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Nach der Katastrophe

frana_Badiaww_Christian_IasioEURAC-Forscher untersuchen, wie die Dorfgemeinschaften Katastrophen bewältigen. Die Lehren aus dem Hangrutsch von Abtei.

Im Dezember 2012 zerstörte ein Erdrutsch in der Gadertaler Gemeinde Abtei vier Häuser und beschädigte weitere, Dutzende Bewohner mussten evakuiert werden.

In einer sozialwissenschaftlichen Studie untersuchte das EURAC-Institut für Angewandte Fernerkundung, wie Bewohner und Behörden auf das Unglück reagierten.

Die Ergebnisse, die auch für künftige Katastrophenfälle von Bedeutung sind, werden am Donnerstag auf einer Bürgerversammlung in Abtei vorgestellt. Kommunikation über persönliche Kanäle, lokale Vernetzung der Einsatzkräfte und langfristige Informationsstrategien sind demnach Schlüsselfaktoren für ein effizientes Risikomanagement.

Die Studie habe gezeigt, dass „technische Maßnahmen allein nicht genug sind – man muss auch soziale Aspekte einbeziehen“, erklärte Volkmar Mair, Leiter des Landesamtes für Geologie, das die Untersuchung unterstützte. „Für uns als Behörde ist es sehr wichtig zu verstehen, wie die lokale Bevölkerung unsere Maßnahmen im Umgang mit Naturkatastrophen wahrnimmt.“

Die Frage, wie Gemeinschaften sich auf Unglücke vorbereiten, wie sie damit fertig werden und sich davon erholen, erhält in den Alpen zunehmend Bedeutung, da sich die Besiedlung aus wirtschaftlichen Gründen auf risikoreichere Gebiete ausdehnt.

„Unser Ausgangspunkt war also: Was können wir von Abtei lernen?“, erklärt Lydia Pedoth vom EURAC-Institut für Angewandte Fernerkundung, die für die Studie verantwortlich war. „Welchen Einfluss im Umgang mit Katastrophen haben zum Beispiel das Gemeinschaftsgefühl im Dorf oder die Beziehung zu den Behörden?“

Die Wissenschaftler gewannen interessante Einblicke.

So trat die Bedeutung persönlicher Kommunikationskanäle klar zutage: Selbst junge Leute vertrauten genauso auf Informationen aus dem Familien-und Bekanntenkreis wie auf Medienberichte. Wollen Behörden im Katastrophenfall wirkungsvoll kommunizieren, sollten sie deshalb Schlüsselfiguren im Ort als Sprachrohr wählen, raten die Forscher.

Volkmar Mair erklärte, dieses Ergebnis werde sich auf künftiges Risikomanagement auswirken: „Wir werden in Zukunft mehr in persönliche Treffen unserer Experten mit der lokalen Bevölkerung investieren. Wie die Studie zeigt, bringt das große Vorteile, bei relativ geringen Kosten.“

Als sehr positiv wurde die Zusammenarbeit der Einsatzkräfte erlebt.

Vor allem die Vertrautheit der Helfer untereinander und ihre Vernetzung mit der Dorfgemeinschaft trugen nach dem Urteil aller Beteiligten wesentlich zum effizienten Krisenmanagement bei und halfen den Betroffenen, mit dem Unglück fertig zu werden. Entsprechend zufrieden zeigten die Abteier sich unmittelbar nach der Katastrophe mit der erhaltenen Unterstützung.

Sechzehn Monate später allerdings fühlten viele sich unzureichend informiert und dadurch verunsichert – um Katastrophen erfolgreich zu bewältigen, sind also längerfristige Strategien unerlässlich. Die Veranstaltung in Abtei, drei Jahre nach dem Ereignis, ist ein Schritt in diese Richtung.

Ein interessantes Ergebnis der Studie war auch, dass sich hohes Risikobewusstsein nicht automatisch in aktive Vorbereitung übersetzt:

Obwohl einem großen Teil der Befragten bewusst war, in einem von Rutschungen gefährdeten Gebiet zu leben, rechneten die meisten nicht mit einem Ereignis; Schutzmaßnahmen wurden fast ausschließlich als Aufgabe der Behörden empfunden.

Dieses ausgeprägte Vertrauen in Behörden und Institutionen wie den Zivilschutz hat zwar den positiven Effekt, dass die Menschen Auskünften und Ratschlägen aus diesen Quellen große Glaubwürdigkeit beimessen, kann aber die Motivation mindern, selber aktiv zu werden, so die Macher der Studie.

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