Du befindest dich hier: Home » Politik » Schlag und Gegenschlag

Schlag und Gegenschlag

Foto: Leo Angerer

Der Eisacktaler SVP-Bezirksobmann Herbert Dorfmann kritisiert die Blockabfertigung bei Kufstein. Fritz Gurgiser, Obmann des Transitforums, weist ihn dafür zurecht – und versetzt ihm einige Nadelstiche.

von Markus Rufin

Am Freitag sorgte der EU-Parlamentarier und Brixner SVP-Bezirksobmann Herbert Dorfmann mit einer Aussendung für Aufmerksamkeit. Der sonst bei dieser Thematik eher zurückhaltende Dorfmann kritisierte den Lkw-Stau auf der Autobahn am Donnerstag und machte die Blockabfertigung in Kufstein dafür zum größten Teil verantwortlich.

Von Anfang an: Am Donnerstagnachmittag stauten sich die Lkw zeitweise von Sterzing bis nach Bozen. Ein „untragbarer Zustand“, meint der EU-Parlamentarier. Obwohl am späten Vormittag ein schwerer Verkehrsunfall für größere Verzögerungen sorgte, sieht Dorfmann die Schuld für diesen kilometerlangen Stau bei der Blockabfertigung: „Es kann nicht sein, dass nach einer Blockabfertigung alle aufgestauten Lkw gleichzeitig losfahren und sich dann im Eisacktal, wo die Autobahn am engsten wird, wieder stauen.“

Dorfmann befürchtet, dass sich der Stau vom Donnerstag nach jeder Blockabfertigung wiederholt. Daher müsse man auch am Brenner diese Maßnahme durchsetzen, „um nur so viele Fahrzeuge weiterfahren zu lassen, wie der Wipptaler und Eisacktaler Abschnitt der Brennerautobahn schlucken kann“, so der EU-Parlamentarier.

Kritik übt Dorfmann auch in Richtung eigener Partei: „Es ist geradezu grotesk, den Eisacktaler Bürgern Diesel-Fahrverbote anzudrohen und gleichzeitig mit ansehen zu müssen, dass aufgrund nicht abgestimmter Verkehrsmaßnahmen hunderte von Lkw stehen.“ Die Eisacktaler werden den Verkehrszuwachs laut Dorfmann jedenfalls nicht akzeptieren.

Es dauerte nicht lange, da kam auch schon die erste Reaktion auf die Kritik des Brixner SVP-Bezirksobmannes. Fritz Gurgiser, Obmann des Transitforums Austria-Tirol, ließ die Provokation nicht auf sich sitzen und feuerte in gewohnt ausdrucksstarker Manier in einer Aussendung zurück.

Gurgiser bezeichnet die Meldung als abenteuerlich und als zu spät verfassten Aprilscherz. Zudem merke man, dass in Südtirol bald Wahlen anstehen, da sich Dorfmann „nahezu eine ganze Periode in vornehmes Schweigen“ zum Thema („vor allem selbst verschuldet“, meint Gurgiser) gehüllt habe.

Die Blockabfertigung an der Staatsgrenze Kufstein dient laut Gurgiser dazu, „die Sicherheit, Leichtigkeit und Flüssigkeit des Verkehrs aufrecht zu halten“. Davon profitiere auch die Bevölkerung entlang der A22, denn: „Je weniger in der Stunde in Kufstein einreisen, umso weniger queren im Transit auch den Brenner.“

Der Transit-Papst lässt es aber nicht bei einer einfachen Stellungnahme bleiben, sondern versetzt Dorfmann noch ein paar Nadelstiche und gibt ihm einige „Empfehlungen“ auf den Weg: „Der gute Herr EU-Abgeordnete soll sich persönlich kundig machen, was es mit der ganz normalen Maßnahme Blockabfertigung auf sich hat.“

Zudem solle Dorfmann „längst überfällige Maßnahmen einfordern“. Dazu zählt Gurgiser die Erhöhung der Maut auf Tiroler und Schweizer Niveau, ein Lkw-Nachtfahrverbot, strenge Kontrollen der Bedingungen der internationalen Transitfahrer und Tempolimits für Pkw, Lkw und Busse.

„Diese vier Maßnahmen reichen schon aus, um die Transitlawine zu reduzieren“, meint Fritz Gurgiser. Ein Dosiersystem am Brenner Richtung Süden bringe in der Sache gar nichts.

„Mit der Umsetzung der Maßnahmen würde Dorfmann zudem die Landespolitik im Norden und das Transitforum Austria unterstützen. Somit wäre die einheitliche Verkehrspolitik gewährleistet“, so Gurgiser.

