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Die Pillen-Süchtige

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Der 43-jährige Mann, der vor einem Monat in Bozen eine Apotheke überfiel, will einen gerichtlichen Vergleich wegen erschwerten Raubes abschließen.

(tom) Er trug eine Sturmhaube und ein Messer und wollte nur eines: Medikamente.

Beim Gerichtstermin am Landesgericht trägt der Mann eine orange Windjacke und wird von zwei Polizisten begleitet. Er befindet sich im Hausarrest, den er in der Therapieeinrichtung in Bad St. Isidor auf Kohlern verbringt.

Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft gegen den 43-jährigen Bozner ist kein unerheblicher: Erschwerter Raub unter Zuhilfenahme einer Waffe.

Geschehen ist das Ganze vor knapp einem Monat in der Torre-Apotheke in der Parmastraße: Ein Vermummter trat in den Verkaufsraum und verlangte die Herausgabe mehrerer Packungen Medikamente. Zu Unterstützung seiner Forderung hielt er einer Mitarbeiterin der Apotheke sein mitgebrachtes Messer an den Hals.

Die verlangten Medikamente wurden herausgegeben, der Räuber machte sich davon, wurde aber bald darauf identifiziert und verhaftet.

Am Montag fand im Rahmen eines Schnellverfahrens die erste Verhandlung zu diesem Fall am Landesgericht statt. Dabei zeigte sich, dass der Angeklagte das Strafverfahren möglichst schnell abschließen möchte, wenn möglich mit einem gerichtlichen Vergleich.

Zuerst aber, so kündigte sein Anwalt Nicola Nettis an, soll ein etwaiger Schadenersatz beglichen werden, um die Voraussetzungen für den mildernden Umstand der Auszahlung von Opfern zu erfüllen. Dem steht allerdings der erschwerende Umstand gegenüber, dass die Tat mit einem Messer verübt wurde. Die Mindeststrafe für Raub liegt bei fünf Jahren Haft, ein Vergleich brächte einen Drittel automatischen Strafnachlass.

Das Motiv für die Tat ist laut Verteidiger Nettis eindeutig: Sein Mandant leide seit längerer Zeit an einiger Medikamentensucht, er sei von Anti-Angstmitteln wie Xanax und Tavor abhängig. Der Raubüberfall in der Apotheke sei die Folge einer Abstinenzkrise, weil der Arzt die Verschreibung für die Medikamente nicht (mehr) ausstellen wollte. Einige Tage vor der Tat soll sich der 43-jährige Bozner um einen Therapieplatz bemüht haben.

Die nächste Verhandlung findet am 14. Mai vor einem Richtersenat unter Vorsitz von Carla Scheidle statt.

 

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