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Die beschlagnahmten Bilder

eier wachtlerImmer wieder beschlagnahmen Behörden Kunstschätze aus dem privaten Museum Dolomythos in Innichen. Jetzt haben sie auch Michael Wachtlers selbstgemalte Aquarelle mitgenommen.

von Silke Hinterwaldner

Den Humor lässt sich Michael Wachtler nicht so schnell beschlagnahmen. „Bald“, sagt der Inhaber des Museums Dolomythos in der Fußgängerzone von Innichen, „wüsste ich kein einziges Objekt mehr – außer meiner Frau – das nicht konfisziert worden wäre.“

Der Grund für diesen Sager ist einfach: Im Dezember haben die Carabinieri von Udine dem Museums-Besitzer Wachtler einen Besuch abgestattet. Dabei haben sie sämtliche Objekte aus dem neuen Trakt des Museums mitgenommen – und seine selbst gemalten Aquarelle.

Darüber ist Michael Wachtler mehr als erstaunt.

„Ich glaube“, sagt er, „die Herren stellen sich immer mehr die Frage: Wenn für den Wachtler etwas wichtig ist, dann muss es Kunst sein.“ Dabei ist Michael Wachtler eher ein Hobbymaler, für den diese Kunst etwas Meditatives darstellt. Seine Bilder dekoriert er gern mit Steinen – Allerweltssteinen, wohlgemerkt.

Man sei überrascht, hieß es vor der Beschlagnahme, welch große Kunstschätze das private Museum in Innichen beherberge. Aber umgekehrt stellt sich auch die Frage: Was sonst sollte in einem Museum ausgestellt werden?

Insgesamt wurden dieses Mal 58 Objekte beschlagnahmt. Schön dabei: Michael Wachtler wurde gleich nach der Beschlagnahme als Kustos für seine Schätze eingesetzt.

Dieser vorerst letzte Akt ist nur eine Episode aus einem mittlerweile seit Jahren andauernden Streit, der vor allem zwischen den Verantwortlichen im Naturmuseum Bozen und dem privaten Forscher in Innichen schwelt.

Vor zwei Tagen hat Michael Wachtler sich in einem Brief an Kulturlandesrat Philipp Achammer und an den Kulturbeirat gewandt. Die Frage, die ihn am allermeisten umtreibt lautet: Inwiefern genießen Künstler heute überhaupt noch das Recht auf ein Minimum an Freiheit?

Im Brief heißt es:

„Im Jahr 1997 wurde Dolomythos gegründet, um die Schönheiten und Schätze der Dolomiten den Menschen näher zu bringen. Der Standort am Fuße der Drei Zinnen und in bester Lage in der Fußgängerzone Innichen bewirkte, dass das Museum rasch zu einer nicht mehr weg zu denkenden Einrichtung wurde. Doch je mehr Dolomythos wuchs und wichtiger wurde, desto schwieriger wurde dessen politische Lage.“

In den vergangenen zehn Jahren hätten die Behörden tausende von Objekten abtransportiert. Michael Wachtler selbst sei es nicht erlaubt zu forschen, zu sammeln oder das Museum zu vergrößern. Er schreibt: „Schon seit Jahren verzichtet das Museum auf die Förderungen des Landes und zeigt auf, dass hochwertige Kultur auch ohne das Gängelband eines Landes erfolgreich sein kann.“

Aber den Kampf gegen die Zentralisierung habe er verloren. Immer mehr würden die Kunstschätze des Landes in den urbanen Zentren zusammengesucht, der Peripherie blieben höchstens die Brosamen. Wachtler spricht in diesem Zusammenhang sogar von einer „Apartheidpolitik“.

Um das mit einem schönen Beispiel zu untermauern, blickt Michael Wachtler in das Schnalstal.

Während dort der Tourismus sich über jeden einzelnen Gast freuen muss, profitiert Bozen heute vom Ötzimuseum. „Aber nur, weil man alles raubte“, sagt Wachtler.

Der Ötzi gehöre schließlich vor allem dem Schnalstal.

DER HINTERGRUND

In den vergangen Jahren hat Fossiliensammler, Autor und Museumsmacher Michael Wachtler sich einige Schlachten geliefert. Sein Ziel war es stets, die Schätze, die er selbst zusammenklaubte, in seinem Museum Dolomythos in Innichen auch ausstellen zu dürfen.

Diese Freude wurde ihm von den Behörden immer wieder vergällt. Ein Rechtsstreit um Ausstellungsstücke, die Wachtler nicht an die offiziellen Stellen weiterreichen wollte, endete für ihn mit einer zehnmonatigen Haftstrafe auf Bewährung und einer Schadenersatzforderung über 200.000 Euro.

Mehrmals sind die Ordnungshüter angerückt, um Objekte zu beschlagnahmen. Mittlerweile, so hat Wachtler errechnet, sind es an die 1.000.

 

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