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Die Sex-Erpressung

prostituierte hureWie ein Familienvater aus Eppan sich in eine junge Frau verliebte und zum Opfer einer mutmaßlichen versuchten Erpressung mit Sex-Fotos wurde. Bis er zur Polizei ging.

Von Thomas Vikoler

Das fand die Frau mit den blondgefärbten Haaren sehr bald heraus: Der Mann, mit dem sie sich seit Oktober 2015 regelmäßig traf, der sich in sie verliebt hatte, war kein armer Schlucker. Er hatte ein teures Auto und offenbar ein gutes Einkommen. Und er hatte Familie.

Die Geschichte, über die Polizei-Fahndungsleiter Giuseppe Tricario berichtet, spielt zwischen Bozen und Eppan. Ein Bürger aus der Überetscher Gemeinde, zwischen 40 und 50 Jahre alt, trifft in der Volta-Straße in der Industriezone auf die junge blonde Frau. Ob sie sich dort tatsächlich als Prostituierte platziert hatte (die Gegend ist ein bekannter Standplatz), ist unklar. Zunächst aber kommt es zu keinen sexuellen Handlungen, der Familienvater aus Eppan scheint eher verliebt zu sein.

Es folgen mehrere Treffen zwischen der jungen Frau und dem ungefähr doppelt so alten Südtiroler. Im März beschließt dieser, Anzeige gegen sie zu erstatten.

Der Anlass: Ein angeblicher Erpressungsversuch.

Wie der Eppaner der Polizei berichtet, forderte die blonde Frau von ihm die Zahlung von stattlichen 100.000 Euro. Eine Art Schweigegeld für einen Vorfall einige Tage zuvor, der dem Mann offenbar peinlich war: Er hatte Sex mit ihr, sie Filmaufnahmen davon mit ihm.

Laut Polizei erpresste sie Alba Bugjzi, so heißt die Frau, den Mann mit der Drohung, Anzeige wegen Minderjährigen-Prostitution zu erstatten. Sie sei nämlich, so erzählte sie ihrem Sex-Partner, gerade 17 Jahre alt. Die Sex-Fotos, sofern es sie gibt, waren offenbar das dazugehörige Druckmittel.

Inzwischen ist klar, dass Bugjzi 21 Jahre alt und mit einem Touristenvisum nach Italien eingereist ist. Die Frau wurde am Donnerstag nach einer fingierten Geld-Übergabeaktion in einer Bar in der Bozner Industriezone von der Polizei festgenommen.

Via SMS hatte sie mit dem Eppaner die Übergabe einer ersten Rate von 10.000 Euro vereinbart (eigentlich wollte sie auch die restlichen 90.000). Überhaupt sei die versuchte Erpressung durch den Datenverkehr zwischen der Frau und ihrem mutmaßlichen Opfer gut dokumentiert, heißt es bei der Polizei.

Angesichts der klaren Beweislage hat die Staatsanwaltschaft inzwischen ein Sofort-Verfahren gegen Alba Bugjzi angestrengt, die dazugehörige Verhandlung fand gestern am Landesgericht vor Einzelrichter Ivan Perathoner statt. Dieser verfügte, wegen nicht gegebener Haftgründe, die sofortige Enthaftung der jungen Frau und vertagte auf Mai.

Für Angelo Polo, Bugjzis Verteidiger, ist die mutmaßliche versuchte Erpressung, keinesfalls bewiesen.

Die Polizei hat eine zweite Person, J.K., 26, wie die Verhaftete ohne festen Wohnsitz, wegen Beihilfe auf freiem Fuß angezeigt. Nun wird geprüft, Alba Bugjzi, die angeblich auf großem Fuß lebte, auch andere Männer erpressen wollte bzw. erpresste.

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