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„Garten voller Energien“

André Heller hat am Samstag seine Grundidee für die Gestaltung des Brixner Hofburggartens im Beisein von Bischof und Landeshauptmann vorgestellt.

Er sei sich seiner Verantwortung bewusst und wolle, sagte André Heller, den derzeit brachliegenden Hofburggarten behutsam gestalten: „Im Epizentrum einer Stadt braucht es Zeitlosigkeit und Qualität für die nächsten 200 Jahre“.

Ein Garten sei „voller Energien, die uns erhöhen“. Er wolle im Hofburggarten etwas herstellen,“das Menschen berührt“, Gäste sollen herkommen, „weil hier etwas ist, das es woanders nicht gibt“, er wolle einen „unvergesslichen Park“ schaffen, eine „Inszenierung von Wirkungen, die auf Tiefe abzielen“.

Dafür will André Heller ikonographische Kunstwerke verwenden: „30 bis 40 Kunstwerke, die staunen machen“, und Sträucher und hohe Bäume, die von Anfang an schon Schatten und Erfrischung spenden.

Hellers Entwurf ist generationenübergreifend und sieht einen Spielplatz vor „mit Trainingsgeräten für Kinder, damit sie, die deutlich weniger Muskelmasse haben als Kinder früherer Generationen, wieder in Form kommen“.

Auch an ein Kaffeehaus und Restaurant ist gedacht, an Literatur und Musik zwischen den beiden historischen Türmen, um mit der Neugestaltung „Schönheit, Heilung, Ermutigung“ zu vermitteln. Auch Wasser nimmt in dem Projekt eine bedeutende Rolle ein.

Der Südtirol-Bezug, unterstrich Heller, sei ihm wichtig: mit der Verwendung einheimischer Pflanzen, mit der Einbeziehung Südtiroler Künstlerinnen und Künstler in einer Ausstellung, mit künstlerisch gestalteten Fahnen. Der Zugang soll durch die Hofburg erfolgen, um damit die Wahrnehmung „dieses Juwels“, wie es Heller bezeichnete, zu erhöhen.

Auf der Hälfte der Gesamtfläche von rund 2,5 Hektar werden nach Hellers Plan Obstbäume stehen, die einen „Schutzmantel um das Neue“ bilden: „Wir nehmen den Obstgarten und geben ihm eine neue Bedeutung“, unter Einbeziehung der Schrift: Der Abstand zwischen den Bäumen soll nach dem Morse-Alphabet von oben gelesen einen Gedanken aus der Charta der Menschenrechte oder aus dem Sonnengesang des heiligen Franziskus wiedergeben.

„Wir vermitteln Tradition, um sie zu verbünden mit der Gegenwart“, unterstrich der Künstler. Und: „Ich will mit diesem Projekt Menschen verzaubern“, eine magnetische Anziehungskraft entwickeln, der „Aufbruch soll Hand in Hand mit dem erfolgen, was war, die Wurzeln nehmen wir mit und lassen sie hineinwachsen in das Morgen“. Wichtig sei ihm auch die Ruhe: Im neugestalteten Garten sollen sich gleichzeitig nur an die 300 Personen aufhalten. Bei der Gestaltung des Hofburggartens wolle er „nichts übernehmen, was es schon gibt“.

Diesem Projekt entnehme er, dass sich der Künstler mit dem Genius loci auseinandergesetzt hat, betonte Bischof Ivo Muser.

Besonders gefalle ihm die Öffnung für alle von etwas, was in der Vergangenheit nur Wenigen zur Verfügung stand: „Besitz ist uns anvertraut, und uns liegt daran, den Besitz zu demokratisieren“. Die Hofburg und der Hofburggarten seien „ein Juwel, das es gilt zu nützen“.

Am von Heller vorgestellten Projekt spreche ihn die Verbindung von Tradition und Neuem an, von Schöpfung und Kunst, das Konzept von Schönheit. Und: dass der Plan kein Event vorsehe, sondern „Nahrung für die Seele, Kontemplation und Spiritualität, Vernetzung und sich als Teil des Ganzen fühlen“.

Die Entwicklung des Hofburggartens, erklärte Landeshauptmann Arno Kompatscher, sei von Landesinteresse, es liege ihm daran, diesen Garten einer möglichst guten Lösung zuzuführen. Was ihn an Hellers Konzept anspreche, sei die Friedens- und Humanitätsbotschaft und das Mit-Hereinnehmen der Geschichte. Es gehe, fügte Kulturlandesrat Philipp Achammer, nicht um schneller, höher, weiter, sondern darum, wieder zum Wesentlichen zu finden. Auch ihn spreche, erklärte er, die geplante Offenheit an: dass es ein Garten aller werde.

