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Die Pienzenau-Pläne

fotomontage_01Viel ist in den vergangenen Tagen über das Hotelprojekt der Familie Schölzhorn bei Schloss Pienzenau geschrieben worden. Nun meldet sich der Bauwerber selbst zu Wort – und stellt einiges richtig.

von Karin Gamper

Rainer Schölzhorn kann einen gewissen Ärger nicht verbergen. „Es wundert mich schon sehr“, sagt der Meraner Schlossbesitzer und Buchhändler irritiert, „dass hier ein acht Jahre altes Projekt als neu verkauft und mit falschen Angaben an die Öffentlichkeit gebracht wurde“.

Seit Tagen echauffiert sich Merans Hotellerie über das Resort, welches die Familie Schölzhorn bei Schloss Pienzenau in Obermais verwirklichen möchte. Die Dimensionen, die vom HGV in Umlauf gebracht wurden, sind in der Tat beeindruckend: 80 Zimmer mit über 200 Betten seien geplant, die verbaute Kubatur sei mit 35.000 m³ größer als jene des Palace-Hotels, der Sissi-Weg müsste künftig gesperrt werden. Die veröffentlichten Fotos suggerieren zudem die Verbauung des ensemblegeschützten Parks vor dem Schloss.

„Das alles stimmt nicht“, stellt Rainer Schölzhorn jetzt klar. Der ehemalige Kurpräsident vermutet eine gezielte Störaktion hinter der Kampagne. Er legt seine Sicht der Dinge dar, die auch in den Projektunterlagen dokumentiert ist.

Demnach hat die Familie Schölzhorn bereits im Mai 2008 einen ersten Anlauf zur Verwirklichung einer Hotelanlage in Pienzenau unternommen. Sie hinterlegte im Rathaus einen Antrag zur Umwidmung von landwirtschaftlichem Grün in Tourismuszone.

Dazu muss man wissen: Schloss Pienzenau steht unter Denkmalschutz, das Nebengebäude und der Park unter Ensembleschutz. „Unser Hotelprojekt betrifft keine einzige dieser Schutzzonen“, unterstreicht Rainer Schölzhorn nun, „die Anlage würde im darunterliegenden Grundstück in Hanglage realisiert, das heute großteils Obstwiese und zu einem geringen Teil privates Grün ist.“ Der Abstand zwischen Hotel und Schloss betrage über 80 Meter.

Zurück zum Antrag: Dieser wurde 2008 von der damaligen Gemeindeverwaltung positiv begutachtet. „Es wurde die Ausarbeitung eines Vorprojektes gewünscht“, so Rainer Schölzhorn. Obwohl nicht ausdrücklich vom Gesetz vorgeschrieben, habe die Gemeinde dann aber plötzlich beschlossen, das Ansuchen samt Projekt erst nach der Genehmigung des Tourismusplans zu begutachten. Als dieser endlich vorlag, hat Schölzhorn das Gesuch erneuert. Im Februar 2014 sei dann von der Gemeinde ein detaillierteres Vorprojekt gewünscht und ausgearbeitet worden.
Dann war Funkstille. „Wir haben nichts mehr aus dem Rathaus gehört und es verwundert mich deshalb jetzt schon sehr, dass nach bald neun Jahren nun die grundsätzliche Eignung des Grundstücks für eine Tourismuszone in Frage gestellt wird“, so Schölzhorn. Er betont, dass das Projekt in Wirklichkeit sehr viel kleiner ausfällt als bisher in der Öffentlichkeit dargestellt wurde.

Doch wer würde das Hotel bauen und führen? Wird die Familie Schölzhorn an eine Hotelkette verkaufen, wie allenthalben angenommen wird? „Ich bin Buchhändler und mein Sohn auch, wir verstehen also beide nichts von Hotellerie und werden daher einen Partner ins Boot holen“, sagt Schölzhorn offen, „aber es wird sicher keine Kette sein, auch weil diese an Hotels unter einer gewissen Größenordnung gar kein Interesse haben“.

Dass es das Hotel braucht, steht für Rainer Schölzhorn außer Frage: „Schloss Pienzenau verfügt derzeit über fünf Zimmer, die für das Tagungszentrum nicht ausreichen. Wir brauchen eine flankierende Bettenstruktur, um rentabel arbeiten zu können. Ohne dieses Hotel können wir das Schloss in seiner heutigen Form nicht halten, es wäre dem Verfall preisgegeben. Allein die Erhaltung des Parks kostet 20.000 Euro jährlich, die wir privat stemmen müssen“.

Insgesamt versteht Rainer Schölzhorn die Aufregung nicht. Meran, so ist der frühere Kurpräsident überzeugt, vertrage die neue Hotelanlage locker.

„Der Tourismusplan für die Kurstadt aus dem Jahr 2013 sieht die Errichtung von 600 Hotelbetten bis 2017 und weiteren 600 Hotelbetten bis 2022 vor, davon jeweils die Hälfte in neuen Zonen“, rechnet er vor. Beim Projekt Pienzenau wären das nicht einmal zehn Prozent des Kontingents. Schölzhorn: „Mit diesen 1200 Betten würde weniger als die Hälfte der in Meran seit 1990 verloren gegangenen Betten wiederhergestellt“.

DIE DETAILS ZUM HOTELPROJEKT LESEN SIE AM FREITAG IN DER PRINT-AUSGABE.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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