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Brüchiger Beton

 

putzm typEin weiteres Unternehmen aus dem Bausektor steht vor dem Aus: Pustertal Beton war einst ein großer Player in der Branche. Jetzt soll die Gesellschaft aufgelöst werden.

von Silke Hinterwaldner

Pustertal Beton war einst ein florierendes Unternehmen mit drei Betonwerken, eines in Bruneck, eines in Prags und eines in Stern im Gadertal. Mit einer Auflistung von 22 Fahrzeugen und 25 Mitarbeitern erweckt man auf der Webseite der Gesellschaft immer noch den Anschein, als sei die Welt in Ordnung.

Dabei ist längst alles ganz anders. Ein Blick auf die aktuellen Eigentumsverhältnisse im Archiv der Handelskammer zeigt, dass die Gesellschaft in Auflösung begriffen ist. Dort steht in roten Lettern: „in liquidazione dal 23/10/2015“. Schon die Bilanz 2014 hatte die Probleme augenscheinlich gemacht. Bei einem Umsatz von rund 2,5 Millionen Euro schlägt ein Minus von knapp 500.000 Euro schmerzhaft zu Buche. Nicht alle Gesellschafter wollten diese Bilanz damals unterzeichnen, die Stimmung scheint wohl länger schon nicht die beste zu sein.

Derzeit liegt der Fall Pustertal Beton beim Konkursgericht in Bozen. Dort soll jetzt entschieden werden, ob das Unternehmen tatsächlich aufgelöst wird. In einer Aussprache mit allen Beteiligten wird im Laufe des Monats angeblich noch nach einem anderen Weg gesucht, aber das Schicksal des Betonunternehmens scheint kaum noch abzuwenden.

„Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“, sagt einer der Mitarbeiter, „wir hängen derzeit in der Luft und wissen nicht, wie es weitergeht. Dabei wäre es für und besser, jetzt schon in die Arbeitslose überstellt zu werden, um im Frühjahr dann gleich eine neue Arbeit antreten zu können.“

Aber der Reihe nach: Im April 2012 wird Pustertal Beton von der Mutterfirma Oberschmied GmbH ausgegliedert. Damit nehmen die neuen Entwicklungen ihren Lauf. Ein Jahr Später, am 23. Mai 2013, steigt ein neuer Teilhaber in das Unternehmen ein und übernimmt gleich 50 Prozent. Es handelt sich dabei um einen österreichischen Partner, der Wietersdorfer W&P Zement GmbH mit Sitz in Klagenfurt.

Die Oberschmied GmbH hatte zu diesem Zeitpunkt seit bereits acht Jahren Geschäfte mit den Österreichern gemacht. W&P war bis dahin Lieferant für die Pusterer und übernahm dann das Unternehmen zu einem Gutteil, wohl um Außenstände zu kompensieren, die sich bis dahin angehäuft hatten.

Der ehemalige Firmenchef Markus Oberschmied ist damit draußen. Er sagt heute nur: „Ich habe vor zwei Jahren all meine Quoten verkauft und gehe jetzt einen neuen Weg. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.“ Sein Bruder Christof aber ist immer noch Teil des Unternehmens Pustertal Beton, er scheint zwar nicht im Verzeichnis der Gesellschafter auf, fungiert aber als Geschäftsführer.

Aber auch er hält sich mit Informationen zurück. Seine Antwort auf die Anfrage der TAGESZEITUNG: „Kein Kommentar.“

Das Problem von Pustertal Beton scheinen zum einen die stagnierende Auftragslage im Bausektor zu sein – das Pustertal als Einzugsgebiet ist einfach zu klein für so viel Beton – und zum anderen die neue Zusammensetzung der Gesellschafter. Neben der österreichischen W&P Zement GmbH finden sich dort Karlheinz Neumair, der 40 Prozent des Unternehmens hält und Gert Niederkofler, dem immerhin noch zehn Prozent gehören. Der Unternehmer und der Architekt waren bereits zusammen in Erscheinung getreten als es darum ging, die Schlossberggarage in Bruneck zu errichten. Aber nachdem Neumair als Geschäftsführer der Durnwalder Immobilien GmbH vor zwei Jahren gescheitert war, zog er auch das Angebot für die Schlossberggarage zurück.

Aber auch die Raiffeisenkasse Bruneck hängt mit drinnen. Sie hat Pustertal Beton wohl Geld geliehen und tritt jetzt als Gläubiger auf.

Für die rund acht verbliebenen Mitarbeiter sind diese Entwicklungen alles andere als beruhigend. Sie wünschen sich jetzt vor allem eines: Klarheit. Und: dass sie das Geld bekommen, das ihnen zusteht

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