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Aus allen Kanonen

schneekanoneNaturschnee – das war einmal! Der Kunstschnee ist auch in Südtirol längst zum wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden. Die Komplettbeschneiung am Kronplatz kostet 50.000 Euro die Stunde.

von Silke Hinterwaldner

Andrea Del Frari streicht gern die positiven Dinge hervor. Das ist zum einen sein Job als Geschäftsführer am Skiberg Kronplatz, zum anderen aber liegt es auch einfach in seiner Natur. Deshalb verwundert es kaum, wenn er feststellt: „Wir sind heuer weit besser gestartet als in den vergangenen zwei Jahren.“

Schon Mitte November hatte man am Kronplatz tiefe Temperaturen und wenig Luftfeuchtigkeit messen können – ideale Voraussetzungen für die Produktion von Kunstschnee. Als Sahnehäubchen obendrauf gab es sprichwörtlich auch noch etwas Naturschnee, das ist wichtig fürs Auge. Aber für die Skipisten selbst benötigt man schon lange keinen echten Schnee mehr.

Im Gegenteil: Der weiche, natürliche Schnee schafft Mehrarbeit für die Pistenraupen. Und er sorgt immer wieder für Beschwerden durch die Skifahrer. „Die Situation ist mittlerweile absurd“, sagt Geschäftsführer Del Frari, „am meisten Reklamationen bekommen wir, wenn es schneit. Dann sind die Pisten zu weich oder es entstehen Hügel, das stört viele Skifahrer.“ Bei Kunstschnee, im Fachjargon gern „technischer Schnee“ genannt, muss man sich nicht mit derlei Problemen auseinandersetzen, dieser Schnee ist kompakt, leicht zu bearbeiten und widerstandsfähig.

Die Pistenbetreiber freuen sich aber trotzdem, wenn es ein wenig schneit. Das steigert bei den Wintersportlern die Lust auf die Piste und taucht die Landschaft in winterliche Stimmung.

Andrea Del Frari

Andrea Del Frari

Für die Skigebiete ist die künstliche Beschneiung längst zum wichtigsten Wirtschaftsfaktor geworden. Das zeigt sich auch an beeindruckenden Zahlen: Laufen etwa am Kronplatz alle Schneekanonen auf Hochtouren, kostet eine Stunde Produktion sagenhafte 50.000 Euro. Um das gesamte Gebiet am Start in die Saison mit einer passablen Schneedecke zu versorgen, braucht man 100 Stunden.

Am Ende der Saison steht normalerweise trotz dieser hohen Investitionen ein dickes Plus in der Endabrechnung. Dabei hat man zu diesem Zeitpunkt am Kronplatz bereits insgesamt fünf Millionen Euro allein in die Grundbeschneiung gesteckt, dazu kommen weitere zwei Millionen Euro an Spesen für die Beschneiung, die im Laufe der Wintermonate dazukommt.

Genauer gesagt: Ein Kubikmeter Schnee kostet 2,50 Euro. Das klingt nicht nach besonders viel. Dabei muss man aber wissen, dass der Kronplatz im Laufe der Wintersaison insgesamt eine Million Kubikmeter Wasser in zwei Millionen Kubikmeter Schnee umwandeln wird– allein für die Grundbeschneiung. Dazu benötigt man 500 Schneekanonen, die zumindest jetzt, zu Beginn der Saison, auch schon Mal Tag und Nacht laufen.

Nicht mehr als 15 Mitarbeiter steuern und kontrollieren die Schneeproduktion am gesamten Kronplatz. Dabei arbeiten die Schneekanonen bereits fast völlig unabhängig von menschlicher Kontrolle: Wenn Temperatur und Luftfeuchtigkeit stimmen, legen sie automatisch mit der Produktion los. Auch drehen sie sich passend zu den Windverhältnissen.

Zurück zur technischen Beschneiung zu Saisonbeginn: In den kalten Tagen im November hat man am Kronplatz sogar die Talabfahrten nach Reischach und St. Vigil beschneien können. Schon vor Eröffnung des Skigebietes am 26. November hat die italienische Nationalmannschaft auf der Piste Pre da Peres trainieren können. Das alles sind beste Voraussetzungen für den Start in die Wintersaison. Daran können auch die warmen Tage der vergangenen Woche nichts ändern. In dieser Zeit wurde zwar kein technischer Schnee hergestellt, aber in den Speicherseen kann wieder Wasser aufgefüllt werden und die Mitarbeiter durften ein paar Tage Urlaub nehmen. Und: Seit gestern stimmen Temperaturen und Luftfeuchtigkeit wieder, die Produktion läuft wieder volles Rohr.

Auch wenn in diesem Herbst die Bedingungen für die Produktion besser waren als in den vergangenen Jahren: Im Skigebiet wird unabhängig vom Wetter jedes Jahr dieselbe Menge an Schnee produziert. „Schließlich müssen wir bis April Schnee garantieren können“, sagt Del Frari, „unabhängig davon, ob es im Laufe des Winters mehr oder weniger warme Tage gibt.“ Das heißt: In einem modernen Skigebiet wie dem Kronplatz muss man für alle Eventualitäten gerüstet sein, die Natur darf dem Wirtschaftskreislauf nicht in die Quere kommen. Immerhin: Im Einzugsgebiet des Skigebietes Kronplatz gibt es 25.000 Gästebetten, zahlreiche weitere Betriebe arbeiten gut mit den Skitouristen. Voraussetzung dafür ist aber, dass der Kronplatz zwischen November und April beste Pistenverhältnisse bietet, unabhängig von den Launen des Wettergottes.

Aber auch in den Sommermonaten wird durchgearbeitet. Heuer wurden am Kronplatz zehn Millionen Euro für die Erneuerung der Anlagen investiert – bessere Maschinen, die weniger Strom fressen, neue Leitungen für Strom oder Wasser oder Schneekatzen mit Elektromotor. „Die Arbeit hört in einem hochmodernen Skigebiet wie wir es sind, nie auf“, sagt Del Frari, „das Rad muss sich unablässig drehen.“

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