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Der Fahrer des Hasspredigers

flash-terroristenDas Sozialparadies Südtirol übt auf Dschihadisten eine Anziehungskraft aus. Außerdem: In Bozen lebt der Ex-Fahrer eines berüchtigten Mailänder Hasspredigers.

von Artur Oberhofer

Es war am 27. April dieses Jahres, als der irakische Kurde Muhamad Majid, 45, am Telefon mit seinem Landsmann Muhamed Khaled über das Sozialparadies Südtirol sprach. „Wenn du in Italien leben willst“, so sagte Muhamad Khaled, „dann geh besser nach Bozen, wo Mullah Kawa und Helkawt sind.“

Dort, in der Provinz im hohen Norden, so weiß Muhamad Khaled, „bezahlen sie dir die Miete – auch wenn du nicht arbeitest.“

Muhamad Majid und Muhamad Khaled stehen im Fadenkreuz der Staatsanwaltschaft von Bari. Sie werden des internationalen Terrorismus verdächtigt. Die beiden mutmaßlichen Dschihadisten sollen versucht haben, die einst berüchtigte „Zelle von Parma“ neu aufzustellen.

Im Zuge der Ermittlungen in Bari sind beklemmende, Südtirol betreffende Details publik geworden.

Da ist einmal der Umstand, dass es sich bis zu den (mutmaßlichen) Dschihadisten durchgesprochen hat, dass Südtirol ein sehr engmaschiges soziales Netz hat.

Ein Auszug aus dem abgehörten Telefongespräch zwischen Khalid und Majid:

„Du musst es so machen wie Mullah Kawa (es ist dies der in Klobenstein verhaftete mutmaßliche Jihadist Abdula Ali Salih, Anm. d. R.), er hat seine Miete nur sechs Monate lang bezahlt, dann haben die Sozialdienste gezahlt. Ob jemand arbeitet oder nicht, das ist egal. Du kannst ohne weiteres zu Hause bleiben, denn es zahlt alles die Gemeinde. Er (Mullah Kawa) bekommt sogar eine monatliche Unterstützung für sich, seine Frau und die Kinder.“

Muhamad Majid kann fast nicht glauben, was er da von seinem Namensvetter Khaled hört.

Muhamad Khaled klärt ihn auf:

„Das System, das die in Bozen haben, ist so wie das deutsche, alle Kurden, die in Bozen sind, arbeiten nicht, sie bleiben gemütlich zu Hause. Das, was ich dir sage, ist die Wahrheit …“

Muhamad Majid ist verblüfft – und bedankt sich:

Danke, das, was du mir heute gesagt hast, ist eine gute Nachricht.“

Mutmaßliche Dschihadisten als Sozialschmarotzer?

Südtirol ist, wie es der ehemalige Bozner Oberstaatsanwalt Cuno Tarfusser jüngst im TAGESZEITUNG-Interview formuliert hat, längst keine Insel der Seligen mehr.

Auch aus anderen Details, die aus dem Justizpalast in Bari durchgesickert sind, wird klar, dass es sich bei den in Südtirol verhafteten mutmaßlichen Dschihadisten nicht um ein paar „polli“ handelt, wie der Meraner Bürgermeisters noch vor wenigen Wochen gemeint hatte.

Es gibt konkrete Hinweise dafür, dass auf der Achse Bari-Bozen Bestrebungen im Gang waren, die ehemals berüchtigte „Parmenser Zelle“ neu aufzubauen.

So ist in den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bari der Name Muhamad Helkawt aufgetaucht. Helkawt wohnt in Bozen, er war Anfang 2003 unter anderem als Fahrer des bekannt-berüchtigten Mailänder Imams Abu Omar tätig.

Abu Omar war der (Hass-)Prediger in der Mailänder Moschee in der Jenner-Allee.

Der Imam erlangte internationale Berühmtheit, weil er 2003 von der CIA entführt und nach Ägypten verfrachtet worden war.

Die „Gazzetta del Mezzogiorno“ berichtet unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft Bari, dass Muhamad Majid und Muhamad Helkawt in engem Kontakt gestanden hätten und im Begriff gewesen seien, die alte „Parmenser Zelle“ neu zu konstituieren.

Die Ermittlungsbehörden beschuldigen Majid, der bereits zehn Jahre im Gefängnis zugebracht hat, des internationalen Terrorismus. Er habe auf italienischem Boden versucht, sogenannte Foreign Fighters für den IS anzuwerben.

Der in Bozen wohnhafte Muhamad Helkawt und dessen Sohn sollen Muhamad Majid in den vergangenen Jahren finanziell unterstützt haben.

Vater Helkawt hat Majid eine Bancomat- und eine Kreditkarte zur Verfügung gestellt.

  • LESEN SIE IN DER PRINT-AUSGABE AM FREITAG: Was der Abteilungsdirektor für Soziales, Luca Critelli, zum Thema Dschihadisten und Sozialbeiträge sagt.

 

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