Mit dem Post Skriptum setzt er aber noch mal einen drauf. Er bittet die Medien, „milde“ mit Herbert Dorfmann zu sein, da er „vielleicht er nur zu lange den Brüsseler Wirren ausgesetzt war“. Der freie Güterverkehr über den Brenner werde Schritt für Schritt abgedreht.

Zum Abschluss unterstreicht Fritz Gurgiser, dass Transitlawinen grundsätzlich „von Narren ausgelöst werden, die nicht imstande sind, die Prioritäten richtig zu reihen“.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
Clip to Evernote

Kommentare (39)

Lesen Sie die Nutzerbedingungen

  • criticus

    Bravo Herr Gurgiser! Ja wir haben heuer Wahlen und jetzt übertrumpfen die lästigen Politiker sich leider schon mit ihren selbsgebastelten Weisheiten. Noch bis zum Herbst und dann wird wieder weitergeschlafen.

  • jennylein

    Sobald es den ersten Toten aufgrund dieser vollkommen absurden und populistischen österreichischen Massnahme gibt, wird vielleicht auch Herr Gurgieser das Ganze etwas anders sehen. Wer mal an dieser wirklich unglaublichen Kolonne vorbeigefahren ist, der wundert sich, dass es bis heute noch keinen tödlichen Unfall gegeben hat. Im Vorjahr bei den Asphaltierungsarbeiten zwischen Ala und Affi gab es, bei ähnlicher Verkehrsituation, zwei Tote und einen Schwerverletzten innerhalb weniger Wochen.

    Nun werden ein paar ganz Schlaue meinen, das ist ja auf italienischer Seite… Ja super. Die Österreicher machen einfach an einer einzigen Stelle zu und um die daraus entstehende Scheiße kann sich die A22 mit Verkehrspolizei kümmern. Schaut euch das mal an. Da stehen dutzende Beamte in Bozen Süd und an allen anderen Einfahrten schon 24 Stunden vorher im Im Einsatz, damit es nicht ein totales Chaos gibt. Mehr kann man da nicht machen…wie einfach wäre es mit der Blockabfertigung am Tag nach dem Feiertag schon kurz nach Mitternacht zu beginnen und es würde niemand sterben, weil es halt mal eine Nacht etwas lauter ist.

    Natürlich muss man alles tun, um den LKW-Verkehr auf der Brennerautobahn einzuschränken, aber solche Aktionen sind einzig gefährlicher Populismus, der die eigenen Probleme potenziert nach Italien auslagert.

    • sigmundkripp

      Tote vom Langsamfahren?? Aber Tote vom LKW-Abgas sind in Ordnung? Nein: Dorfmann sollte sich für eine Blockabfertigung in Salurn oder Affi einsetzen. Oder sich für die Mauterhöhung stark machen. Was hat Herr Dorfmann diesbezüglich bisher getan?

    • gurgiser

      Liebes Jennylein, was ist denn nun gar daran „populistisch“, wenn ein Land die Straßenverkehrsordnung vollzieht und den Verkehr für alle – auch für dich – „sicher, flüssig und leicht“ hält?
      Ja und du hast vollkommen Recht: Es ist gefährlich auf der Straße – aber erst, wenn alles steht und dann die verrücktesten Überholversuche oder Ein- und Abfahrten in die A12, A13 oder A12 passieren.
      Tote, schwer Verletzte, leichte Personenschäden, all das gibt es seit Jahren. Bei der Ausreise in Kufstein, wo die Bayern seit langem Personenkontrollen durchführen und willkürlich Staus bis zurück nach Wörgl und Kundl verursachen. Prinzip: Flüchtling „go home“, Transitlaster „welcome“.
      Auch für dich der gleiche Rat wie für Herrn Dorfmann: Zuerst kundig machen und in Folge vielleicht bedanken – dass Tirol auf die Sicherheit aller schaut und der Süden wieder davon profitiert – wer in Kufstein nicht einreisen kann, staut auch nicht zwischen Sterzing und Bozen. Denn die, die „dosiert“ einreisen, vermehren sich bis zum Brenner ja nicht wie Kaninchen. Auch dir schönen Tag.
      Fritz Gurgiser

    • george

      ‚jennylein‘, Diese unglaublichen Kolonnen und eventuelle Unfälle werden nicht durch die Blockabfertigung auf österreichischer Seite verursacht, sondern durch solche Wirrköpfe mit solchen Denk- und Handlungsweisen wie Sie. Sie verwechseln wohl Ursache und Folge. Die Nordtiroler Maßnahmen sind lang durchdachte und genau dosierte Grundlagen, damit nicht noch mehr Chaos entsteht und es wäre längst überfällig, dass diese Maßnahmen durch gleichgesetzte Maßnahmen und Anpassungen auf Südtiroler Seite nachfolgen würden, damit endlich den Transitkolonnen und den Gesundheitsschädigungen in unseren engen Tälern ein Ende gesetzt werde.

