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„Wer kümmert sich?“

burgmann Fl?chtlinge Brixen ANKUNFT Foto Anton Rainer1Wer sorgt für die Flüchtlinge, die an der Grenze bei Winnebach aufgegriffen werden? Ein Gespräch mit Innichens Bürgermeisterin Rosmarie Burgmann über Grenzgänger und die Ängste der Bürger.

Tageszeitung: Frau Bürgermeisterin, merkt man in Innichen etwas davon, dass die Zahl der illegalen Grenzübertritte in Winnebach steigt?

Rosmarie Burgmann: Mir persönlich ist bisher nicht wirklich etwas aufgefallen. Aber aus Gesprächen mit den Verantwortlichen der Polizei wissen wir, dass es langsam mehr wird. In nur einer Woche zwischen Ende August und Anfang September wurden 20 Personen aufgegriffen. Dass es in einem so kurzen Zeitraum so viele waren, hat es bis dahin nicht gegeben. Es gibt jetzt verstärkt Bewegung an der Grenze, das konnte man feststellen. Aber all das wird in erster Linie von der Polizei geregelt.

Wissen Sie, wohin diese Flüchtlinge gebracht werden, sobald die österreichische Polizei sie aufgegriffen hat?

Diese Menschen werden dann in Richtung Bozen gebracht. Von Seiten des Landes wurde uns immer wieder versichert, dass sich die Gemeinde darum nicht kümmern brauche. Alles, was am Grenzübergang passiert, liegt nicht in unserer Kompetenz. Trotzdem stecken wir mittendrin. Es gibt eine Hilfsorganisation in Innichen, die mittlerweile schon öfters einspringen musste, etwa sobald Personen nachts am Grenzübergang aufgegriffen wurden. Diese Flüchtlinge haben in Innichen eine Mahlzeit bekommen oder durften die Nacht hier verbringen. Außerdem liegt es im Zuständigkeitsbereich der örtlichen Polizei die Daten aufzunehmen, das bedeutet auch Mehrarbeit für die Ordnungskräfte.

Was kann man tun, sollten jetzt tatsächlich immer mehr Menschen die Route über den Grenzübergang in Winnebach wählen?

Uns wurde immer versichert, dass jegliche Kompetenz hierfür beim Land liegt. Aber sollte sich die Situation tatsächlich verschärfen, dann muss man wohl eine Struktur finden, in der diese Menschen kurzfristig untergebracht werden können. Daran kommt man nicht vorbei. Wir als Gemeinde konzentrieren uns derzeit darauf, wie die angekündigten 40 Asylwerber in der Drususkaserne untergebracht werden sollen.

Haben Sie Sorge, dass sich die Situation an der Grenze verschärfen könnte?

Uns sagt man immer, dass dies ein zu vernachlässigendes Problem darstelle. 127 Aufgriffe bisher in diesem Jahr sind in der Tat nicht alarmierend, finde ich. Aber wenn jetzt innerhalb von wenigen Tagen sehr viele Flüchtlinge aufgegriffen werden, dann könnte sich die Situation ändern. Eine Tendenz in diese Richtung ist wohl zu erwarten. Bisher waren die Flüchtlingsströme allgemein weniger stark als angenommen, jetzt muss man wohl überall mit einer Zunahme rechnen.

Sieht man in Innichen jetzt schon etwas davon?

Am Bahnhofsgelände sieht man immer wieder Leute, die offensichtlich auf einen Zug warten. Aber im Dorf selbst bekommt man nichts mit. Vielmehr macht sich das Problem mit der organisierten Bettelei bemerkbar, aber dieses Phänomen hat sich in sämtlichen Gemeinden in den vergangenen Monaten verstärkt gezeigt.

Jetzt im Herbst, so die Ankündigung, sollten 40 Asylwerber in der Drususkaserne Unterschlupf finden. Wissen Sie dazu schon Genaueres?

Wir haben noch keine exakten Termine mitgeteilt bekommen. Aber langsam werden jetzt die Bauarbeiten beginnen, um diese Menschen dann in der Kaserne unterbringen zu können. Wir rechnen damit, dass die ersten in eineinhalb Monaten einziehen werden.

Haben sich die Ängste und Befürchtungen in Innichen selbst mittlerweile gelegt?

Es gibt freilich immer noch Sorgen vonseiten der Bevölkerung. In der touristischen Hochsaison ist das Thema aus dem Fokus der Aufmerksam gerückt, aber jetzt tauchen wieder verstärkt Fragen auf.

Interview: Silke Hinterwaldner

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Der Anlass

Die Polizei in Osttirol hat mitgeteilt, dass bisher im Jahr 2016 insgesamt 127 Flüchtlinge aufgegriffen worden sind, die die Grenze zwischen Innichen und Sillian illegal passieren wollten – 31 davon im Monat August. Die Freiheitlichen in Österreich haben bereits die Alarmglocken schrillen lassen, aber die Regierung in Innsbruck beruhigt. Und: Bereits vor Monaten hat die Südtiroler Landesregierung angekündigt, dass die Drususkaserne in Innichen ab Herbst für die Unterbringung von insgesamt 40 Asylwerbern genutzt werden soll.

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