Moderiert wurde die Pressekonferenz von Brixens Bürgermeister Peter Brunner. Die Gemeinde Brixen hat den Hofburggarten von der Diözese in Miete übernommen. Die Brixner Bürgerinnen und Bürger werden in das Konzept mit einbezogen, damit ein Weg begangen wird, der allen gut tut.

Der Pressekonferenz vorausgegangen war am Vormittag eine Gesprächsrunde mit 45 Beteiligten, an der neben Bischof und Landeshauptmann unter anderen Generalvikar Eugen Runggaldier und der Präsident der Hofburg Josef Matzneller, der Beauftragte für kirchliche Kunst und Kulturgüter Peter Schwienbacher und die Direktorin des Landesamtes für Bau- und Kunstdenkmäler Waltraud Kofler Engl sowie Vertreter der Stadtgärten, alle Brixner Gemeinderäte und in Brixen wohnhaften Landtagsabgeordneten sowie Kulturlandesrat Philipp Achammer teilgenommen hatten.

Die Reaktionen waren positiv und lobend. Es war dies das zweite Treffen von Fachleuten und Interessensvertretern mit dem Künstler André Heller; beim ersten vor fünf Monaten wurde dieser mit der Ausarbeitung eines Exposés beauftragt.

Der Hofburggarten in Brixen bildet zusammen mit der bischöflichen Residenz und dem Herrengarten ein kunsthistorisch einzigartiges Ensemble. Es ist der älteste nachweisbare, noch erhaltene Obstbaumgarten Europas, seine Errichtung geht auf das 13. Jahrhundert zurück: 1256 wird zum ersten Mal ein Pomarium südlich der Hofburg genannt; ab 1576 wird der Ziergarten oder Herrengarten mit Brunnen, Orangerie, Fischteich, Voliere und Sommerhaus angelegt. 1596 sind die Umfassungsmauer und die beiden Ecktürme des Baumgartens bezeugt, die um 1815 zum Chinesischen und Japanischen Turm umgestaltet wurden. Bis 1964 war die Hofburg Sitz der Fürstbischöfe.

André Heller, vor 70 Jahren in Wien geboren, ist Chansonnier, Aktionskünstler, Kulturmanager, Autor, Dichter, Schauspieler. Am Gardasee kaufte er einen Botanischen Garten, um ihn vor dem Verfall zu retten. Südlich von Marrakesch, im Schatten des Hohen Atlas, schuf er mit „Anima“ sein erstes ganz eigenes Garten-Projekt mit seinem gesammelten Wissen über die Inszenierung von Gartenräumen, Blickachsen, Licht und Schatten. „In all meinen Projekten“, unterstrich André Heller, „geht es darum, energetische Räume zu schaffen“.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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Kommentare (2)

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  • wollpertinger

    Die Gemeinde Brixen hat schon viele 100.000 Euro vollkommen unnütz in diesen Garten investiert. Der Schweizer Guru namens Steiner hat 80.000 Euro für Nichts bekommen bzw. dafür, dass er „a Ruah‘ gibt“, der Wettbewerb zur Gestaltung des Hofburggartens hat 120.000 Euro gekostet, aber das Siegerprojekt hat man sich nicht einmal angeschaut, Inzwischen wurden rund 150.000 Euro für die Miete dieses Gartens ausgegeben. Der Heller liefert gegen sehr gute Bezahlung sicher ein gutes (?) Projekt, doch fragt man sich wozu, und wer soll das zahlen? Wenn man im Hofburggarten, der seit dem 13. Jahrhundert ein“Baumgarten“ war, unsere alten Apfelsorten gesetzt hätte, dann hätte man nur einige wenige tausend Euro ausgegeben und eine internationale Attraktion geschaffen. Aber das war manchen Brixnern ja zu wenig, man will nicht nur international, sondern interplanetarisch Spitze sein. Und die dummen Brixner zahlen..

  • mannig

    Er hat alles geliefert, was man sich von einem Allroundkünstler erwarten kann:
    Kunstwerke, Sträucher, hohe Bäume, Spielplatz, Teehaus, Restaurant, Literatur, Musik, Wasser, Südtirol Bezug, Fahnen, Obstbäume, Randgruppen (Morse), Menschenrechte, Franziskus, Ruhe, Zugangsbeschränkung.
    ???

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