    • besserwisser

      @jennylein: setz ein zeichen und fang du mal an: fahr mit dem zug!

  • goggile

    wie lächerlich ein Dorfmann ist, zeigt neuerdings dass die svp dieselfahrverbote fordert und die svp selbst nichts gegen einen abtrünnigen unternimmt.

  • vogel

    Seit 30 Jahren verfolge ich die Diskussion um Lärm und Abgase entlang der Brennerautobahn. Die Südtiroler Politik hat in all den Jahren konsequent ihr Ziel erreicht: NICHTS ZU ÄNDERN.
    Wenn jetzt die selben Argumente hervorgezerrt werden wie vor 30 Jahren, zeigt das nur welch lächerliche Figuren in Südtirol gewählt werden.

  • tiroler

    Da treffen zwei aufeinander: der eine pseudopolitiker, der in brüssel und straßburg den luxus auf kosten der normalbürger auskostet, ansonsten viel redet, ohne jemals etwas zu sagen. Auf der anderen Seite ein Verrückter populist vom transitforum, der glaubt, man müsse die gesellschaft in die steinzeit zurückbefördern. Die realität ist aber eine andere. Vor nicht langer zeit wurde kollektiv gejammert, weil krisenbedingt der verkehr abnahm. Jetzt blüht die wirtschaft und alle regen sich über den verkehr auf.
    An beide Herren: es gibt keine lösung, der freie warenverkehr kann nicht eingeschränkt werden solange keine alternative im dienst ist(brennerbasistunnel).

    • drago

      Im Gegenteil, das Prinzip des ungehinderten freien Warenverkehrs muss endlich einmal in Frage gestellt werden. Eine Wirtschaft, die auf unendlichem Wachstum aufgebaut ist, muss früher oder später kollabieren. Es gibt nichts, das unendlich wachsen kann, außer der menschlichen Dummheit.

    • yannis

      der freie Warenverkehr kann nicht eingeschränkt werden.“…………..

      aber das unsinnige spazieren fahren von Waren von Nord nach Süd und zurück könnte durchaus beendet werden wenn man an der Quelle des Rohstoff’s. gleich auch das Endprodukt herstellt, vor allem wenn auch noch der potentielle Verbraucher gleich um die wohnt.
      Eines der der vielen Beispiele für sinnlosen Warenverkehr ist der g.g.A Speck aus Südtirol der 2000 Km durch die Gegend gekarrt wird, obwohl für die Produktion und Vermarktung dieser Schweine-Keulen bestenfalls 200 Km nötig sind.

  • tiroler

    Ich wette, dass dein gehalt mit steuergeldern bezahlt wird. Zu1000%

  • tiroler

    DRAGO: Ich wette, dass dein gehalt mit steuergeldern bezahlt wird. Zu1000%

  • gurgiser

    Seid’s bitte auch mit dem angeblichen „Tiroler“ milde, dürfte sich eher um einen Burgenländer oder Sizilianer handeln, dem die Verhältnisse rund um den Brenner gänzlich unbekannt sind. Oder einen gewöhnlichen Internet-Troll, der versucht, den steigenden Verkehr mit steigender Wirtschaft zu argumentieren, was natürlich ein kompletter Unsinn und längst widerlegt ist.
    Das, was auf Grund der Nichtharmonisierung des Binnenmarktes tatsächlich dramatisch zugenommen hat, ist das Hin- und Hergekarre von Waren aller Art unter dem Titel „veredleln“ etc.. Erst unlängst Spargel beim Billa made by Italy, abgepackt in Hamburg und dann wieder zurückgekarrt, um in Vomp zwischen Autobahn und Eisenbahn den Konsumenten zu erreichen.
    Das ist eben „die Wirtschaft“, die solche Damen oder Herren meinen, die sich noch dazu als „Tiroler“ mit etwas schmücken wollen, was sie gerne wären. Wir Tiroler aber verstecken uns nicht in der Anonymität, wir patzen auch niemanden anonym an, die/der sich seit Jahrzehnten für die Bevölkerung und Wirtschaft rund um den Brenner engagiert und haben den Mut, das einzufordern, was Tirol braucht – nördlich und südlich des Brenners.
    Schönen Tag,
    Fritz Gurgiser
    http://www.transitforum.at

