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„Der Ärger ist berechtigt“

Paul Köllensperger

Paul Köllensperger

Paul Köllensperger setzt bei den Landtagswahlen 2018 auf die Stimmen der Unzufriedenen: „Ich hoffe, dass die Wutbürger zu Mutbürgern werden und das SVP-System brechen.“

Tageszeitung: Herr Köllensperger, viele Bürger stellen sich die Frage: Was macht Paul 2018?

Paul Köllensperger: (lacht) Das ist eine schwere Frage, die ich Ihnen nicht in ein paar Sekunden beantworten kann. In meinen vier Jahren als Abgeordneter habe ich leider feststellen müssen, dass man hier im Landtag effektiv wenig bewegen kann. Deshalb habe ich lange damit gehadert, ob ich nach dieser Legislatur nicht besser wieder in die Privatwirtschaft zurückkehren sollte. Wenn ich aber mit den Leuten außerhalb des Landtags, in den Tälern und Gemeinden spreche, spüre ich gleichzeitig einen großen Rückhalt und die Wertschätzung meiner Arbeit.

Das heißt?

Schlussendlich habe ich mich dazu entschieden, auch nach 2018 weiterzumachen. Meine Hoffnung besteht darin, kompetente Mitstreiter zu finden und für den Landtag eine gute Mannschaft mit einem sinnvollen Programm aufzustellen. Die Zeit der One-Man-Show ist vorbei.

Warum unterstützen Sie die Protestkundgebung des Forums Politikerrenten und des Bundes der Steuerzahler, die am kommenden Donnerstag vor dem Landtag organisiert wird?

Wenn wir heute immer noch hier sind, um über die Gehälter und Leibrenten zu diskutieren, ist dies ein Armutszeugnis für die Politik. Es gäbe viel wichtigere Themen: Gesundheit, Schule, Soziales. Aber wer die lächerlichen Kürzungen der Leibrenten-Vorschüsse als Erfolg verkaufen will und beim eigenen Gehalt sich weigert, die gesetzlich vorgeschriebene Monti-Obergrenze einzuhalten, trotz des Risikos, dem Ansehen unserer Autonomie somit wiederum Schaden zuzufügen, der braucht sich nicht wundern, wenn die Bürger sich berechtigterweise ärgern und diese Wut auch ablassen. Ich hoffe, dass die Wutbürger dann bei den nächsten Wahlen zu Mutbürgern werden und die Arroganz und Hegemonie der SVPD endlich gebrochen werden kann.

Sehen Sie keinen Widerspruch darin, wenn Sie als intellektueller Politiker nun aus dem Wählerbecken der Wutbürger fischen wollen?

Darüber habe ich mir nie Gedanken gemacht. Es ist richtig, dass die Menschen vor den Landtag ziehen, um zu protestieren. Ich will mit dem Projekt aber nicht nur die Protestierenden, sondern alle Bürger des Landes ansprechen und dazu motivieren, mit uns auf die Reise zu gehen und mitzuarbeiten. Ich versuche, mit gesundem Hausverstand an die Sache heranzugehen und so zu sprechen, dass es alle verstehen. Die Politik soll für die Menschen im Land gemacht werden und nicht ständig für einige Wenige Privilegien schaffen. Wer Interesse hat, kann sich bei mir melden.

Interview: Matthias Kofler

LESEN SIE IN DER PRINT-AUSGABE: Wie Paul Köllensperger mit einer „Agenda 2030″ Südtirol fit für die Zukunft machen will.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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