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Die dunkle Zeit

 

Hunter in the Autumn woods aiming at an unseen target

Hunter in the Autumn woods aiming at an unseen target

Am Sonntag um 3.00 Uhr nachts werden die Uhren um eine Stunde zurückgestellt. Nicht ohne Folgen: Josef Schwitzer, Primar des Psychiatrischen Dienstes im Krankenhaus Brixen, über die Auswirkungen auf den Menschen.  

TAGESZEITUNG Online: Herr Schwitzer, die Zeitumstellung steht bevor. Welche Auswirkungen hat diese auf den Menschen?

Josef Schwitzer: Diese hat viele Auswirkungen – psychischer und körperlicher Natur.

Welche wären diese?

Schlimmer ist die Umstellung im Frühjahr auf die Sommerzeit. Die Herbstzeitumstellung entspricht hingegen mehr dem natürlichen Biorhythmus. Jetzt kehren wir nur in die natürliche Zeit zurück. Der Mensch ist ein Tag-Nacht abhängiges Wesen. Das wissen wir schon seit dem Altertum. Über Jahrtausende hinweg hat der Mensch den endogenen Rhythmus entwickelt.

Primar Josef Schwitzer

Primar Josef Schwitzer

Wenn man diesen Rhythmus unterbricht, so hat dies Auswirkungen – nicht immer so evident und nicht immer von Krankheitswert. Aber es gibt Auswirkungen auf das Wohlbefinden des Menschen.

Körpertemperatur, Hormonausschüttungen oder Melatonin-Ausschüttungen sind einem Tag-Nacht-Rhythmus unterworfen und diese haben sich über Jahrtausende hinweg daran gewöhnt. Besonders die Umstellung im Frühjahr widerspricht diesem Rhythmus.

Die Folgen?

Die Umstellung führt zu subjektivem Unwohlsein. Sie verursacht einen nicht bewusst wahrgenommen Stress. Schlafstörungen können die Folge sein. Diese haben einen Einfluss auf die Tagesaktivität. Die Arbeitsleistung kann durch die unnatürliche Anpassungsnotwendigkeit sinken.

Es kann zu Störungen im Verdauungsbereich kommen – also zu diversen körperlichen Missempfindungen, die man sich nicht erklären kann.

Diese Zeitumstellungen können zu depressiven Schwankungen führen. Es werden die Hormonausschüttungen umgestellt. Die Kortikosteroid-Ausschüttungen unterliegen einem bestimmten Rhythmus. Im Herbst kehren wir jedoch wieder zur Sonnenzeit zurück: Der Mangel an Licht ist die Ursache für bestimmte Depressionsformen im Herbst – für die sogenannte saisonale affektive Depression. Das sieht man auch bei Schichtarbeitern.

Inwiefern?

Früher konnten Leute, die zu lange im Dunkeln arbeiten, Licht-Urlaubstage nehmen, damit sie sich wieder an den Rhythmus anpassen. 

Wie lange braucht der Mensch für die Umstellung?

Es ist nachgewiesen, dass sich gewisse Dinge nie vollständig umstellen, wie die Körpertemperatur und Hormonausschüttungen. Dazu hat man Untersuchungen mit Menschen in Bunkern gemacht. Diese Umstellung ist eine unnatürliche Sache.

Was halten Sie von den Zeitumstellungen?

Man hat diese Verschiebung aus wirtschaftlichen Gründen während der Ölkrise vorgenommen, um Energie zu sparen. Das körperliche Wohlbefinden hat man der Wirtschaft geopfert. Aus gesundheitlicher Sicht muss man gegen die Zeitumstellungen sein.

Interview: Erna Egger 

 

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