    • tiroler

      @gurgiser: schon in der Headline steht: Schlag und Gegenschlag. Sie haben auch Geber- und Nehmerqualitäten. Natürlich würden wir alle besser leben, hätten wir nicht diese enorme Verkehrsbelastung, da sind wir uns einig. Auf der anderen Seite führt durch unser Land die wohl wichtigste Nord-Südachse des gesamten Kontinents mit 150 millionen Einwohnern nur in Ö, D und I. Versagt hat in jedem Fall die Politik, die es versäumt hat, rechtzeitig Massnahmen zu treffen, wie auch die Einschränkung fossiler Energien. Auch der Baubeginn des BBT wurde um Jahre verzögert. Den notwendigen Warenverkehr einzuschränken ist aber ein unzulässiger Eingriff in die freie Markwirtschaft, gefährdet Wirtschaftsstandorte und somit auch Existenzen. Ob wir wollen oder nicht, die Welle ist nicht aufzuhalten. Besserung ist erst mit der Fertigstellung dess BBT in Sicht. Auch alternative Antriebstechniken, vor allem für den Schwerverkehr, sind noch in den Kinderschuhen. n.b.: ich bin ein waschechter Tiroler, allerdings wohne ich nicht direkt an der Brennerachse. Es stimmt, dass sich hier 99% in der Anonymität,das Forum ist aber so aufgebaut.
      mfg.

    • yannis

      @Fritz,
      Sie haben es sehr gut auf den Punkt beschrieben !
      Ich dachte schon dass ich mir den Beispiel des Veredleten „g.g.A Schweinefleisches“
      wenig argumentieren könnte, aber dies mit dem Spargel und sicher noch viele andere Dinge die sinnlos über europäische Straßen reisen müssen bevor sie endlich den Konsumenten erreichen, zeig wie fahrlässig die Wirtschaft mit Umwelt und Resourcen umzugehen pflegt.

  • gurgiser

    Die Headline ist die Headline, es geht aber um das Thema und da ist der gute Herr Dorfmann eben weit, weit weg (aber dabei mehrheitsfähig). Dass der Brenner der niederste, bequemste und für die int. Transitflotte „feinste Pass“ ist, ist politisch gewollt, aber eben KEIN NATURGESETZ.
    Was in Ihrem Posting aber wesentlich ist, sind zwei kapitale Denkfehler: Es gibt KEINEN UNZULÄSSIGEN EINGRIFF in die freie Marktwirtschaft, denn die gibt es nun einmal nicht, sonst hätten wir ja die blanke ANARCHIE. Jeder Betrieb, ob groß oder klein, hat sich bestimmten Regeln zu unterwerfen, um Schadstoffe, Lärm hintanzuhalten; nur auf der Autobahn gilt das REAL nicht, da wird geschwindelt, betrogen, belogen, umgangen usw.. Das ist abzustellen und dafür engagieren wir uns.
    Der zweite kapitale Denkfehler ist Ihr Ansatz, dass eine „Besserung mit der Fertigstellung des BBT in Sicht“ wäre. Der BBT löst weder heutige noch zukünftige Transitprobleme, wenn die Rahmenbedingungen Straße/Schiene gleich bleiben; noch dazu, wo die DB erst vor ein paar Tagen erklärt hat, die Zulaufstrecken zum BBT wären um 2038 zu erwarten. Ganz abgesehen davon, haben wir die gleichen Versprechen nach „Besserung“ schon mit Inbetriebnahme der Eisenbahnumfahrung Innsbruck (nichts verlagert) und der Neuen Unterinntalbahn (ebenso nichts verlagert) erhalten.
    Deshalb engagieren wir uns um eine Änderung der verkehrs- und finanzrechtlichen Rahmenbedingungen, ohne die eine Verlagerung chancenlos ist.
    Was die Anonymität betrifft: Niemand hat mich gezwungen, statt meines Namens etwas anderes anzugeben – da können Sie jederzeit mit ein paar Klicks ändern und eines ist garantiert: Die Qualität jeden Forums steigt, wenn OFFEN miteinander umgegangen wird, dann scheiden die aus, die in der Anonymität nur andere anpatzen wollen – was bei mir ohnedies vollkommen in die Hose geht.
    Schönen Sonntag – schauen Sie heute KRONE ONLINE – Sie werden eine interessante Geschichte finden.
    Fritz Gurgiser

