Du befindest dich hier: Home » Gesellschaft » Stunk im Kindergarten

Stunk im Kindergarten

_c_-RioPatuca-Images---Fotolia.com-kindergarten-sym-rutscheWerden deutsche Kindergartenkinder und Eltern in Brixen diskriminiert? Ein Vater hat einen Protestbrief verfasst. Er prangert die unterschiedlichen Betreuungszeiten und Kosten der deutschen und italienischen Kindergärten an.

von Erna Egger

Der Mann aus Brixen machte in einem offenen Brief an den Landeshauptmann und einige Landtagsfraktionen seinem Ärger Luft: „Ich selbst bin Vater eines Kindes, welches den deutschen Kindergarten in Brixen besucht und habe große Unterschiede zwischen dem deutschen und italienischen Kindergarten in Brixen festgestellt.

Diese eklatanten Unterschiede gehen zu Lasten der deutschen Volksgruppe, stellen eine Diskriminierung dar und führen in vielen Fällen zu ungewollter Assimilation“, schimpft er.

Im Anschluss ging er im Detail auf die Mängel ein.

Eine Beanstandung: die Betreuungszeit. Im italienischen Kindergarten werden die Sprösslinge von Montag bis Donnerstag, von 7.30 bis 17.30 Uhr und an Freitagen von 7.30 Uhr bis 16.30 Uhr betreut. Die deutschen Kindergärten bieten hingen nur reduzierte Beaufsichtigungszeiten an: Montags bis donnerstags könne die Kleinen von 7.30 Uhr bis 14.30 Uhr und freitags von 7.30 Uhr bis 12.30 Uhr in die Obhut der Kindergärtnerinnen gegeben werden. Einmal wöchentlich wird eine Verlängerung der Öffnungszeiten von 14.30 bis 16.00 Uhr angeboten.

Der Vater prangert an: „Der italienische Kindergarten betreut Kinder 48 Stunden und 50 Minuten, der deutsche nur 34,5 Minuten pro Woche. Italienische Kinder werden wöchentlich 15 Stunden länger betreut. Jeder, der selbst ein Kind hat, weiß, dass die langen Betreuungszeiten den italienischen Kindergarten, insbesondere für Alleinerziehende und Berufstätige, sehr attraktiv machen. Dies führt dazu, dass viele deutsche Kinder den italienischen Kindergarten besuchen, was so zu ungewollter Assimilation führen kann.“

Ein weiterer Kritikpunkt: die Kosten. Der Stundentarif zwischen italienischen und deutschen Kindergärten sei unterschiedlich, führt der Vater aus.

Im italienischen Kindergarten müssen demnach Eltern pro Monat 78 Euro für 195,33 Betreuungsstunden zahlen, also 0,39 Euro pro Woche. Im deutschen Kindergarten hingegen müssen 63 Euro für 132 Stunden für denselben Zeitraum beglichen werden, was 0,47 Euro pro Stunde ausmacht.

Der italienische Kindergarten ist somit um 8 Cent pro Stunde günstiger als der deutsche.

„Ich habe diesen Brief an diverse Empfänger gesendet“, führt der Vater an. Sein Ziel ist es, in Erfahrung zu bringen, ob der deutsche Kindergarten „nur“ in Brixen benachteiligt wird, oder ob dies landesweit zutrifft. „Außerdem möchte ich natürlich in Erfahrung bringen, wieso hier diskriminierend bei den Volksgruppen verfahren wird, man kann doch davon ausgehen, dass jeder Steuerzahler auch dieselbe Leistung erhält“, kommentiert der Brixner.

Pius Leitner, Abgeordneter der Freiheitlichen, hat die Kritikpunkte in eine Anfrage verpackt und diese bei den zuständigen Landesräten deponiert, um die Hintergründe zu klären.

Die zuständigen Landesräte für die deutsche und italienische Schule, Philipp Achammer und Christian Tommasini haben mittlerweile Stellung bezogen. „Es gibt grundsätzlich eine unterschiedliche Handhabe hinsichtlich der verschiedenen Öffnungszeiten. Dies ist dadurch bedingt, dass man die Zeiten entsprechend der vorhandenen Ressourcen der Kindergartendirektion und je nach Bedarf der Familien in Abstimmung mit der Gemeinde festlegt. Hinsichtlich der nachmittäglichen Verlängerung gibt es also keine landesweit einheitliche Vorgabe“, erklären die Landesräte.

Zu den Kosten sagen Achammer und Tommasini: „Während die Landesregierung den Höchstbetrag der Kindergartengebühren festlegt, entscheidet die jeweilige Gemeinde über die Höhe des Betrages.“

Beide Landesräte erkennen in dieser Situation keine diskriminierenden Aspekte und auch keinen Assimilationsdruck.

Zur Erklärung fügen sie noch hinzu: „Die Verlängerung der Öffnungszeiten in den italienischen Kindergärten hat eine längere Tradition und wird in größerem Ausmaß genutzt.“

Der Freiheitliche Pius Leitner zeigt sich mit den Antworten nicht zufrieden. „Weder Landesrat Achammer noch Landesrat Tommasini konnten den Sachverhalt ausreichend erhellen“, bemängelt Leitner. „Auch wenn die Landesregierung dies nicht einsehen will, aber die Kostenunterschiede und die verlängerten Betreuungszeiten bei den italienischen Kindergärten erzeugen einen Assimilationsdruck auf die deutsche Sprachgruppe“, betont der Freiheitliche Fraktionssprecher.

Es sei eine dringende Harmonisierung hinsichtlich der Öffnungszeiten und des Kostendrucks bei den Kindergärten durchzuführen, mahnt der Landtagsabgeordnete.

 

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
Clip to Evernote

Kommentar abgeben

Du musst dich EINLOGGEN um einen Kommentar abzugeben.

2018 ® © Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH/Srl - Alle Rechte vorbehalten. Impressum | DATENSCHUTZ & AGB | Cookie Hinweis

Nach oben scrollen