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Aus für den Rosskopf?

Alarmstimmung in Sterzing: Auch dem Rosskopf droht in zwei Jahren die Einstellung des Skibetriebes. Der Präsident der Neuen Rosskopf GmbH, Helmuth Messner, wirft das Handtuch: Er will mit dem Bürgermeister Fritz Karl Messner nicht mehr weiterstreiten.

von Erna Egger

Schwarze Wolken brauen sich über dem Roßkopf zusammen – und diese kommen gleich aus mehreren Richtungen: Morgen findet die Sitzung des Verwaltungsrates der Neuen Roßkopf GmbH statt. Der Präsident Helmut Messner wirft das Handtuch. „Ich werde noch meine Zeit beenden. Aber mit 30. November 2015, mit der Kapitaleinzahlung, ist meine Zeit um“, bestätigt Messner.

Er hat die Schnauze voll: „Man hat hinter meinem Rücken gespielt. Und ich habe keine Lust mehr, mit dem Bürgermeister weiterzustreiten.“

2005 wurde die Neue Rosskopf GmbH gegründet, um das Skigebiet in Sterzing vor dem Konkurs zu retten. Ein Kämpfer an vorderster Front war Helmut Messner. „In diesen neun Jahren habe ich meinen Job erfüllt. Wir stehen besser da, als im Jahre 2005. Das, was ich versprochen habe, habe ich erfüllt. Ich habe immer gesagt, dass wir den Berg mittelfristig halten können, langfristig muss er sich jedoch besser aufstellen.“

Von Letzterem ist man aber weit entfernt: „Langfristig tut man alles, dass sich der Berg nicht besser aufstellen kann“, schildert Messner.

Er fühlt sich im Stich gelassen, besonders von der Gemeindeverwaltung und dem Bürgermeister Fritz Karl Messner: „In neun Jahren hatte der Bürgermeister nicht einen Euro für den Roßkopf übrig. Mit ihm kommen wir hinsichtlich der Seilbahn nicht weiter. Wir mussten nur darum streiten, ob die Gemeindeverwaltung aus der alten Gesellschaft heraus muss oder nicht. Am Ende haben wir die alte Anlage übernommen. Anfangs hätten wir sie um eine Million Euro übernehmen müssen und schlussendlich haben wir sie um ein paar Hunderttausend Euro bekommen. Jetzt wird sich die Gemeinde bewusst, dass sie das Zepter aus der Hand gegeben hat“, schildert Messner.

Die Gemeinde hätte die Möglichkeit, das Skigebiet zu unterstützen. Im Dezember 2013 wurde ein Landesgesetz erlassen, dass die Bezuschussung von Dorfliften ermöglicht. Die Taten blieben jedoch aus.

In den nächsten zwei Jahren sind auf dem Sterzinger Hausberg große Investitionen zu tätigen: Der Telferlift wurde abgebaut. Es muss eine neue Verbindungspiste zum Stocklift realisiert werden. Kostenpunkt: rund 600.000 Euro. Gleichzeitig ist der Mittellift, der Panoramalift, auszutauschen. Ohne diesen kommt auf die Telfer-Seite nicht hinüber. Mit mehreren Millionen Euro schlägt diese Investition zu Buche. Für ein Jahr konnte man noch einen Aufschub erwirken – danach müssen diese Maßnahmen zwingend umgesetzt sein.

Und dort liegt das große Problem: Wie soll man die finanziellen Mittel aufbringen? Jährlich schreibt man nämlich ein Defizit von 200.000 bis 300.000 Euro.

In Sterzing gibt es große Befürchtungen, dass sich am Rosskopf bald das selbe Szenario einstellt, wie am Ploseberg in Brixen. Wird der Skibetrieb auf dem Sterzinger Hausberg eingestellt? Damit würde in der kalten Saison nur mehr die Kabinenbahn samt Rodelbahn aufrechterhalten.

„Diese Angst ist sehr berechtigt. Es besteht die große Gefahr, das der Winterbetrieb eingestellt wird. Die Gewinn- und Verlustrechnung gleicht sich nicht aus“, so der Präsident des Tourismusvereins Alois Bacher. „Und diese Situation beunruhigt mich natürlich sehr. Denn die Nächtigungszahlen im Winter sollen in Sterzing steigen und nicht sinken.“

Bacher hofft auf einen Großinvestor. „Ein Einstieg eines Großindustriellen in die Neue Rosskopf GmbH liegt in der Luft. Es sollte alles unternommen werden, dass ihm dies ermöglicht wird“, betont er.

Die Rede ist von Michl Seeber, Chef der Leitner-Gruppe in Sterzing.

Innerhalb der Neuen Rosskopf GmbH hält sich der Optimismus in Grenzen: „Seeber hat ein paar Leuten versprochen, dass er mit 100.000 Euro einsteigt. Im Jahre 2002 herrschte eine ähnlich Situation: Damals hat man auch gesagt, es kommt Michl Seeber. Dann hat er einen Lift hinaufgebaut und nach drei Jahren wäre man Konkurs gegangen. Zudem: Diese 100.000 sind nicht das Thema“, stellt Messner fest.

Die Summe wäre bei den notwendigen Millionen, die aufzubringen sind, nur ein Tropfen auf dem heißen Stein: „Es braucht einen Konsens. Und ich habe nicht Lust, mit ganz Sterzing zu streiten. Das muss ich mir nicht antun“, sagt Messner.

Alois Bacher brachte die große Besorgnis bei der gestrigen Vollversammlung des Tourismusvereins zum Ausdruck: „Ganz und gar nicht glücklich bin ich mit der Situation am und vom Rosskopf.“

Und er prangerte Entscheidungen der Rosskopf GmbH an: „Ich muss schon sagen, dass ich überhaupt nicht nachvollziehen kann, wie man derartige Beschlüsse fassen kann und auch noch einstimmig. Jeder greift sich auf den Kopf – mehr will ich eigentlich gar nicht dazu sagen.“
Der Stein des Anstoßes: Der vorzeitige Abbau des Telferliftes hat dazu geführt, dass die Piste halbiert wurde und dass es keine Verbindung zum Stocklift gibt.

„Damit hat sich die Situation noch mehr verschlechtert. Ich war selbst im April vergangenen Jahres bei einer Vorstandssitzung der Neuen Rosskopf GmbH anwesend und habe ausdrücklich vor dem bereits beschlossenen Verkauf des Telferliftes gewarnt. Ich gebe mir heute selbst etwas Schuld: Ich hätte darauf bestehen und mit allem Nachdruck den Beschluss und den Abbau des Liftes rückgängig machen müssen“, ärgert sich Bacher.

Er ist sich sicher: „Der Berg, wenn nicht bald ein Wunder passiert, wird wohl als Skiberg sterben und uns als Naherholungsziel erhalten bleiben. Ob hier dann alle glücklich sind, lasse ich einmal dahingestellt – siehe nun den Ploseberg!“

Seine Forderung ist die Realisierung der Verbindungspiste zum Stocklift – wie bereits versprochen – und die Optimierung der Beschneiungsanlage heuer im Sommer.

„Auf unserem Hausberg herrscht die typische Sterzing-Philosophie: Jeder gegen jeden“, bedauert Bacher.

 

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