  • tiroler

    @Gurgiser, habe den Krone Artikel gelesen. Der Schwindel mit der Abschaltsoftware ist kriminell, deshalb muß rigoros kontrolliert und sanktioniert werden. Warum das nicht schon längst passiert, wundert mich, außer sie sind der Erste, der dies aufgedeckt hat. Ihr Version bzgl der freien Marktwirtschaft nehme ich zur Kenntnis, ich sehe es jedoch anders. Wenn diejenigen, die auf die Brennerachse angewiesen sind, und dort der Warenverkehr eingeschränkt und verteuert wird, dann sind sie denen gegenüber, welche diese Route nicht benötigen, klar im Nachteil.
    Wenn es nach der Fertigstellung des BBT wirklich weitere 10-15 Jahre dauert, bis die diese Infrastruktur den Warenverkehr übernehmen kann, wie sie erwähnen, dann gute Nacht. Ich widerhole, ein Resultat der Versäumis der Politik, gleich wie bei der Forcierung alternativer Antriebe. Südtirol hat sich zb schon vor Jahren gerühmt, eine Wasserstofftankstelle errichtet zu haben. Ausser eine handvoll Stadtbusse nützt diese Technik niemand. Im Gegenteil, das Land hat erst wieder um die 60 Dieselbusse angekauft.
    Die Brennerroute ist kein Naturgesetz, aber von der Natur vorgegeben. Alternativen sind Mangelware. Leider.

    • yannis

      @tiroler,
      Wer über Insider-Wissen der Logistik Brance verfügt könnte ein paar tausend Fälle aufzählen wo Waren nur der Globalisierung und des Irrglaubens eines ewigen Wirtschaftswachstums wegen sinnlos durch die Gegend gekarrt werden.
      Da werden in Polen hergestellte Produkte in die Nähe der Niederländischen Grenze nach West BRD gekarrt und dann zum Verbraucher nach Rumänien.
      Es werden Gemüse-Produkte per Flugzeug aus Südamerika nach Frankfurt Hahn geflogen und dann per LKW in alle Himmelsrichtungen verbracht, um schließlich. als Überkapazität der Supermärkte im Kompost-Container zu enden.

  • andreas

    @tiroler
    Der AdBlue Betrug ist schon länger bekannt, Gurgiser hat ihn nicht aufgedeckt, er hat nur ZDF geschaut. Bei dem Betrug geht es aber primär darum, in Deutschland Steuern und Mautgebühren zu sparen.
    http://www.spiegel.de/auto/aktuell/abgasskandal-manipulierte-lkw-aus-osteuropa-sorgen-fuer-massive-schaeden-a-1130332.html

    @yannis
    Man muss kein Insider der Transportbranche sein um zu wissen, dass in Südtirol z.B. wenig Bananen oder Orangen wachsen und diese mit Schiff und LKW hergekarrt werden müssen. Dass eine Dienstleistung dort eingekauft wird, wo sie am günstigsten ist, ist auch nichts neues.
    Und wenn es günstiger ist Garnelen von Hamburg nach Afrika zu transportieren, um sie dort zu schälen und sie dann wieder zurück zu bringen, wird dieses Problem nicht am Brenner gelöst werden können.
    Dein Beispiel vom Speck ist nebenbei kompletter Unsinn, da die Menge an Schweinen in Südtirol nicht verfügbar ist.

    @Gurgiser
    Was verstehen sie unter „Nichtharmonisierung des Binnenmarktes“?
    Wollen sie Unternehmen etwa vorschrieben, wo sie Dienstleistungen und Waren einzukaufen haben?
    Ich bin zwar auch dagegen, Waren durch die halbe Welt zu karren, um ein paar Euro zu sparen, der Ansatz dies zu ändern ist aber gewiss nicht der, Tirol für ausländische Frächter teilweise zu sperren und die eigenen fahren zu lassen, sondern die Transportkosten und den Warenverkehr weltweit durch Zölle, Steuern und Maut entscheidend zu steigern. Das wäre dann aber Protektionismus, also genau das, was Trump gerade macht und weltweit kritisiert wird.

    Was sie fordern ist Italien vom Warenverkehr abzuschneiden, was in der momentanen wirtschaftlichen Situation nicht wirklich förderlich ist. Ihre einseitige und fanatische Betrachtungsweise halte ich nebenbei für recht naiv.

    • yannis

      Ach so das mit dem Speck sei Blödsinn,
      sicher sind in Südtirol, wenn man mal von den zweibeinigen absieht, nicht genügend Schweine zur Verfügung, aber welche Gesetzmäßigkeit ist es denn dass mit Gewürzen aus DE geräuchertes Schwein zum Verzehr wiederum in DE ausgerechnet in Südtirol passieren muss ?
      Diese Fleischklumpen könnten genauso gut gleich neben der Mästerei in Niedersachsen für z.B. Aldi mit Hauptsitz Mülheim Rur gewürzt und geräuchert werden.
      Transportweg dann weniger als 200 Kilometer, nicht 2000 !

