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Dagmars Dogma

Müssen Impfgegner und Impfbefürworter mehr diskutieren? Ärztin Dagmar Regele setzt auf wissenschaftlich fundierte Informationen für die Bevölkerung – und ärgert damit all jene, die weiter debattieren wollen.

von Silke Hinterwaldner

Dagmar Regele ist in diesen Tagen eine gefragte Frau.

Sie ist nicht nur Primarin des Dienstes für Hygiene und öffentliche Gesundheit am Krankenhaus Bruneck, sondern auch Leiterin des Departements für Gesundheitsvorsorge auf Landesebene und damit die erste Ansprechpartnerin, wenn es um das vieldiskutierte Thema Impfen geht.

So liegt es auf der Hand, dass Ärztin Regele immer wieder als Rednerin zu Veranstaltungen eingeladen wird, in denen das Impfen im Mittelpunkt steht. Aber sie fragt sich: Was ist der Sache dienlich und wo tragen Diskussionen mit Impfgegnern und Impfkritikern nur weiter zur allgemeinen Verwirrung bei?

„Uns ist korrekte Information ein großes Anliegen“, sagt sie, „wir wollen nicht, dass durch emotionale und falsche Informationen die Bevölkerung weiter verunsichert wird.“

Worum geht es:

In einer Gemeinde im Pustertal plante der Bildungsausschuss von langer Hand eine Podiumsdiskussion zum Thema Impfen.

Das Ziel sollte eine umfassende und ausgewogene Lehrstunde vor allem für Eltern werden. Zu diesem Zweck sollten nicht nur die Hausärzte der Gemeinde sowie die Leiterin des Departements für Gesundheitsvorsorge als Impfbefürworter geladen werden, sondern auch der erklärte Brunecker Impfgegner Bruno Mandolesi.

Aber an dieser Stelle sollte es schwierig werden.

Während die Mitglieder des Bildungsausschusses munter die Podiumsdiskussion für den 28. August planten, bereits Flyer entwarfen und die Räumlichkeiten vormerkten, entbrannte hinter den Kulissen ein Kampf darüber, wer bei dieser Veranstaltung reden darf und wer was sagen soll. Das Problem: Anfänglich waren Kurzvorträge und anschließend eine Diskussion mit dem Publikum angedacht.

Aber damit waren die Vertreter des Sanitätsbetriebes nicht einverstanden. Es sollten besser keine Publikumsfragen erlaubt werden. Dann wiederum wollte Dagmar Regele wieder ganz auf das Kommen verzichten oder umgekehrt sollte Impfgegner Mandolesi wieder ausgeladen werden.

Schlussendlich kam die Forderung aus dem Sanitätsbetrieb, die Themenblöcke klar zu definieren, um so zu vermeiden, dass die Diskussion aus dem Ruder laufe. Der Bildungsausschuss hat die geplante Veranstaltung irgendwann entnervt ersatzlos gestrichen.

Die Frage, die man sich dort jetzt stellt: Hätte der Sanitätsbetrieb nicht die verdammte Pflicht, sich der Diskussion zu stellen und auch die Kritiker zu Wort kommen zu lassen?

Wenn der Staat schon mit der Impfpflicht derart in die Freiheitsrechte des Einzelnen eingreift, sollten die Vertreter der staatlichen Institutionen doch zumindest Rede und Antwort stehen.

Dagmar Regele tut sich schwer mit derlei Forderungen.

Die Leiterin des Departements für Gesundheitsvorsorge verweist dann schnell auf die Aufklärungskampagne, die ab September geplant ist. Dann wird der Sanitätsbetrieb überörtlich in Info-Veranstaltungen über das Impfen aufklären. Freilich ohne Beteiligung der Impfgegner. Sie sagt: „Öffentliche Informationen müssen wissenschaftlich begründet sein. Das sollte übrigens auch die Aufgabe eines Bildungsausschusses sein.“ Und sie beklagt vor allem, dass sich Nicht-Sanitäts-Personal als Experten ausweisen und so die Bürger mit viel Fehlinformation füttern würden. Das heißt: Während Hausärzte, Kinderärzte und sie selbst als Primarin des Dienstes für Hygiene und öffentliche Gesundheit eine medizinische und wissenschaftliche Ausbildung hätten, sind Impfgegner oft Laien, denen diese Grundlagen fehlen. Aus Sicht der Fachfrau tragen Vorträge von Impfgegnern nur zur Panikmache bei und liefern nicht die Informationen, die Bürger brauchen.

„Aber“, fügt Dagmar Regele hinzu, „ich wäre durchaus für eine Diskussionsrunde bereit gewesen. Meine Forderungen waren, dass diese Veranstaltung gut moderiert sein müsste und dass die Themen vorgegeben sind. Aber das war wohl nicht gewollt.“

 

 

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