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Schilda im Spital

Der Fall Reinhold Perkmann wird immer skurriler: Gegen den Bozner Primar wurde ein Disziplinarverfahren wegen eines TV-Interviews eingeleitet, das offenbar niemand gesehen hat. Das Protokoll einer peinlichen Geschichte.

von Artur Oberhofer

Für einen bekannten Bozner Primar ist die Sache klar: „Der Generaldirektor wollte einfach nur einen Akt der Machtdemonstration setzen.“

Und tatsächlich gibt es nun konkrete Hinweise dafür, dass es Thomas Schael vor Weihnachten, als er gegen Primar der Gefäß- und Thoraxchirurgie-Abteilung am Krankenhaus in Bozen, Reinhold Perkmann, ein Disziplinarverfahren einleiten ließ, weniger um die Sache, als vielmehr um die Optik ging.

Inzwischen hat Thomas Schael auf Druck von Landeshauptmann Arno Kompatscher und Landesrätin Martha Stocker zurückrudern müssen. Die beiden Disziplinarverfahren gegen Primar Perkmann und dessen Bozner Kollegen Christian Wiedermann, er leitet die wichtige Abteilung der Inneren Medizin, werden eingestellt.

Am Donnerstag wollen sich Primare und der„General“ auf einen neuen Verhaltens-Kodex einigen.

Im Fall Reinhold Perkmann ging es Thomas Schael nur darum zu zeigen, wer der Herr im Betrieb ist.

Die TAGESZEITUNG kann die Posse rund um ein TV-Interview rekonstruieren.

Von Thomas Schael ist bekannt, dass er weder Zeitungen liest noch fernsieht. Zumindest behauptet er das stolz.

Grundlage des Disziplinarverfahrens gegen Reinhold Perkmann war ein Fernsehinterview, das der Primar am 25. November vergangenen Jahres der Rai Südtirol gegeben hatte. Als Reinhold Perkmann am vergangenen Montag vom obersten „Schiedsrichter“ des Gesundheitsbetriebes Enrico Wegher angehört wurde, teilte der ihm mit, dass er das TV-Interview „noch nicht gesehen“ habe.

Auch liege im bislang noch kein Mitschnitt des TV-Beitrages vor.

Der Sanitätsdirektor im Gesundheitsbetrieb, Oswald Mayr, der die Einleitung des Disziplinarverfahrens gegen Primar Perkmann mitunterschrieben hatte (so wie auch der Pflegedirektor Robert Peer, was von den Göttern in Weiß im Bozner Krankenhaus als Affront empfunden wird), rief bei Primar Perkmann an, um ihm mitzuteilen, dass er zwar unterschrieben, das TV-Interview aber nicht gesehen habe.

Es kommt noch skurriler: Der PR-Chef im Gesundheitsbetrieb, Lukas Raffl, wurde beauftragt, bei Rai Südtirol ein Kopie des Videos einzuholen. Raffl, der im Status eines Abteilungsleiters steht und damit einer der bestbezahlten Journalisten im Lande ist, leitete den Auftrag an die PR-Verantwortliche im Bozner Spital, Waltraud Vieider, weiter.

Und jetzt kommt der Hammer: Waltraud Vieider rief bei Primar Reinhold Perkmann an und fragte ihn, ob er vielleicht eine Kopie des TV-Interviews habe …

Die Moral von der Geschichte: Ein Generaldirektor, der nicht fernsieht, und ein Sanitätsdirektor, der das beanstandete TV-Interview nicht gesehen hat, leiten ein Disziplinarverfahren gegen einen Primar ein.

Weil auch der Richter keine Kopie des TV-Interviews hat, fragen die Zuständigen für die Öffentlichkeitsarbeit im Gesundheitsbetrieb beim Beschuldigten nach, ob der ihnen, bitteschön, eine Kopie jenes TV-Interviews, also das Beweismaterial besorgen könne, mit dem ihm der Betrieb einen Strick drehen will …

 

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