  • silverdarkline

    @Gurgisser
    Erstmal vielen Dank für Ihren Kampf um eine bessere Umwelt und Lebensqualität. Mir ist bewusst, daß Sie teilweise gegen Windmühlen kämpfen umso bewundernswerter Ihr Einsatz.
    Endlich hat jemand den Mut zu sagen, daß der BBT keine Probleme lösen wird, es ist doch allgemein bekannt, daß die Grundvoraussetzungen fehlen, von der italienischen Bahn ganz zu schweigen.
    Einige Politiker wollten sich mit diesem sinnlosen Milliardenprojekt ein Denkmal setzen, das ist alles. So nach dem Motto, baun wir mal einen Tunnel und alles wird dann über die Schiene abgewickelt, so ein Blödsinn.
    Weiter so Herr Gurgisser, sie tun etwas, das Politiker-Bla-Bla interessiert uns nicht.

  • gurgiser

    @Andreas: Erstens: Niemand will Italien vom Warenverkehr abschneiden; warum fährt FERCAM 70 % seiner Transporte nicht über den Brenner, sondern über die Schweiz? Oder gehören Sie auch zu denen, die der eigenen Bevölkerung vorgaukeln, der Brenner wäre der einzige Alpenübergang (Schiene/Straße) von Nizza bis Wien, um „Italien zu erreichen oder zu verlassen“?
    Zweitens: Die Industrie hat die Realisierung des Binnenmarktes gefordert (Cecchini-Bericht) und so wurde er mit 1.1.1993 umgesetzt. Dann wurde seither flott liberalisiert und abgebaut etc., aber nichts harmonisiert – deshalb wird heute kreuz und quer durch Europa gekarrt; durch die Alpen längst in einem gesetzwidrigen Ausmaß (Lärm, Schadstoffe etc.).
    Deshalb die Folgen: Ausbeutung der Mitgliedstaaten, Ausbeutung der Lenker, Überwälzung zahlreicher Betriebskosten versteckt an die Allgemeinheit – so viel in Kürze und alles bekannt. Auf theoretischer (Studien) wie praktischer Ebene (erleben wir alle, die wir im produzierenden Gewerbe, der Landwirtschaft, dem Handwerk, der Industrie tätig sind).
    Der Verkehr hat sich den engen Gebirgstälern anzupassen und unterzuordnen und nicht umgekehrt – die Zeit des Transitterrors muss ein für alle Mal beendet werden und dafür setzen wir uns ein. Für die Bevölkerung und für die Wirtschaft, da haben Sie noch ein wenig zum Nachdenken. Wer den Transit hofiert, killt Gesundheit und regionale Arbeitsplätze, um es auf den Punkt zu bringen.
    Jedenfalls ist es eine gute Diskussion in diesem Forum.
    LG
    Fritz Gurgiser

    • gurgiser

      Nachtrag: Die AdBlue-Geschichte steht schon seit Monaten auf unserer Website – „Die Lüge vom sauberen Lkw“ – sie ist nicht neu, muss aber so lange thematisiert werden, bis das korrekt erledigt wird.
      Denn eines sollten alle wissen: Abgasbetrug ist in erster Linie GESUNDHEITSBETRUG und in zweiter Linie KONSUMENTENBETRUG – beim Lkw wie beim Pkw.
      LG
      Fritz Gurgiser

      • andreas

        Interessiert aber auch nur die deutsche Bundesregierung, da ihr Steuern und Maut entgeht.
        Wobei es zu den Deutschen passen würde die eigene Autoindustrie beim Dieselskandal zu schützen und die Ausländer zu bestrafen.

        • gurgiser

          Das versuchen sie ja mit ihrem seltsamen Ansatz zu einer „Maut für Ausländer“ – de facto eine Autosteuer einführen und sie 90 % der Zahler wieder zurück geben. Gut, dass die „Erfinder“ dieses Schwachsinns aus Bayern kommen, denn damit bestätigen die bayerischen Politiker einmal mehr ihre Unfähigkeit (siehe auf unserer Website rechts: „Auf die Bayern ist Verlass“ :-).

          • andreas

            Die Maut für PKW und die für LKW in Deutschland haben nichts miteinander zu tun, die für alle LKW läuft seit Jahren und die Kosten hängen auch von den ausgestoßenen Schadstoffen ab. Dobrindt war einer der unfähigsten Minister die ich kennne, gut, Schmidt war auch nicht besser, doch dem Scheuer traue ich noch weniger über den Weg.
            Was Deutschland sich mit den Zulaufstrecken für den BBT leistet, ist nebenbei eine bodenlose Frechheit.

          • yannis

            Also ich bin in Östereich Ausländer und zahle wenn ich dort unterwegs bin Maut,
            Warum soll ein Östereicher der in DE unterwegs ist keine Maut zahlen ?
            DE kann Maut einführen, für ALLE und nach Belieben die KFZ Steuer abschaffen wann und wie es will, weil das eine mit dem andern nichts zu tun hat.
            KFZ Steuer ist ohnehin der größte Blödsinn weil die, die mit dem Auto maßvoll umgehen die geschröpften sind.

