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„Ich war sprachlos“

de-giuseppeDer Fall des Innichner Physiotherapeuten Gianluca Di Benedetto, der seinen Patientinnen den Finger in den Anus steckt, hat bei Südtiroler Physiotherapeuten für großes Aufsehen gesorgt.

von Artur Oberhofer

Wo immer man anruft, die Reaktionen sind dieselben. „Ich war sprachlos, als ich das Video gesehen habe“, so der Tenor an der Landesfachhochschule für Gesundheitsberufe Claudiana in Bozen, wo auch PhysiotherapeutInnen ausgebildet werden. Die Praktiken des Innichner Physiotheraputen Gianluca Di Benedetto seien „gelinde gesagt kurios“.

Ähnlich die Einschätzung eines bekannten Bozner Pyhsiotherapeuten: „Ich bin entsetzt.“ Gianluca Di Benedetto bringe eine gesamte Zunft ins Zwielicht, so die Einschätzung des Bozner Therapeuten.

Das von TAGESZEITUNG Online am Dienstag veröffentlichte Video der Italia-1-Sendung wurde bis Redaktionsschluss über 60.000 Mal geklickt. Und die Art und Weise, wie der Innichner Physiotherapeut gegenüber der TAGESZEITUNG seine Finger-im-Po-Praktiken rechtfertigte, hat in Südtirol für Kopfschütteln gesorgt.

Und das nicht nur in Fachkreisen.

Im Online-Forum von TAGESZEITUNG Online reichte die Palette der Reaktionen v0on Sprüchen wie „Finger im Po – Mexiko!“ über „Wenns hilft und wems fein ist“ bis zu „Wie peinlich … auweia!“

An der Claudiana heißt es: „Handlesen hat mit Physiotherapie nichts zu tun, und von Problemen an der Hand auf sexuelle Problem zu schließen, das ist schon etwas verwegen, um nicht zu sagen: wirr!“

Auch der stolze Preis, den Gianluca Di Benedetto von dem Lockvogel der Satiresendung verlangt hat – 400 Euro für eine Sitzung! – sei jenseits von Gut und Böse. Die Tarife in Südtirol liegen bei 60 bis maximal 90 Euro pro Therapiesitzung. „Und glauben Sie mir“, sagt eine bekannte Physiotherapeutin in der Landeshauptstadt, „von uns benutzt auch bestimmt niemand die Stäbchen, von denen im Video die Rede ist.“

Das Video und vor allen Dingen die Art und Weise, wie Gianluca Di Benedetto sich – nachdem er mit den Fingern in der sprichwörtlichen Marmelade ertappt worden war – aus der Affäre ziehen wollte, hat die Vorstellungskraft vieler Südtiroler Therapeuten gesprengt. Und es gibt bereits die, die sich eine geharnischte Reaktion des Interessensverbandes der Physiotherapeuten erwarten.

Von solchen Vorfällen, meint ein Bozner Therapeut, „muss sich der Verband und müssen wir uns als Physiotherapeuten ganz klar abgrenzen“.

Der Chef des Nationalen Verbandes der Physiotherapeuthen, Davide Albertoni, hat gegenüber den „Iene“ erklärt, er sei „konfus“. Die Methoden des Kollegen aus Innichen hätten absolut nichts mit Physiotherapie zu tun.

Sicher scheint bislang nur: Gianluca Di Benedetto, der aus Caserta stammt, hat sich ein in Österreich erworbenes Diplom in Italien anerkennen lassen.

Seit 1999 ist der Beruf des Physiotherapeuten in Italien ein akademischer Beruf. Matura. Dreijährige Ausbildung, die mit einem Bacca-Laureat abgeschlossen wird. Dieses Laureat befähigt zur Berufsausübung. Gianluca Di Benedetto erzählte den „Iene“-Reportern er habe „drei Jahre lang“ bei einem gewissen „Dr., Dr., Dr., Dr. Schönemann“ studiert.

Dabei dürfte es sich um jenen „Guru“ handeln, der vor einem Jahrzehnt in Südtirol auch in Südtirol unterwegs war.

LESEN SIE IN DER PRINT-AUSGABE:

  • Die Spur zu „Dr. Dr. Dr. Dr.“ Schönemann

 

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