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Verhinderte Heimkehrer

dorfmann-alfreiderPostenspiele in der SVP: Warum Daniel Alfreider nicht vom römischen Parlament in den Südtirol Landtag wechseln wird. Und: Warum Herbert Dorfmann in Brüssel bleibt.

von Artur Oberhofer

Gegenüber seinen engsten politischen Weggefährten hat Daniel Alfreider seine Entscheidung bereits deponiert. Er wolle im römischen Parlament bleiben, so der Gadertaler.

Zuletzt war in Südtirol darüber spekuliert worden, dass Daniel Alfreider 2018 für den Südtiroler Landtag kandidieren und Nachfolger von Florian Mussner als ladinischer Landesrat werden wolle.

Was stimmt: In seinem Gadertaler Heimatbezirk wird Daniel Alfreider seit Wochen bedrängt, von Rom nach Bozen zu wechseln.

Der Hintergrund: Wenn Daniel Alfreider in Rom bleiben sollte, würden wiederum die Grödner den ladinischen LH-Stellvertreter und Landesrat stellen. Die Rivalitäten zwischen den SVP-Ladinern und den SVP-Grödnern sind hinlänglich bekannt, die beiden Täler stehen sich in militanter Sturheit gegenüber.

Die Ladiner würden sich – falls Daniel Alfreider tatsächlich nach Bozen wechseln sollte – als Volksgruppe selbst ins Fleisch schneiden.

Ein Spitzenexponent der SVP erklärt im Hintergrundgespräch:

 

„Mit Daniel Alfreider haben die Ladiner zum ersten Mal sei 70 Jahren einen Parlamentarier, wenn Alfreider nach Bozen wechselt, wäre der Parlamentssitz für die Ladiner futsch, die Ladiner würden also einen wichtiges Amt verlieren. So eine Entscheidung wäre kurzsichtig.“

Hinzu kommt: Landeshauptmann Arno Kompatscher hat Daniel Alfreider gebeten, in Rom zu bleiben.

Nach dem Abgang von Karl Zeller kann es sich die SVP nur schwer leisten, auch auf Daniel Alfreider zu verzichten. Zeller war es, der Alfreider in den vergangenen Jahren auf dem glitschigen römischen Parkett eingeführt hat.

Inzwischen hat sich Daniel Alfreider in Rom ein gutes Netzwerk aufgebaut. Er hat sehr gute Kontakte zur Minister Luca Lotti, zu Ex-Ministerin Maria Elena Boschi, zu Graziano Delrio usw.

Ein Spitzenpolitiker der SVP sagt: „Es wäre höchst unvernünftig, wenn die SVP bzw. die Gadertaler Daniel Alfreider aus Rom abzögen, auch weil die nächste Legislaturperiode sicher keine einfache wird.“

Aus dem engsten Umfeld von Daniel Alfreider heißt es: „Er fühlt sich zwar geschmeichelt, dass er als künftiger ladinischer LH-Stellvertreter und Landesrat gehandelt wird, aber er hat seine Entscheidung bereits getroffen, er wird in Rom bleiben, er will seinen Heimatbezirk aber nicht vor den Kopf stoßen, daher wartet er mit einer öffentlichen Erklärung noch zu.“

So wie Daniel Alfreider in Rom bleiben wird, wird auch Herbert Dorfmann in Brüssel bleiben. Dem EU-Abgeordneten war zuletzt nachgesagt worden, er wolle Landwirtschafts-Landesrat werden. Dazu müsste Herbert Dorfmann allerdings im nächsten Jahr als EU-Parlamentarier zurücktreten. Das würde wiederum bedeuten, dass der Südtiroler EU-Sitz bis Juni 2019 – also bis in Europa gewählt wird – vakant bliebe. „Das“, so heißt es aus den Chefetagen der SVP, „wäre eine nicht sehr elegante Lösung, die die Menschen im Lande nicht nachvollziehen könnten.“

Immer wieder wird kolportiert, bestimmte SVP-Kreise, der Bauernbund und das Medienhaus Athesia möchten Herbert Dorfmann als Gegenkandidaten zu LH Arno Kompatscher lancieren, der vor wenigen Tagen seine Wiederkandidatur angekündigt hat.

Doch Herbert Dorfmann hat keine diesbezüglichen Ambitionen. Der EU-Abgeordnete ist zu clever, um sich auf ein politisches Abenteuer mit ungewissem Ausgang einzulassen. Er weiß: Wenn er LH werden möchte, dann kann er dies vermutlich in sechs Jahren, wenn Arno Kompatscher abtritt, kampflos werden. Herbert Dorfmann hat außerdem ein Gespür für das politische Klima. Dorfmann weiß: Arno Kompatscher ist als LH noch viel zu frisch, als dass er gegen ihn eine reelle Chance hätte. „Mit einer Kampfkandidatur gegen Kompatscher würde er sich nur beschädigen“, sagt ein hochrangiger SVP-Politiker. Dorfmann wisse, dass nie der König werde, der den König killt.

Gegenüber der TAGESZEITUNG sagt Herbert Dorfmann:

„Ich bin sehr überrascht über diese Spekulationen, die sich da jemand aus den Fingern gesogen hat. Dieses Gerücht entbehrt jeglicher Grundlage, wir haben im Eisacktal nie über die Kandidaturen bei den Landtagswahlen gesprochen. Außerdem habe ich einen Wählerauftrag in Brüssel von über 100.000 WählerInnen. Ich gehe also davon aus, dass ich bei den Landtagswahlen 2018 nicht kandidieren werde.“

 

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