  • andreas

    @Gurgiser
    Das Problem ist global und nicht lokal. Deshalb erinnert mich ihr Einsatz an „Das Wunder von Mals“.
    Sie nehmen doch nicht ernsthaft an, dass jemanden die Aisbeutung der Fahrer aus dem Osten interessiert? Wenn sich z.B. die deutsche Bundesregierung darum kümmern würde dann nur, weil diese den einheimischen Frächtern Konkurrenz machen, gewiss nicht, um den Fahrern das Leben zu erleichtern.
    Deutschland ist z.B. so blöd und vergräbt für ein paar Euro den Giftmüll Europas bei sich. Sie können von solchen Staaten doch nicht ernsthaft erwarten, dass denen ihre Gesundheit wichtiger ist als Profit? Deshalb sehe ich ihr Anliegen als recht naiv, würde es auch befürworten, wenn sie nicht so fanatisch wären.

    Die Schiene kann nur funktionieren, wenn sich die Straße nicht mehr rechnet. Lokale Verbote verlagern nur das Problem.

    • gurgiser

      Gut, probieren wir es noch einmal mit Fakten oder einfach zum Nachdenken:
      1) Das Problem ist LOKAL und nicht GLOBAL – denn es geht um unsere Gesundheit und wirtschaftliche – existenzielle – Zukunft in den engen Tälern nördlich und südlich des Brenners.
      2) Es interessiert mich und uns im Transitforum Austria-Tirol überhaupt nicht, was in den Transit-Verursacher-Staaten – dort, wo die Transit-Lkw ebenso „steuerschonend“ angemeldet sind, wie die Fahrer, die ausgenutzt und ausgebeutet werden.
      3) Weil auch für diese Staaten eines gilt: An der Brennerstrecke gelten andere Regeln als in voralpinen Räumen oder Flachländern.
      4) Ich war nie „fanatisch“, sondern bin nur ein ganz normaler Tiroler, der sich mit anderen dafür einsetzt, dass an der Brennerstrecke geltende RECHTE der Bürgerinnen und Bürger eingehalten (bspw. Grenzwerte für Lärm und Abgase) und nicht von schweren Lastern überrollt werden.
      5) Wäre ich „fanatisch“, würden mir ganz andere Sachen einfallen – aber wir im Transitforum Austria-Tirol bekennen uns zum gewaltfreien Bürgerengagement, auch wenn die andere Seite täglich Gewalt gegen Mensch und Natur, gegen Boden und Pflanze, gegen Luft und Wasser ausübt.
      6) Und wichtigster Punkt: Wir stehen mit unseren Forderungen an Behörden und Politik auf dem Boden der nationalen und internationalen Gesetzeslage.
      7) Einer Gesetzeslage, die von der Politik auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene über Jahrzehnte gestaltet wurde. Jetzt, wo es um das Umsetzen geht, sind Politiker vielfach auf der Flucht oder behindern die eigenen Behörden, weil sie merken, dass womöglich die eine oder andere Wählerklientel betroffen ist. Wir aber sind niemanden verpflichtet, von niemanden abhängig und können daher unbeeinflusst das tun, einfordern und durchsetzen, was für diese Region im Öffentlichen Interesse notwendig ist. Hat weder etwas mit Fanatismus, mit Kampf gegen Windmühlen oder David gegen Goliath zu tun – ist einzig und allein unsere „gelebte Generationenverantwortung“ – enkeltaugliche Politik.
      LG
      Fritz Gurgiser

      • andreas

        Mit fanatisch meinte ich natürlich nicht Gewalt, dass wäre mir nie in den Sinn gekommen.
        Als global sehe ich es deshalb, weil wie geschrieben bei einer starken Reduzierung des Brennerverkehrs, sich der Verkehr auf andere Übergänge verlagern würde, eine recht egoistische Einstellung.
        Nebenbei ist jeder AdBlue LKW sauberer als ein Euro 6 PKW, LKWs zu gängeln, sehe ich nicht als Lösung.

