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„Mohammed, mangia salame“

Anhänger des Oberligisten Naturns haben einen Schiedsrichterassistenten auf das Übelste beschimpft. Ganz schlimm für den Sportrichter: Keiner der Vereinsfunktionäre ist eingeschritten.

von Artur Oberhofer

Für den Sportrichter ist der Fall eklatant: „Hier ist die menschliche Würde aufs Schwerste verletzt worden.“

Es gab in den vergangenen Jahren auf Südtirols Sportplätzen immer wieder „Fan“-Exzesse. Tätlichkeiten gegen Schiedsrichter. Ausraster von Funktionären. Verbalattacken mit rassistischem Hintergrund.

Für einen weiteren sportkulturellen Tiefpunkt in Südtirol hat am Ostermontag eine Gruppe von Anhängern des Oberliga-Fußballclubs Naturns gesorgt.

Im Spiel Naturns gegen Virtus Bozen wurde ein Schiedsrichterassistent wüst beschimpft und beleidigt.

Laut Sportrichter habe diese „aus mindestens acht Personen bestehende Gruppe“ von Naturnser Anhängern den Linienrichter, der aus einem Nicht-EU-Land stammt, ab der 23. Spielminute bei jeder Spielaktion des Gegners in der Platzhälfte der Naturnser übel beschimpft.

Im Urteil des Sportgerichtes heißt es wörtlich:

„Die von den Anhängern von Naturns dem Schiedsrichterassistenten zugerufenen Schimpfwörter übertreten schändlich die Grenze einer Beleidigung und nehmen die schwerwiegendere Form der Diskriminierung an.“

Der Sportrichter spricht von „unerträglichen Vulgaritäten“, die dem Schiedsrichterassistenten zugerufen worden seien – und listet diese auf:

„Marocchino di merda; negro di merda; coglione, tornatene dalle tue bande; frocio, brucia; Mohammed, mangia salame e maiale.“

Leider, so der Sportrichter, komme es immer wieder vor, dass einige wenige sogenannte Ultras die Sportstätte „mit einer von rüpelhaften Gestalten besuchten Bude verwechseln“, wo sie „Flüche jeglicher Art und Zotigkeiten, die als menschenverachtend zu bezeichnen“ seien, losließen.

Der Sportrichter kann sich denn auch einen Seitenhieb auf die Funktionäre des Sportvereins Naturns nicht verkneifen.

Im Urteil heißt es:

„Absolut zu verurteilen ist auch die Tatsache, dass kein Funktionär des Sportvereins Naturns eingeschritten ist, um den Zurufen ein Ende zu setzen. Es ist festzuhalten, dass es sich nicht um einen Einzelfall handelt, sondern – leider – um das abscheuliche Verhalten einer größeren Gruppe – mindestens acht Personen –, das sich von der 23. Spielminute der ersten Halbzeit an (…) bis zum Spielende hingezogen hat.“

Erschwerend komme hinzu, dass die „Fans“ den Vor- und Zunamen des Schiedsrichterassistenten gerufen hätten. Dieser Vorfall, so der Sportrichter, belege, dass der Sportverein Naturns „in der Vorbeugung von solch widerwärtigem Verhalten nur mangelhaft tätig“ sei und „keine wirksamen Maßnahmen im Kampf gegen Ausschweifungen mit rassistischem Hintergrund“ getroffen habe, welche von der Sportgerichtsbarkeit ausdrücklich vorgesehen seien.

Das Sportgericht stuft die Vorfälle vom Ostermontag denn auch als „diskriminierende Handlungen von besonderer Schwere“ ein.

Die Konsequenz: Der abstiegsbedrohte Verein muss seine letzten beiden Heimspiele vor leeren Rängen austragen.

Das Heimspiel an diesem Sonntag gegen Tramin findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Das Match vom 29. April gegen Obermais findet in einem neutralen Stadion statt.

Weiters muss Naturns eine Geldstrafe von 1.500 Euro bezahlen. Es ist dies die höchste je in Südtirol verhängt Geldstrafe gegen einen Fußballverein.

Auch wurde der Club formell verwarnt.

Übrigens: Das Spiel am Ostermontag endete mit einem 1:0-Sieg von Virtus Bozen.

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