiere ich alleine, in einer anderen Region koaliere ich mit Pisapia.

Die SVP hat sich also nicht für die Blockfreiheit entschieden?

Ich kann mit dem Begriff Blockfreiheit, um ehrlich zu sein, nicht viel anfangen. Wenn einige in der SVP unter „blockfrei“ verstehen sollten, dass wir in Rom mit unseren fünf oder sechs Abgeordneten alleine, also unabhängig von den Tausend anderen Parlamentariern, arbeiten können, dann wünsche ich denjenigen viel Glück. Wir haben nie ausgeschlossen, dass wir mit anderen Parteien in Rom reden. Ich verstehe mich zum Beispiel mit einigen Abgeordneten von Forza Italia und mit einigen Grillini sehr gut.

Matteo Renzi hat Ihnen vor einigen Wochen eine SMS geschickt, in der er Ihnen ein Gespräch über ein neues Abkommen mit dem PD angeboten hat. Ist dieses Abkommen nun vom Tisch?

Wir können uns überlegen, ob wir ein solches Abkommen machen wollen oder nicht. Ich glaube, dass wir in dieser Legislatur sehr viele gute Erfahrungen mit dem PD gemacht haben. Das zeigen auch die tagtäglichen Meldungen aus Rom. Mit Silvio Berlusconi würden wir Ähnliches wahrscheinlich nicht erreichen. Doch unser primäres Ziel muss es nun sein, möglichst viele autonomiefreundliche Kräfte aus Trentino-Südtirol nach Rom zu bringen. Denn das hieße für uns: Unabhängig welche Regierung nun kommt, kann man nicht so einfach über uns drüberfahren. Wir müssen schauen, dass möglichst wenig Biancofiore ins Parlament kommt. Denn sonst hätten wir zwar viel Weißblume, aber wenig Edelweiß.

Interview: Matthias Kofler

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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Kommentare (8)

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  • pingoballino1955

    Ach jetzt liebäugelt er mit Forza Italia und den Grillini,was ist plötzlich in Ihm gefahren,hat er verstanden,dass der PD bei den kommenden Wahlen ABSTÜRZEN wird???? Wie sagt man im Volksmund:Politik ist eine Hure!!!

  • ahaa

    Wir haben Huren gewàhlt ,pingoballio.Die Blasen und lecken dort wo fùr sie am meisten rausspringt.

  • meister

    @pingoballino1955

    Wo liebäugelt Herr ZELLER mit FI und M5S ? Er sagt nur “ Ich verstehe mich zum Beispiel mit einigen Abgeordneten von Forza Italia und mit einigen Grillini sehr gut“, nicht mehr und nicht weniger.

    Sicher mag Politik eine Hure sein, … aber lesen (und verstehen) können ist nunmal eine Gabe!

  • realist

    Ergebnisse zählen.
    Man kann überheblich u. unrealistisch sein , auch bleiben, aber auch unter Umständen langsam untergehen.
    Viele Veränderungen in Rom kommen u. gehen schleichend.
    Ohne auf der Hut zu sein, ist`s oft zu spät etwas ins positive für unser Land zu drehen.
    Jeder sollte sich darüber Gedanken machen, was gut war, aber vor allem wo u wie u. mit welchen Leuten das größte Potential in Rom für uns nutzbar gemacht werden kann.

  • prof

    @meister
    Sicher ist lesen und verstehen können eine Gabe.
    Kommentare zu schreiben gehöhrt auch dazu,aber was einige hier zu verschiedenen Artikeln schreiben ist schlichtweg SCHEISSE!!

  • sogeatsschungornet

    …Wasserkraft heimholen?
    …meint er das wirklich ernst?
    Da gibt es zwei Art. im Autonomiestatut: 9 und 13
    Zeller spricht wohl vom Art.13? Aber im Art. 9 steht immer noch drinnen, dass die großen Wasserableitungen zur Stromproduktion von der Provinzzuständigkeit ausgenommen sind.
    Wurde nun auch der Art.9 abgeändert? Ich glaube nicht…

  • sepp

    wos bringt den do Zeller schun hoam ba en isch gscheider wen er hoam geht
    du und Wasserkraft Sem werden noa sowieso lei die SVP ponzen bevorzugt
    konn man lei afn laimer denken

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