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Der Strippenzieher

schwazer2Der Antidoping-Manager im Internationalen Leichtathletikverband Thomas Capdevielle spielt im Fall Alex Schwazer eine fragwürdige Rolle.

von Artur Oberhofer

Nach drei Monaten werden negative Proben vernichtet.

Nicht so im Fall Alex Schwazer. Und hier wird der Fall Schwazer zum Fall Capdevielle?

Welche Rolle spielt der IAAF-Antidoping-Chef im Fall Schwazer?

Nach Informationen der TAGESZEITUNG langt am Kölner Institut für Biochemie wenige Tage vor Ablauf der 90-Tage-Frist ein Ansuchen von IAAF-Antidoping-Chef Thomas Capdevielle ein, der anordnet, dass die Harnprobe Alex Schwätzers vom 1. Jänner noch einmal analysiert wird – mit einem Spezialverfahren.

In Köln wundern sich die Dopingkontrolleure über diesen Antrag, der buchstäblich in letzter Sekunde eingeht.

Warum hat Thomas Capdevielle den zweiten Test angeordnet? Auf welcher Grundlage geht der Antidoping-Chef vor?

Die Aufzeichnungen des Kölner Labors zur Schwazer-Probe

Die Aufzeichnungen des Kölner Labors zur Schwazer-Probe

In dem 89 Seiten starken Begleitbericht des Kölner Instituts für Biochemie zu den Tests im Fall Schwazer gibt es keinen einzigen Laborwert, der diese (von IAAF-MANN Capdevielle angeordnete) zweite Analyse rechtfertigen würde.

Der einzige Wert, der bei der ersten Analyse der Schwazer-Probe vom 1. Jänner leicht ausschlägt, ist das Verhältnis Testosteron/Epitestosteron von 3,46. Allerdings: Auch dieser Wert liegt deutlich unter dem Schwellen- bzw. Grenzwert von 4.

Chemiker behaupten, dass auch der Alkoholkonsum (von Alex Schwazer zu Silvester) diesen Wert erhöht haben könnte.

Obwohl es keine labortechnische und wissenschaftliche Indikation gibt, lässt der IAAF-Antidoping-Manager die Probe neu analysieren.

Steht also die Frage im Raum: Wenn beim ersten Test keine Werte überschritten wurden, es also keinen Anlass für einen zweiten Test gegeben hat, warum hat Thomas Capdevielles diesen wenige Tage vor der Zerstörung der Probe angeordnet? Hat der IAAF-Manager einen vertraulichen Hinweis erhalten? Hat jemand gewusst, dass man in Alex Schwazers Harn etwas finden kann?

Ein weiteres dickes Fragezeichen: Alex Schwazer ist am 24. Jänner einer weiteren Dopingkontrolle durch die IAAF unterzogen worden. Warum hat die IAAF die ausgerechnet die Probe vom 1. Jänner noch einmal nachuntersuchen lassen? Gab da jemand einen geheimen Tipp, kurz bevor die Probe zerstört wird?

Die IAAF hat sich bislang zu diesem fragwürdigen Aspekt nicht geäußert und sich bislang geweigert, die entsprechenden Akten offenzulegen.

Für Alex Schwazer kommt es noch dicker:

Die im Kölner Labor abgelegte, mit der Nr. 4 gekennzeichnete Harnprobe Alex Schwazers wird am 14. April aus der Kühltruhe geholt und analysiert – so wie von IAAF-Manager Thomas Campdevielle angeordnete.

Der Bescheid über die positive Probe

Der Bescheid über die positive Probe

Am 12. Mai wird der Test positiv befundet.

Am 13. Mai übermittelt der Leiter des Kölner Labors, Wolfgang Schänzer, das positive Ergebnis der A-Probe mit dem Aktenzeichen S2016 00006-1 an den IAAF-Manager Thomas Capdevielle.

Obwohl er das Testergebnis laut WADA-Richtlinien umgehend an den betroffenen Athleten weiterleiten müsste, lässt sich der IAAF-Antidoping-Chef mehr als fünf Wochen Zeit. Alex Schwazer wird nämlich erst am 21. Juni – also 39 Tage später – über das positive Testergebnis in Kenntnis gesetzt. Bewusst er so spät? Damit der Athlet sich nicht mehr verteidigen kann?

Der Befund

Der Befund

Merkwürdig sind diese (gewollten?) Kommunikationspannen auch vor einem anderen Hintergrund: Obwohl die IAAF bereits am 13. Mai über den positiven Dopingtest Bescheid wusste, ließ der Internationale Leichtathletikverband Alex Schwazer am 28. Mai in La Coruna in Spanien noch an den Start gehen. Dort qualifizierte sich der Kalcher über 20 Kilometer für Rio.

Welche Rolle spielt IAAF-Antidoping-Manager Thomas Campdevielle im Fall Schwazer?

01-schwazer dossier dokument lastThomas Capdevielle hat vor einiger Zeit als Zeuge im Bozner Dopingprozess ausgesagt. Dabei trat der IAAF-Spitzenfunktionär als Entlastungszeuge jener Ärzte (Giuseppe Fischietto und Pierluigi Fiorella) auf, die Alex Schwazer zuvor schwer belastet hatte.

Nur ein Zufall?

LESEN SIE MORGEN AUF TAGESZEITUNG Online:

Zwei anerkannte Experten, Giuseppe Pieraccini und Douwe de Boer, schließen willentliches Doping im Fall Schwazer aus.

 

 

 

 

 

 

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