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Die Scontrini-Lotterie

gebhart-kassazettelKampf der Steuerhinterziehung: Mit einer Kassenbons-Lotterie soll der Schwarzhandel in Italien eingedämmt werden. Es sollen Anreize für Käufer und Verkäufer geschaffen werden. 

Das neue staatliche Haushaltsgesetz sieht weitere Maßnahmen gegen die Steuerhinterziehung und den Schwarzhandel vor. So haben die italienische Abgeordnetenkammer und der Senat einer Maßnahme zugestimmt, welche mittels Lotterie einen Anreiz gegen den Schwarzeinkauf schaffen soll.

Diese Maßnahme sieht vor, dass Kassenzettel in ganz Italien gesammelt und in Lose umfunktioniert werden. „Dieser Entwurf wurde mit dem Haushaltsgesetz genehmigt, aber die Durchführungsbestimmungen stehen noch aus“, erklärt Kammerabgeordnete Renate Gebhard. Daher wisse man aktuell auch noch relativ wenig über diese geplante Maßnahme, die bereits 2018 in Kraft treten soll.

„Es geht darum Anreize zu schaffen, dass Ware nicht mehr ohne Beleg eingekauft und damit auch die Steuerhinterziehung eingebremst wird“, erklärt Gebhard. Wie diese Maßnahme allerdings genau aussieht, wird sich in den nächsten Wochen zeigen sobald die Durchführungsdekrete vorgelegt werden. „Es könnte sein, dass es sich bei den monatlichen Lotteriepreisen um Geldbeträge handelt, es könnten aber auch Maut-Gebühren oder andere Gewinne sein“, so Renate Gebhard.

Aber wie soll diese Lotterie funktionieren? Geplant ist, dass Betriebe, Unternehmen und Geschäfte die Kassenbons direkt an eine Sammelstelle weiterleiten, wo monatlich eine Ziehung veranstaltet wird. Daher will man in Rom auch versuchen Anreize für Unternehmen und Geschäfte einzubauen, damit sich diese an der Lotterie beteiligen und die Kassenbons an die Sammelstellen weiterleiten. „Es wird sich höchstwahrscheinlich nicht um eine verpflichtende Maßnahme für die Unternehmen handeln und daher muss man versuchen Anreize zu schaffen, damit sich auch Teilnehmer finden“, erklärt die Kammerabgeordnete. Italienischen Medienberichten zufolge sollen die Chancen auf einen Gewinn zudem um beinahe 20 Prozent ansteigen, wenn man mit Bankomat- oder Kreditkarde bezahlt.

Wie erfolgreich diese Maßnahme gegen die Steuerhinterziehung wirken wird, ist derzeit noch nicht abschätzbar. Renate Gebhard zeigt sich skeptisch, ob diese Maßnahme wirklich den erwarteten Erfolg im Kampf gegen die Steuerhinterziehung bringt. „In der Debatte wurden zwar auch Beispiele von europäischen Staaten wie Portugal gebracht, wo derartige Maßnahmen gewirkt haben, aber auch andere, wo es keinen positiven Effekt gab“, so Renate Gebhard. In Portugal sind 2014 nach der Einführung dieser Maßnahme die Steuereinnahme um 8,7 Prozent angestiegen, was wiederum zu einer Erhöhung des Bruttoinlandsproduktes geführt hat. Die Stärke der Wirkung, ist sich Gebhard sicher, hängt aber sicher auch von den Preisen der Lotterien und den Anreizen für die teilnehmenden Unternehmen ab.

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