        • gurgiser

          Na, das ist nun schon interessant – wir sind also „egoistisch“? Wenn wir das verlangen, was uns zusteht:
          Keine Überschreitung der Stickstoffdioxidgrenzwerte im Mittel von + 40 % bis + 107 % (Kufstein-Salurn), keine Überschreitung der Lärmgrenzwerte an der Inntal- und Brennerautobahn um + 100 % bis + 300 % (Tag und Nacht)?
          Es hat die Tiroler Landesregierung festgestellt, dass über den Brenner nicht einmal mehr 50 % der Lkw’s den kürzesten Weg über die Alpen wählen, sondern Umwege von 60 bis 300 km in Kauf nehmen.
          Es haben die Landtage in Innsbruck und Bozen beschlossen, den Lkw-Transit auf das notwendige Maß zu reduzieren – ein Teil durch Verlagerung auf die Eisenbahn, die WIR – nicht die Politik – mit Milliarden an Steuergeld seit knapp 30 Jahren ausbauen und modernisieren und ein Teil nach dem Prinzip des kürzesten Weges auf Schiene oder Straße durch die Alpen.
          Darum geht es und nicht um Egoismus. Niemand behauptet, dass der AdBlue-Lkw schlecht wäre; aber die, die um 20 oder 30 Euro die Abgastechnik ausschalten und aus einem EURO VI AdBlue Lkw in den Papieren eine EURO 0 Dreckschleuder machen? Sind das „Kavaliere der Straße“ oder vielleicht doch Gauner und Ganoven der übelsten Sorte und noch dazu grob wettbewerbsverzerrend unterwegs? So liegen die Fakten, wenn bereits mehr als 2,2 Millionen Transit-Lkw auf der Straße über den Brenner durch enge Gebirgstäler rollen, steuerschonend in EU-Ost-Staaten samt Fahrern angemeldet sind und den Brenner als Transitschleuder missbrauchen. Auf Radwegen und Straßen illegal parken u. v. a. auch.
          Egoistisch sind wohl die, die keine Rücksicht auf unsere besonderen Bedingungen in den engen Tälern nehmen.
          Wünsche allen einen schönen Abend und wer mehr dazu „live“ sehen und hören will, am 18. April 2018 findet in Trens bei Sterzing eine Informations- und Diskussionsveranstaltung zum Thema statt.
          Bedanke mich für alle interessanten Einträge, die Gelegenheit gegeben haben, unsere Sichtweise darzustellen – ob sie nun richtig oder falsch ist, sollen die bewerten, die wie wir an oder zwischen Autobahn und Eisenbahn leben, wohnen, arbeiten, Steuern und Abgaben bezahlen und ein RECHT darauf haben, dass gesetzlich festgelegte Grenzwerte zum Schutz der menschlichen Gesundheit eingehalten werden.
          LG
          Fritz Gurgiser
          http://www.transitforum.at

          • yannis

            @Fritz
            persönlich bin ich vom Transit-Wahsinn über den Brenner nicht betroffen, aber es betrifft alle EU Bürger mehr oder weniger und es kann und darf so nicht weiter gehen.
            Nur um des Willens des unendlichen Wachstum’s und des Profit’s, des Lohndumpings, Steuervermeidung, um nur ein paar Beispiele zu nennen, quasi den Volkssuizid zu begehen ist einfach nur abartig.
            Vielen Dank für Dein Engagament und der Mühe hier einen „Blinden“ die Farben zu erklären !

            Beste Grüße
            Yannis

  • andreas

    @Gurgiser
    Sie vermischen mir da zu viele Themen.

    Die, welche das AdBlue System ausschalten, sind zu bestrafen.

    Denen, welche die Fahrer im Osten anmelden um Gehälter zu sparen, kann man aber nicht wirklich etwas vorwerfen, das ist halt freie Marktwirtschaft.

    Der Grund, warum nicht die kürzeste Strecke über den Alpen verwendet wird, liegt wohl an den Kosten.
    Warum erhöht Tirol eigentlich nicht massiv die Autobahngebühren?
    Warum hält Österreich den Spritpreis so niedrig?

    Sie wirken wie jemand der einfache Antworten auf schwierige Fragen geben möchte.
    Die Angelegenheit ist weit komplexer als sie vermitteln möchten.

    Ich finde es z.B. auch nicht gut, wenn in Oststaaten Fahrer rekrutiert werden, doch die Forderung der deutschen Frächter, dass in ihrem Land nur mit ihrem Lohnniveau gefahren werden darf, hat nichts mit freier Marktwirtschaft zu tun.

    Welche Lösung haben sie eigentlich außer LKW Fahrer mit Blockabfertigungen zu schikanieren?
    Ich hoffe ihnen ist klar, dass diese LKWs auch ihre 1,49 Euro Bananen zum Hofer bringen.
    Und wen nicht ihre, ich kenne ihr Kaufverhalten nicht, dann gewiss die mancher ihrer lautstarken Mitstreiter.
    Und dass das Zeug, mit welchen sie hier schreiben, mit Schweröl betriebenen Schiffen und LKWs zu ihnen gebracht wurde, ist ihnen gewiss klar.
    Aber gut, egal, Hauptsache wir Tiroler haben es ruhig und saubere Luft. 🙂

Kommentar abgeben

Du musst dich EINLOGGEN um einen Kommentar abzugeben.

2013 ® © Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH/Srl - Alle Rechte vorbehalten. Impressum | AGB | Cookie Hinweis

Nach oben scrollen