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Die TETRA-Revolution

Schon bald müssen Feuerwehr, Bergrettung und Co. auf das im Aufbau befindliche TETRA-Funknetz umstellen. Doch es gibt Zweifel an der Leistung dieses digitalen Systems.

von Heinrich Schwarz

Die geschätzten Kosten belaufen sich auf zehn Millionen Euro. Die Umstellung soll in den nächsten Jahren schrittweise erfolgen. Derzeit befindet man sich noch in der Aufbauphase.

Die Rede ist vom sogenannten TETRA-Funknetz. Es handelt sich dabei um einen digitalen Bündelfunk, der im Bereich der Zivilschutz- und Sicherheitsbehörden verwendet wird.

Derzeit verwenden die Rettungsorganisationen wie Feuerwehr, Weißes Kreuz, oder Bergrettung sowie die Landesdienste wie Straßendienst oder Wildbachverbauung insgesamt 51 analoge Funksysteme, was die Zusammenarbeit bei Einsätzen erschwert. Der TETRA-Funk als digitale Methode des Funkverkehrs ermöglicht eine Vereinheitlichung. Die Rettungsorganisationen etwa könnten direkt miteinander kommunizieren. Zudem würden die Betriebs- und Wartungskosten deutlich gesenkt.

Der Aufbau des TETRA-Funknetzes wird von der Landesabteilung Brand- und Zivilschutz vorangetrieben. Das Netz ist für insgesamt 15 Organisationen angedacht. Sie sind praktisch gezwungen, auf TETRA umzusteigen, da das Land von den verschiedenen analogen Systemen Abschied nehmen will.

Doch damit scheinen nicht alle erfreut zu sein. So haben sich bereits mehrere Feuerwehrmänner an die TAGESZEITUNG gewandt. Der Tenor: „Die Leistung des TETRA-Netzes ist im Vergleich zum bestehenden Funknetz nicht besser. In Bezug auf die Erreichbarkeit und die Qualität führt es sogar zu einer Verschlechterung.“ TETRA funktioniere etwa an jenen Orten nicht, an denen auch die Handys keinen Empfang haben – so in Kellern oder Tiefgaragen. Dies könne fatale Folgen haben.

Ein Feuerwehr-Funktionär, der mit der Materie vertraut ist, erklärt auf Anfrage die Situation:

„Unser analoges Funksystem funktioniert einwandfrei, aber für unsere Endgeräte gibt es fast keine Hersteller mehr. Auf kurz oder lang müssen wir uns deshalb nach Alternativen umsehen. Das Land hat sich nun für die TETRA-Technologie entschieden. Daran müssen wir uns halten. Man hört natürlich aus dem Ausland, dass es in der Abdeckung innerhalb von Gebäuden und in Tiefgaragen Schwierigkeiten gibt. Das ist auch einleuchtend, da man TETRA mit dem Handynetz vergleichen kann.“

Der Funktionär weiter: „Noch ist es aber verfrüht, das digitale System schlechtzureden, da wir noch keine aussagekräftigen Tests machen konnten. Und falls es Probleme gibt, werden wir uns sicher Alternativen offenhalten. Und es wird ja auch nicht so sein, dass wir von heute auf morgen umstellen müssen. Das wäre fahrlässig.“

Die TAGESZEITUNG hat sich auch bei Markus Rauch, dem Koordinator des Landesfunkdienstes, erkundigt. Er sagt: „Die derzeitigen Funknetze funktionieren auch nicht überall. TETRA arbeitet aber mit einer viel höheren Frequenz und hat deshalb ein anderes Ausbreitungsverhalten.“ Das Feuerwehr-Funknetz habe zudem nur knapp 40 Stationen – TETRA im nächsten Jahr 102 (siehe unten).

Vorausgeschickt, dass die Qualität von TETRA besser sei, betont Rauch aber auch, dass das Feuerwehr-Funknetz an einigen Punkten mit Sicherheit besser funktioniere. „Wir werden die Abdeckung jedoch laufend verbessern. Im Laufe der Jahre werden regelmäßig neue Stationen dazukommen, um die Funklöcher zu stopfen“, so der Projekt-Koordinator, der darauf hinweist, dass die Netze in den nächsten Jahren auch nebeneinander bestehen können: „Die Umstellung erfolgt schrittweise. Das war eine klare Forderung der Organisationen.“

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Der Fahrplan:

Das erste Baulos zur Realisierung des TETRA-Funknetzes ist praktisch abgeschlossen. Eine deutsch-österreichische Bietergemeinschaft, die die Ausschreibung gewonnen hatte, installierte 55 der 56 geplanten Sendestationen. Damit sind 70 Prozent des Landes mit Digitalfunk abgedeckt.

In dieser und der nächsten Woche findet die technische Abnahme statt. Dabei werden alle angeforderten Funktionen getestet.

Ebenso startet bereits das zweite Baulos. Bis zum nächsten Jahr soll es 102 Basisstationen geben, die für eine weit höhere Funkabdeckung sorgen. „Eine 100-prozentige Abdeckung ist in einem Berggebiet jedoch nicht möglich. Diese gibt es auch momentan nicht“, sagt Landesfunk-Koordinator Markus Rauch.

Im nächsten Jahr soll dann auch die Umstellung auf das TETRA-System schrittweise vorangetrieben werden. Dazu werden die entsprechenden Endgeräte angekauft. Die ersten Nutzer werden voraussichtlich die Landesdienste sein – darunter Straßendienst und Wildbachverbauung. Für die Rettungsorganisationen wartet man hingegen auf eine bessere Funkabdeckung, die insbesondere für die Bergrettung unbedingt erforderlich ist.

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